WM-Ticket-Affäre: Verteidiger fordern Claassens Freispruch

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Karlsruhe (dpa) - Im Korruptionsprozess wegen der WM-Ticket-Affäre hat die Verteidigung den Freispruch des ehemaligen EnBW-Chefs Utz Claassen "ohne Wenn und Aber" gefordert.

Vor dem Landgericht Karlsruhe übte Rechtsanwalt Steffen Stern am Dienstag in seinem Plädoyer massive Kritik an den Anklägern: "Die Staatsanwaltschaft hat mit ihren Unterstellungen übertrieben und die Bodenhaftung verloren." Das Anklagekonstrukt sei "aberwitzig" und der Antrag auf Verhängung einer Geldstrafe von 450 000 Euro maßlos.

Der Ex-Manager muss sich seit Anfang November wegen Vorteilsgewährung verantworten. Mit seiner Weihnachtspost 2005 waren Ticketgutscheine für die Fußball-WM 2006 an sechs Mitglieder der baden-württembergischen Landesregierung und an Matthias Machnig, den Staatssekretär im Bundesumweltministerium, verschickt worden.

Die Staatsanwaltschaft wertet dies in allen sieben Punkten als strafbare "Klimapflege" und hatte vergangene Woche eine Geldstrafe beantragt. Claassen dagegen pochte in seinem Schlusswort auf seine Unschuld: "Niemand wollte mit der Weihnachtskartenaktion etwas Unrechtes tun." Das Landgericht will sein Urteil am Mittwoch verkünden.

Anwalt Stern beharrte darauf, dass die Einladungen Teil des EnBW- Engagements als offizieller WM-Sponsor gewesen seien. "Das Engagement von Unternehmen in Public-Private-Partnership droht angesichts solcher Ermittlungen zum Wagnis zu werden", sagte Stern. Sein Kollege Götz von Fromberg sagte, Großereignisse wie die Fußball-WM seien ohne Unterstützung der Wirtschaft nicht mehr durchführbar: "Das Sponsoring in Deutschland darf nicht an den Pranger gestellt werden."

Der dritte in der Verteidigerriege, Klaus Menge, wiederholte Claassens Version, die Machnig-Einladung sei ein Versehen gewesen, das bei der hektischen Kartenaktion kurz vor Weihnachten passiert sei. Schon deshalb müsse im Zweifel für den Angeklagten entschieden werden. Für den Fall, dass das Gericht nicht freisprechen will, stellten die Verteidiger vorsorglich acht Beweisanträge, nach denen unter anderem Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder, der frühere Bundesinnenminister Otto Schily und Bundesumweltminister Sigmar Gabriel vernommen werden sollen.

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