Antrag auf Wohngeld
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Wohngeld könnte vielen helfen, aber nur wenige beantragen es

Einfach erklärt

Wohngeld beantragen: Mit dem Mietzuschuss vom Staat die Corona-Krise stemmen

  • vonUli Lohrer
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Elf Millionen Deutsche zahlen mehr als 40 Prozent ihres verfügbaren Einkommens für Wohnkosten. Wohngeld könnte vielen helfen, aber nur wenige beantragen es. 

  • Das Wohngeld 2021 wird wegen der CO2-Steuer um einen Zuschlag für Heizkosten erhöht.
  • Die Wohngeld-Einkommensgrenze ist höher, als viele denken.
  • Wohngeld-Rechner helfen den Mietzuschuss zu berechnen.

Mit Wohngeld bekommen Mieter einen Zuschuss auf ihre Miete und Eigentümer einen für ihren Bankkredit. Wie sich das Wohngeld berechnen und beantragen lässt.

Wegen Einkommensausfällen durch Corona, etwa durch Kurzarbeit oder Verluste für Selbständige, haben viele Menschen noch schwer an ihren Wohnkosten zu tragen. Obwohl sie keine staatlichen Hilfen wie Hartz 4 oder Grundhilfe beziehen, müssen sie einen großen Teil ihres Einkommens für die Miete aufbringen. Oft haben sie aber Anspruch auf Wohngeld, das auch Eigentümer selbstgenutzten Wohnraums beantragen können. Wohngeld ist kein Almosen und im Gegensatz zu Sozialwohnungen besteht darauf ein Rechtsanspruch. Ende 2019 bezogen in Deutschland rund 504.400 Haushalte im Durchschnitt Wohngeld von mehr als 150 Euro pro Monat. Das Institut für Wirtschaft (IW) in Köln schätzt jedoch, dass die Hälfte aller Berechtigten kein Wohngeld beantragt. Der Grund: Sie wissen oft nicht, dass sie Anspruch darauf haben oder lassen sich vom umfangreichen Antrag abschrecken. Dabei lohnt es sich, Wohngeld zu beantragen. Berechtigte können nun mit höheren Zuschüssen rechnen, weil der Gesetzgeber 2020 und Anfang 2021 das Wohngeld erhöht hat und ab 2022 eine Dynamisierung beschlossen hat. Zudem gibt es mit dem Wohngeld 2021 einen Ausgleich für höhere Heizkosten wegen der CO2-Steuer.

Wer hat das Recht auf Wohngeld?

Das Wohngeld soll als Zuschuss Bezieher geringer Einkommen helfen, ihre Wohnkosten zu tragen. Wohngeld wird allerdings nur an Personen geleistet, die keine Transferleistungen (wie Arbeitslosengeld II, Sozialhilfe, Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung, BAFÖG) beziehen, da bei diesen die Unterkunftskosten bereits berücksichtigt werden. Sofern mindestens ein Haushaltsmitglied nicht berechtigt ist, eine dieser Transferleistungen zu empfangen, besteht jedoch ein Wohngeldanspruch. Dies gilt beispielsweise für das Kind einer alleinerziehenden Studentin, die BAFÖG erhält. Anspruchsberechtigt für den Mietzuschuss sind auch Heimbewohner. Bezuschusst wird die sogenannte Bruttokaltmiete, also die Nettokaltmiete plus Betriebskosten ohne Heizkosten. Wohnungseigentümer bekommen Wohngeld in Form eines Lastenzuschusses. Diesen sieht das Wohngeldgesetz für einkommensschwache Eigentümer von selbstgenutzten Eigenheimen oder Eigentumswohnungen vor. Zu den Lasten zählen die Kosten für den Kapitaldienst wie Zinsen und Tilgung, Kosten für die Bewirtschaftung von Wohnraum wie Instandhaltungskosten, Betriebskosten – jedoch ohne Heizkosten – und Verwaltungskosten. Auch für Personen, die über ein Wohnrecht oder Nießbrauchrecht verfügen, können Wohngeld beantragen. Auch Ausländer können während eines Aufenthalts in Deutschland Wohngeldansprüche haben.

