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Wirtschaftsweise rechnen für 2023 mit Mini-Erholung - Inflation bleibt „große Belastung“

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Von: Thomas Schmidtutz

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Rechnen für 2023 nicht mehr mit einer Rezession in Deutschland: Die Mitglieder des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (von links nach rechts): Ulrike Malmendier, Martin Werding, Monika Schnitzer, Achim Truger und Veronika Grimm bei der Vorlage des Frühjahrsgutachtens am Mittwoch in Berlin.
Rechnen für 2023 nicht mehr mit einer Rezession in Deutschland: Die Mitglieder des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (von links nach rechts): Ulrike Malmendier, Martin Werding, Monika Schnitzer, Achim Truger und Veronika Grimm bei der Vorlage des Frühjahrsgutachtens am Mittwoch in Berlin. © dpa

Die Wirtschaftsweisen rechnen für 2023 nun mit einem Mini-Plus. Das größte Risiko für die wirtschaftliche Erholung in Deutschland sehen die Experten in der anhaltend hohen Teuerungsrate.

München – Die deutsche Wirtschaft steht im laufenden Jahr nach Einschätzung der Wirtschaftsweisen vor einer sehr langsamen Erholung. Die Wirtschaftsleistung werde im laufenden Jahr um 0,2 Prozent zulegen, heißt es im Frühjahrsgutachten des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Lage (SVR). Noch im Herbst waren die Ökonomen von einem Minus von 0,2 Prozent und damit einem Rückfall in die Rezession ausgegangen.

Für 2024 rechnen die Experten mit einem Plus von 1,3 Prozent. Gegenüber dem Herbst habe sich die Lage zwar leicht gebessert, die Lage bleibe aber angespannt. Vor allem die hohe Inflation sei „weiterhin eine große Belastung für die Konjunktur“. Im Jahresdurchschnitt rechnet das Gremium mit einer Teuerungsrate von 6,6 Prozent nach 6,9 Prozent im Vorjahr. Im Herbst hatten die Wirtschaftsweisen für 2023 noch einen Preisanstieg um 7,4 Prozent prognostiziert. Dieses weiterhin hohe Niveau sowie die jüngsten Leitzinserhöhungen durch die EZB dämpften jedoch das Wachstum, sagte die Vorsitzende des Gremiums, Monika Schnitzer. „Insgesamt erholt sich die Konjunktur langsam.“

Wirtschaftsweise: Weniger Risiken für die Konjunktur

Die deutsche Wirtschaft werde zwar „weiterhin durch die hohen Energiepreise belastet, sie hat sich jedoch im Winterhalbjahr gegenüber der Energiekrise recht widerstandsfähig gezeigt“, resümierte Schnitzer. Hintergrund seien eine vorerst stabilisierte Energieversorgungslage sowie gesunkene Großhandelspreise. Damit hätten die kurzfristigen Abwärtsrisiken für die deutsche Wirtschaft abgenommen.

Besonders betroffen ist demnach der Bausektor. „Vor allem die Bauinvestitionen werden in diesem Jahr ein deutliches Minus verzeichnen“, sagte Schnitzer. Außerdem werde die Inflation weiterhin die Lohnsteigerungen übersteigen, fügte ihr Kollege Martin Werding hinzu. „Das heißt, es wird weiterhin Reallohnverluste geben.“

Finanzkrise: Wirtschaftsweise sehen keine Ansteckungsgefahren

Von den jüngsten Turbulenzen am Finanzmarkt geht nach Einschätzung der Wirtschaftsweisen aktuell keine große Gefahr aus. „Wir möchten festhalten, dass wir im Augenblick keine Gefährdung der Finanzmarktstabilität sehen“, sagte die Wirtschaftsweise Ulrike Malmendier dazu. Die Situation sei „wirklich eine ganz andere“ als in der Finanzkrise 2008. Der Internetbankenmarkt funktioniere weiterhin „sehr gut“ und die Versorgung der Realwirtschaft mit Krediten sei gesichert.

Die Unruhe im Bankensektor geht maßgeblich auf die Zinspolitik der Zentralbanken zurück. Malmendier sieht dennoch „gute Gründe“ für die Zentralbanker, an ihrem Kurs festzuhalten, denn „das Inflationsproblem ist noch nicht gelöst“. Die Nervosität am Finanzmarkt setze die Geldpolitik aber durchaus unter Druck. Die US-Notenbank Fed sollte später am Mittwoch ihre nächste Leitzinsentscheidung bekanntgeben.

Wirtschaftsweise: Energiekrise längst nicht

Erhebliche Risiken sehen die Wirtschaftsweisen in erneuten Preissprüngen am Energiemarkt im kommenden Winter. „Die Energiekrise ist noch längst nicht vorbei“, sagte Gremiumsmitglied Veronika Grimm. Der aktualisierten Prognose liege die Annahme zugrunde, dass es nicht zu einer Mangellage kommt - was keinesfalls gesichert sei.

Grimm verwies insbesondere auf die Bedeutung Chinas. Die deutsche Exportwirtschaft werde zwar merklich von der Abkehr des Landes von seiner Null-Covid-Politik profitieren. „Gleichzeitig besteht jedoch das Risiko, dass zunehmende geopolitische Spannungen zum Beispiel zwischen den USA und China den Welthandel belasten.“ Sanktionen gegen China würden das deutsche Wirtschaftswachstum „erheblich“ beeinträchtigen, sagte Grimm weiter. Von dem Land sei die deutsche Wirtschaft noch stärker abhängig als von Russland. (AFP/utz)

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