WM-Begeisterung geht an Wirtschaft vorbei

- München - Von der zumeist ausgelassenen Stimmung während der ersten Woche der Fußball-Weltmeisterschaft ist in der deutschen Wirtschaft wenig angekommen. Zwar profitieren einzelne Branchen von der Fußball-Begeisterung. Gemessen am gesamten Bruttoinlandsprodukt werde sich das sportliche Großereignis aber auf das Jahr gesehen kaum bemerkbar machen, sagte Dirk Ulbricht vom Münchner Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung. "Die Effekte sind eher mäßig."

Die häufig zitierten Investitionen in die Infrastruktur oder in die Renovierung der Fußball-Stadien wären vermutlich auch ohne die WM irgendwann getätigt worden, gibt Ulbricht zu bedenken. Für die meist international agierenden Sportartikel-Anbieter und Merchandising-Unternehmen mache es zudem kaum einen Unterschied, ob die Spiele in Deutschland oder in einem anderen Teil der Welt ausgetragen würden. Und in touristischer Hinsicht könnten sich nun zwar sonst weniger gefragte Städte wie Gelsenkirchen über fußballbegeisterte Kurzurlauber freuen. "Für manche Ziele wie Berlin und München kann es aber sogar negative Effekte geben, wenn Touristen diese Städte meiden, um dem Rummel zu entgehen, oder wenn Konferenzen verschoben werden."

Auch Touristiker gehen seit Monaten von einem Null-Summen-Spiel zur Weltmeisterschaft aus. "Wir rechnen mit einer Million Übernachtungen während der Weltmeisterschaft in ganz Bayern, das wäre nicht mehr als sonst", sagt der Sprecher der Bayern Tourismus Marketing GmbH, Jens Huwald. Die Hotels seien während der WM-Wochen wie erwartet zu etwa 60 Prozent ausgelastet. "Auf einem durchschnittlichen normalen Level sind alle zufrieden." Wichtiger für den Tourismus sei aber die Möglichkeit, sich weltweit als Urlaubsziel vorzustellen.

Auch der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband setzt vor allem auf Marketing-Effekte durch die WM. "Das ist die beste Werbung für das Reiseland Bayern, die man für die nächsten Jahre erwarten kann", sagt Verbandspräsident Ludwig Hagn. Vor allem Biergärten mit Fußball-Live-Übertragungen waren angesichts des Sommerwetters der vergangenen Tage Besuchermagneten. Aufs Jahr gesehen werden sich die Zusatzumsätze aber wieder relativieren, erwartet Hagn.

Eine durchwachsene Zwischenbilanz zieht der bayerische Einzelhandel. Zwar bleibt die Nachfrage nach Trikots, Bällen und Fahnen in vielen Kaufhäusern und Fanshops groß, die verlängerten Öffnungszeiten zum WM-Auftakt am vergangenen Wochenende hatten aber keine allzu große Resonanz bei den Kunden gefunden.

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