Wöhrl kündigt seinen Ausstieg an

- München - "Im Dezember 2007 werde ich aus der Verantwortung für Luftfahrtunternehmen aussteigen." Das sagt Hans Rudolf Wöhrl. Ausgerechnet Wöhrl, der die Luftfahrtbranche aufmischen will und vor zwei Wochen 60 Prozent der LTU übernommen hat. Bleiben ihm also 22 Monate Zeit, die Düsseldorfer Fluggesellschaft aus der Dauerkrise zu führen. Doch so lange braucht er gar nicht: "Das ist in einem halben Jahr gedreht. Oder nie."

Würde das Geschäft bei der LTU unverändert weiterlaufen, läge der Verlust im Jahr 2006 bei etwa 45 Millionen Euro. Das ließe sich aus den letzten Monatsergebnissen schließen. Also hat sich Wöhrl vom Verkäufer einige Parameter zusichern lassen, um den extremen Sanierungsfall meistern zu können. Wöhrls Plan: 30 Millionen Euro will er erwirtschaften durch eine 2,5-prozentige Erhöhung der Auslastung bei der LTU sowie durch Synergieeffekte aus der Kooperation mit der DBA. Weitere 15 Millionen Euro will Wöhrl beim Personal einsparen.

Die rund 2700 Beschäftigten sollen auf ihr Weihnachtsgeld sowie zwei Prozent ihres Gehalts verzichten. Diese Vorgaben seien noch von den früheren Eigentümern gekommen, sagte Wöhrl. Die Gewerkschaft Verdi, die Boden- und Kabinenpersonal vertritt, habe sehr positiv reagiert. Schwieriger werde es mit der Piloten-Vertretung, der Vereinigung Cockpit (VC), die laut Wöhrl von Flugkapitänen der Deutschen Lufthansa dominiert wird und lieber eine tote als lebende LTU sehe. Eine ablehnende Haltung will Wöhrl nicht akzeptieren. Wer die sanfte Sanierung nicht annimmt, nehme eine harte Lektion in Kauf, schlimmstenfalls das Ende des Unternehmens.

Überhaupt das Personal: "Das sind keine faulen Menschen", betont Wöhrl. Aber es sei schon erstaunlich, wie kompliziert man einfache Vorgänge abwickeln könne, meint der DBA-Aufsichtsratschef. "Ich habe das Gefühl, in eine deutsche Behörde gekommen zu sein. Bei uns sind für den gesamten Einkauf zwei Leute beschäftigt, bei LTU machen das 14. Und der Krankenstand ist bei LTU dreimal höher als bei DBA." Es sei eben zu viel eingefahren in diesem 51 Jahre alten Betrieb, in dem laut Wöhrl bis auf 70 bis 80 Mitarbeiter alle unkündbar sind.

In den kommenden vier Wochen werde kräftig umgekrempelt, kündigt Wöhrl an. Auch weiterhin würden 60 Prozent der Sitze von Urlaubsveranstaltern übernommen, die klassische Festabnahme werde aber geringer, meint der Luftfahrt-Unternehmer. Dabei könnte LTU die erste Linie sein, die im Billigflieger-Bereich weltweit unterwegs ist. Die Chance der LTU bestünde in der Verzahnung mit der DBA. Die Münchner übernehmen die Verbindungen bis 90 Minuten, die Düsseldorfer diejenigen ab 180 Minuten. "Fehlt noch ein starker Europa-Carrier" für die Distanzen dazwischen, sagt Wöhrl selbst. Er würde lieber heute als morgen mit Air Berlin oder HLX kooperieren und sich damit der Deutschen Lufthansa entgegenstellen. Noch gibt es allerdings keine Zeichen der potenziellen Partner HLX oder Air Berlin, die sich - so vermuten Insider - in den nächsten Tagen auf der Tourismusbörse in Berlin zu ihrer Zukunft äußern werden.

Wöhrl macht sich nun erst einmal bei der LTU an die Arbeit. Für 2006 strebt er ein Ergebnis von weniger als 15 Millionen Euro Minus an. Sogar 30 Millionen Miese wären vielleicht zu verkraften, wenn ein positiver Trend bemerkbar wäre. Ende 2007 sollen LTU und DBA auf einen Umsatz von 1,5 Milliarden Euro kommen und eine zweiprozentige Rendite abwerfen.

Dann wird sich Wöhrl aus der Verantwortung zurückziehen und seine Anteile "auch nicht in dieser Höhe behalten", kündigte er an. "Ich will nicht aus dem Sarg heraus regieren." Im November 2007 werde er 60 Jahre alt und dann wolle er etwas ganz anderes machen, ein Hotel aufbauen zum Beispiel. Oder eine Zeitung gründen, sagt er schmunzelnd, auf keinen Fall aber Golfen gehen.

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