Wissenschaft watscht CSU-Sparkurs ab

- München - Mit vernichtender Kritik am Sparkurs der CSU-Staatsregierung haben die bayerischen Hochschulen vor gravierenden Folgen für Wissenschaft und Wirtschaft gewarnt. Die Kürzungen könnten Ruf und Qualität des Hochschulstandorts Bayern auf lange Sicht beschädigen, warnten die Wissenschaftler am Mittwoch bei einer Landtagsanhörung. Die Ausbildung des akademischen Nachwuchses sei gefährdet. In ländlichen Regionen drohten schlechteres Studienangebot und eine schlechtere Versorgung mit gut ausgebildeten Fachkräften.

<P>"Hier ist die Krankheit des Sparens, die man behandeln und heilen muss", sagte Jörg Rüdiger Siewert, Vorstandschef des Klinikums Rechts der Isar der Technischen Universität (TU) München. Die Vertreter der Universitäten und Fachhochschulen klagten einmütig, dass die Wissenschaft bereits jetzt chronisch unterfinanziert sei. "Wir sind für 11 000 Studenten ausgebaut und haben 18 0000", sagte Alf Zimmer, Rektor der Uni Regensburg. "Wir werden das Angebot dauerhaft reduzieren müssen."<BR><BR>Die Einsparungen gefährdeten Forschung und Entwicklung, warnte der Präsident der Regensburger Fachhochschule, Erich Kohnhäuser. Damit sei auch die Einwerbung von Drittmitteln der Wirtschaft bedroht. "Wir werden die Qualität verschlechtern, wir werden die Wettbewerbsfähigkeit verschlechtern." Für den wissenschaftlichen Nachwuchs böten Bayerns Hochschulen keine Perspektive mehr, warnte Hartmut Beister, der Sprecher des akademischen Mittelbaus: "Durch die Verunsicherung verlassen uns gerade die Besten."<BR><BR>Da die Kürzungen sehr kurzfristig beschlossen worden seien, müsse nun willkürlich gespart werden, wo gerade Geld übrig sei, kritisierte Marion Schick, die Präsidentin der Münchner Fachhochschule. "Das hat mit gezielter Steuerung nicht viel zu tun." Die FH habe bereits den Studiengang Übersetzen geschlossen. An der TU München könne es zehn von 80 Studiengängen treffen, sagte Kanzler Ludwig Kronthaler.<BR><BR>Scharfe Kritik kam auch vom Staatlichen Institut für Hochschulforschung. Nach Ansicht vieler Volkswirte seien die Kürzungen ökonomisch unsinnig, sagte Institutsleiter Hans-Ulrich Küpper. "Man sollte nicht Investitionen verhindern, die notwendig sind für die künftigen Generationen."<BR><BR>Die CSU-Landtagsfraktion will die geballte Kritik aufnehmen. "Das Ende der Fahnenstange ist erreicht", sagte Ludwig Spaenle, der Vorsitzende des Hochschulausschusses im Landtag. "Ab nächstem Jahr müssen wir mit dem Reinvestitionen im Hochschulbereich beginnen." <BR></P>

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