Die Wohngeld-Einkommensgrenze und das anrechnungsfreie Vermögen

Da das Wohngeld einkommensschwachen Haushalten helfen soll, besteht der Anspruch nur bis zu einer bestimmten Wohngeld-Einkommensgrenze. Diese bezieht sich nicht auf bundesweit einheitliches Höchsteinkommen, sondern bemisst sich nach verschiedenen Faktoren. Die Einkommensgrenze steigt mit der Zahl der Haushaltsmitglieder und der sogenannten Mietenstufe. Je höher das Mietniveau der Wohnregion, desto höher ist die Mietenstufe. Seit 2020 gibt es sieben Mietenstufen. Für das Wohngeld München gilt Mietenstufe VII, in Stuttgart VI, in Berlin IV und in Chemnitz II. Die Einkommensgrenze eines Mieters in Stuttgart mit vier Haushaltsmitgliedern beträgt beispielsweise 2.393 Euro pro Monat. Dabei berechnet sich das Gesamteinkommen aus der Summe der Jahreseinkommen aller zu berücksichtigenden Haushaltsmitglieder abzüglich bestimmter Freibeträge und Abzugsbeträge – zum Beispiel für Unterhaltsleistungen. Das Kindergeld und der Kinderzuschlag werden nicht berücksichtigt.

Anspruch auf Wohngeld besteht nur, wenn das private Vermögen einen erheblichen Betrag nicht überscheitet. Bei einer alleinstehenden Person entspricht diese Vermögensfreigrenze immerhin 60.000 Euro. Für jedes weitere Haushaltsmitglied kommen nochmals 30.000 Euro hinzu. Zum anrechenbaren Vermögen zählen nach der Wohngeld-Verwaltungsvorschrift dabei nicht bestimmte Altersvorsorge-Ansprüche.

Wohngeld 2021 berechnen und beantragen

Die Höhe des Wohngelds richtet sich nach der Anzahl der Haushaltsmitglieder, die Höhe des wohngeldrechtlichen Gesamteinkommens sowie die Höhe der zuschussfähigen Miete beziehungsweise der Belastung der Wohnungseigentümer. Da seit 2021 der Ausstoß von Kohlendioxid beim Heizen mit Öl oder Erdgas durch die CO2-Steuer belastet wird, berücksichtigt der Staat diese zusätzliche Belastung gestiegener Heizkosten im Wohngeld 2021 durch einen Zuschlag von durchschnittlich 15 Euro. Die individuelle Höhe des Zuschlags hängt von der Haushaltsgröße und vom Einkommen des Haushalts ab. Bei Haushalten mit besonders niedrigen Einkommen fällt im Sinne der Zielgenauigkeit das zusätzliche Wohngeld höher aus. Aus diesen Daten wird nach einer komplexen Wohngeld-Berechnungsformel den staatlichen Miet- und Lastenzuschuss berechnen. Eine Überschlagrechnung bietet der Wohngeldrechner des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat (BMI) und auch andere Internetportale an.

Den tatsächlich zu gewährenden Zuschuss kann aber nur die zuständige Behörde verbindlich errechnen. Der Antrag wird bei der Wohngeldbehörde der jeweiligen Gemeinde, Stadt, Amts- oder Kreisverwaltung gestellt. Hilfe beim Ausfüllen gibt es bei der Behörde und zum Teil über Videos.

Die Formulare stehen zudem online zur Verfügung. Bei einigen Behörden kann Wohngeld auch online beantragt werden. Wohngeld wird erst vom Beginn des Monats an geleistet, in dem der Antrag bei der Behörde eingegangen ist und wird dann meist für zwölf Monate bewilligt. Wer danach weiter Wohngeld bekommen will, muss es erneut beantragen. Der Weiterleistungsantrag sollte etwa zwei Monate vor Ablauf des Bewilligungszeitraums gestellt werden, damit die laufende Wohngeldzahlung nicht unterbrochen wird.

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