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Eine Flagge weht am Stammsitz des Haushaltswarenherstellers WMF in Geislingen. Foto: Daniel Bockwoldt

Nach turbulenten Jahren

WMF setzt auf langfristiges Engagement der Franzosen

Die Traditionsfirma WMF hat bewegte Jahre hinter sich. Nun hat die französische SEB-Gruppe das Ruder übernommen. Auch die Franzosen sind in der Küche zuhause. Die Schwaben hoffen auf ruhigere Zeiten.

Geislingen (dpa) - Der Küchengerätehersteller WMF setzt nach mehreren wechselnden Eigentümern auf ein langfristiges Engagement des französischen Konzerns SEB.

"WMF ist nicht mehr in der Inhaberschaft von Finanzinvestoren mit eher kurzfristigen Zielen", sagte WMF-Sprecher Kai Hummel der Deutschen Presse-Agentur. Bei SEB handele es sich um einen strategischen Inhaber in Familienbesitz mit wesentlich längerfristigen Zielen. "Der möchte die Marke auf lange Sicht entwickeln. Das sind Menschen, die denken in Generationen."

In ihrer neuen Konstellation wird die SEB-Gruppe auf dem Papier nach eigenen Angaben mit rund 30 000 Mitarbeitern 2016 einen Umsatz von rund sechs Milliarden Euro erzielen. Die EU-Kommission gab vor kurzem grünes Licht für die Übernahme. Nun wolle man sich im neuen Jahr zusammensetzen, um sich auszutauschen über die Zukunft, sagte Hummel. "Es ist schwierig, jetzt in die Kristallkugel zu schauen, wo ganz genau die Reise hingeht." Volker Lixfeld, bislang Manager der SEB-Gruppe in Westeuropa, habe sich als Nachfolger von WMF-Chef Peter Feld bereits alle vier Produktionsstandorte angeschaut.

SEB hatte den Küchengeräte-Hersteller im Mai von den Finanzinvestoren Kohlberg Kravis Roberts (KKR) für mehr als 1,5 Milliarden Euro gekauft. Der Konzern SEB ist bekannt durch Marken wie Moulinex oder Krups. Die Gruppe wird nach eigenen Angaben mit der Übernahme zum Weltmarktführer bei gewerblichen Kaffeevollautomaten und zu einem der größten Anbieter für Küchenausstattung.

Wegen der Übernahme durch KKR und Fiba hatte sich WMF im März 2015 von der Börse verabschiedet. Der schwäbische Kaffeemaschinen-, Topf- Besteck- und Küchengerätehersteller war zuvor in Turbulenzen geraten und hatte sich ein striktes Sparprogramm auferlegt.

Die Mitarbeiter haben ein paar bewegte Jahre hinter sich. Insgesamt 400 Stellen wurden abgebaut, das Sortiment gestrafft, einzelne Marken abgestoßen, wenn sie sich gegenseitig Konkurrenz machten. Und nun? "Wir sehen zu diesem Zeitpunkt keine große Notwendigkeit, den industriellen Fußabdruck zu verändern", hatte SEB-Chef Thierry de La Tour d'Artaise nach der Bekanntgabe des Deals im Frühjahr gesagt. Eine klare Zusage, alle Unternehmensteile und die Jobs in Deutschland beizubehalten, gab er allerdings nicht.

Der Betriebsrat hofft nun auf etwas Kontinuität. "Natürlich weiß man trotzdem noch nicht, was auf einen zukommen kann, aber wir sind im Großen und Ganzen relativ optimistisch", sagte Betriebsrätin Karin Geiger. Die Belegschaft sei erleichtert. "Wir sind froh, dass es kein reiner Finanzinvestor ist, der nur an Profit interessiert ist."

Beide Firmen produzieren Küchenausstattung, vom Kochtopf bis zum Mixer. Mit der Übernahme wollen die Franzosen in den profitablen Markt der gewerblichen Kaffeemaschinen für Restaurants, Kaffeehäuser und Bäckereien einsteigen. Vor allem das Geschäft mit gewerblichen Kaffeemaschinen werde künftig noch wachsen, sagt Betriebsrätin Geiger.

Sie fürchteten nicht, dass Doppelstrukturen abgebaut werden müssen. "Das ist eher eine Ergänzung als eine Konkurrenzsituation vom Portfolio, das wird eher belebend fürs Geschäft", sagt sie. WMF ergänze SEB um das Premiumsegment. Die Wettbewerbshüter hätten daher auch keine Auflagen für die Übernahme verordnet, sagte Hummel. Trotz ähnlicher Strukturen, Werte und einer ähnlichen Geschichte handle es sich bei SEB und WMF um komplementäre Unternehmen, die sich ergänzten. "Hier entsteht der führende Hersteller von Kochutensilien", sagt Hummel.

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