Wohlfühl-Bonus hilft im Kampf um die Besten

Sinkende Arbeitslosigkeit: - Immer mehr Arbeitgeber buhlen um immer weniger Arbeitnehmer. Der viel zitierte Mangel an Fachkräften hat einen Nebeneffekt: Man bemüht sich wieder um seine Angestellten, möchte, dass sie sich am Arbeitsplatz wohlfühlen und so freiwillig noch mehr leisten.

München - Das Firmenhandy für private Gespräche nutzen? Kein Problem! Arbeitszeiten auf Vertrauensbasis? Selbstverständlich! Die Angestellten des Medizin-Software-Unternehmens TomTec in Unterschleißheim genießen so manche Annehmlichkeit, von der andere nur träumen können.

Im Innenhof ein gemütlicher Betriebs-Biergarten, die Büros streng nach Feng-Shui gestaltet und eigene Parkplätze sind nicht nur der Chefetage vorbehalten. Wobei, diese Etage gibt es eigentlich gar nicht. "Wir haben unsere Büros direkt bei den Mitarbeitern", sagt Geschäftsführer Ulrich Haupt. Jeder wisse, was im Unternehmen los sei. Mauscheleien oder Chef-Wissen - Fehlanzeige.

Die insgesamt 111 Mitarbeiter, zumeist Programmierer, Informatiker und Mathematiker, honorieren diese Fürsorge. Nicht nur dass der Krankenstand im Schnitt bei nur 2,8 Tagen im Jahr liegt - der Bundesdurchschnitt liegt bei Dienstleistern um die zehn Tage. Bei einer Mitarbeiterbefragung gaben 99 Prozent an, rundum zufrieden mit ihrem Arbeitgeber zu sein. Diese Studie war Teil des Wettbewerbs "Deutschlands Beste Arbeitgeber", an dem TomTec vergangenes Jahr zum ersten Mal teilnahm. "In unserer Kategorie sind wir auf dem sechsten Platz gelandet, ein tolles Ergebnis", betont Haupt. Auch im internationalen Vergleich konnte TomTec punkten und landete unter den 100 besten Arbeitgebern Europas - Platz eins ging dieses Jahr an Ferrari.

Die Europa-Urkunde liegt gut sichtbar auf einer kleinen Staffelei im Eingangsbereich der Firma. Ein "Vielen Dank!" hat Geschäftsführer Haupt handschriftlich hinzugefügt.

"Mitarbeiter, die sich wohlfühlen, bringen außergewöhnliche Leistungen", ist sich Haupt sicher. Und das sei für das Unternehmen unverzichtbar. Nicht weil er ein "Sozialapostel" sei, würde bei TomTec nach dem Kunden gleich der Mitarbeiter stehen. Haupt verspricht sich davon gute Geschäfte.

Einen Zusammenhang zwischen positiver Einstellung, positivem Engagement und positivem Umsatz sieht auch Frank Hauser, Leiter des Great Place to Work-Institutes Deutschland, als bewiesen an: "Mit zufriedenen Mitarbeitern zum wirtschaftlichen Erfolg", laute die Zauberformel. Doch dafür müsse man erst den Wert der Angestellten erkennen, und damit hätten einige Chefs Probleme - "gerade die Top-Manager", so Hauser.

Dennoch zeigt die stetig wachsende Teilnehmerzahl bei "Deutschlands Beste Arbeitgeber", dass sich das Bewusstsein vielerorts ändert. Von einem allgemeinen Trend aber will Markus Promberger, Arbeitssoziologe am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg, noch nicht sprechen: "Es ist mit Sicherheit eine Verbesserung, aber noch lange kein Flächentrend."

Seiner Meinung nach holen die Arbeitnehmer derzeit lediglich das nach, was ihnen in den vergangenen Jahren entgangen ist. "Es gibt derzeit eine relativ große Nachfrage an Fachkräften", erklärt er, da sei es üblich, dass der Wert steige. "Gerade in der Medizin-Branche ist Kontinuität wichtig", weiß auch Haupt, deshalb ist ihm daran gelegen, seine Mitarbeiter langfristig bei sich zu beschäftigen. Da komme es nicht nur auf die fachlichen Qualifikationen an, ein "Neuer" müsse auch menschlich zum Team passen. Eine "andere Denkweise" sei nicht gern gesehen. Wie Haupt selbst, sollen auch seine Angestellten zu hundert Prozent hinter der Firma stehen, "unternehmerisch denken" und stolz sein, dort zu arbeiten.

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