Wöhrl drückt aufs Tempo

- München - Der neue LTU-Mehrheitsgesellschafter Hans Rudolf Wöhrl drückt bei der Sanierung des defizitären Ferienfliegers LTU aufs Tempo. "Die LTU muss sehr schnell in die Puschen kommen", es gebe "keine Überlebensgarantie" für das Unternehmen, sagte Wöhrl am Montagabend in München. Wenn es nicht gelinge, die geplanten Einsparungen bei den Personalkosten zügig umzusetzen, ließen sich auch betriebsbedingte Kündigungen nicht ausschließen.

Vor kurzem hatte Wöhrl den Erwerb einer 60-Prozent-Mehrheit über seine INTRO Verwaltungs GmbH an der LTU bekannt gegeben, die übrigen 40 Prozent hält der Handelskonzern REWE. Für 2006 strebt Wöhrl eine schwarze Null für den Ferienflieger an, auch ein Verlust von zehn bis 15 Millionen Euro wäre aus seiner Sicht noch akzeptabel. Die bereits unter den bisherigen Eigentümern geplanten Personalkosteneinsparungen in Höhe von 15 Millionen Euro sollen über einen Gehaltsverzicht von etwa zwei Prozent umgesetzt werden. "Wenn es auf diese sanfte Form nicht kommt, gibt es sicher eine sehr viel härtere Lektion", sagte Wöhrl. "Wenn das Geld aus ist, muss man zusperren." Quersubventionen zwischen dba und LTU werde es nicht geben.

Weitere 15 Millionen Euro an Ergebnisverbesserungen sollen aus Synergien und Kostenersparnissen kommen, beispielsweise durch einen gemeinsamen Treibstoffeinkauf und die Zusammenlegung von Versicherungen. Der LTU-Umsatz soll sich um 15 bis 25 Millionen Euro verbessern, etwa über ein besseres Marketing. "Wenn es so weitergelaufen wäre wie bisher, wäre ein Verlust von 40 bis 60 Millionen Euro in diesem Jahr herausgekommen", sagte Wöhrl. Sein Drängen ist auch vor dem Hintergrund seiner persönlichen Pläne zu sehen. Mit Blick auf seinen 60. Geburtstag im November kommenden Jahres kündigte der Unternehmer an, sich aus dem operativen Tagesgeschäft zurückziehen zu wollen. Dazu gehöre auch der Aufsichtsratsvorsitz bei dba. Seine Lebensplanung sehe dann etwas anderes vor, sagte der Unternehmer.

Die beiden Marken dba und LTU sollen voraussichtlich getrennt voneinander weitergeführt werden. "Im Moment erscheint uns das nach vielen Überlegungen der sinnvollste Weg", sagte Wöhrl. Die mehr auf Geschäftsreisen fokussierte dba werde sich auch künftig auf das Geschäft mit Flügen von bis zu 90 Minuten Länge konzentrieren und die LTU auf Langstreckenflüge. Dabei könnte LTU die erste Airline sein, die im "Low-Fare-Segment" weltweit Luftfahrt betreibt. Ein Börsengang sei derzeit "für keines der beiden Unternehmen relevant", sagte Wöhrl. Ein solcher Schritt komme für ihn nur unter der Prämisse der Flugzeugfinanzierung in Frage.

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