"WirtschaftsWoche": Telekom hat doch abgehört

Düsseldorf - Neue Vorwürfe in der Spitzelaffäre der Deutschen Telekom: Der Konzern hat nach Recherchen des Magazins "WirtschaftsWoche" nicht nur Hacker-Codes und Telefondaten ausgespäht, sondern auch Gespräche abgehört.

Dies gehe aus Dokumenten hervor, die dem Magazin vorliegen, berichtet das in Düsseldorf erscheinende Magazin vorab aus seiner am kommenden Montag erscheinenden Ausgabe. Ein nach der Abhöraktion verfasster Vermerk eines beteiligten Beamten belege, dass es bei der Operation "Bunny" vor zwölf Jahren nicht nur um die Erfassung von "Steuersignalen" ging, sondern auch um "Nutzdaten", womit Sprache gemeint sei.

"Wir können auf Grundlage der Unterlagen, die uns zur Verfügung stehen, ein Abhören nicht nachvollziehen", sagte Telekom-Sprecher Mark Nierwetberg auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa. "Wir haben die "WirtschaftsWoche" gebeten, die Unterlagen uns oder der Staatsanwaltschaft auszuhändigen. Wir haben kein Interesse, irgendetwas zu verbergen."

Telekom-Chef René Obermann schloss seinen Rücktritt wegen der Spitzelaffäre aus. Er habe sich persönlich nichts vorzuwerfen, sagte Obermann dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Zugleich kündigte er an, für das "völlig inakzeptable Verhalten der Telekom" bei möglichen weiteren Betroffenen zu entschuldigen. "Wir brauchen mehr Zivilcourage", sagte Obermann. "Mitarbeiter müssen wissen, dass es richtig ist, Anweisungen von Vorgesetzten hinterfragen zu dürfen und im Zweifelsfall auch abzulehnen."

Wie die "WirtschaftsWoche" schreibt, geht aus den Aufzeichnungen des Beamten eindeutig hervor, dass bei der Aktion des Telefonkonzerns, in die auch externe Dienstleister eingebunden waren, gegen das grundrechtlich geschützte Fernmeldegeheimnis verstoßen wurde und dies den Akteuren damals auch bewusst gewesen sei.

Trotzdem hätten die Experten des Telekom-Zentrums für Netzsicherheit die Beschaffung eigener Abhörtechnik empfohlen. Es sei zu riskant, Abhöraufträge an Externe zu vergeben, so das Ergebnis einer internen Manöverkritik.

Der stellvertretende Sicherheitsbevollmächtigte der Telekom, Jochen Schwarzer, habe am 23. Mai 1997 sogar die Bundesregierung einschalten wollen, da er sich mit seinen Bedenken an die Wand gedrückt gesehen habe. In einem streng vertraulichen Schreiben an Personalvorstand Heinz Klinkhammer habe Schwarzer empfohlen, dass der Bundesminister für Post und Telekommunikation informiert werden sollte, was aber nicht geschehen sei.

Matthias Kurth, Chef der Bundesnetzagentur, räumte im Interview mit der "WirtschaftsWoche" ein, dass die Deutsche Telekom erst seit dem Herbst 2001 Abhörmaßnahmen so protokolliert, wie es das Gesetz verlangt. Seine Vorgänger hätten deshalb einen Missbrauch gar nicht feststellen können. Man habe die Deutsche Telekom nun aufgefordert, schnellstmöglich die technischen, organisatorischen und personellen Konsequenzen aus dem Skandal mitzuteilen.

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