Vom Wohnhaus bis zur Kirche: Fertigbauten mit Tradition

- Seebruck -­ Drei Häuser pro Woche liefert die Firmengruppe Regnauer Fertigbau GmbH & Co. KG aus. Dass diese Formulierung für unbedarfte Ohren merkwürdig klingt, fällt dem heutigen Firmenchef Michael Regnauer gar nicht auf. Kein Wunder. Zu lange schon stellt das Familienunternehmen Fertighäuser her. "Das erste Fertighaus für einen privaten Bauherrn stammt aus dem Jahr 1936", sagt er.

1929 gründete Engelbert Regnauer senior eine Zimmerei und Bauschreinerei, zwei Wochen nachdem er seinen Meisterbrief als Zimmerer erhalten hatte. Der Betrieb mit seinen fünf Mitarbeitern konzentrierte sich zunächst auf landwirtschaftliche Gebäude. Der Beginn muss schwierig gewesen sein für das Unternehmen. "Verworrene politische Verhältnisse zogen Auftrags- und Absatzschwierigkeiten nach sich. Geld war Mangelware, und niemand konnte so recht nach freiem Willen investieren", steht in der Festschrift zum 50-jährigen Firmenjubiläum. Und weiter heißt es: "Selbst in den Sommermonaten ergab es sich zuweilen, dass Belegschaft und Chef zusammen Karten gespielt haben; es gab keine Arbeit. Bot sich dann irgendwann ein Auftrag an, muss sich wegen der katastrophalen Finanzlage der Chef mit seinen Mitarbeitern über die Höhe des Stundenlohns im Einzelfall einigen."

Ab Mitte der 30er-Jahre besserte sich die Auftragslage erheblich. 1939 hatte der Betrieb 40 Mitarbeiter. Bis in die 60er-Jahre entwickelte sich das Unternehmen stark in der Elementbauweise für Zweckgebäude ­- eine Marktlücke, deren Ausbau sich als richtig erwies: Mit der Einführung des patentierten Raumzellensystems und der Verbesserung der industriellen Fertigung wuchs Regnauer vor allem im privaten Hausbau. Neue Produktionshallen in Seebruck ermöglichten ab den 70er-Jahren eine aktive Ausrichtung auf den Wohnhausmarkt.

Heute produziert die Firma Regnauer Fertigbau moderne Zweckbauten und anspruchsvolle Wohnhäuser in Holz-Fertigbauweise. Im Bereich Wirtschaftsgebäude, Kindergärten und Schulen gehört das in der dritten Generation geführte Familienunternehmen bundesweit zu den führenden Anbietern. 220 Mitarbeiter beschäftigt Regnauer Fertigbau heute, rund die Hälfte des Umsatzes von 40 Millionen Euro macht der private Hausbau aus. 45 000 bis 50 000 Quadratmeter Brutto-Geschossfläche produziert Regnauer pro Jahr in Seebruck am Chiemsee. Ob strenger moderner Stil oder ländlich gediegen, Holz- oder Putzfassade, Regnauer erfüllt alle Wünsche. Auch außergewöhnliche: Die Christuskirche in Poing stammt beispielsweise von Regnauer Fertigbau. "Dem Architekten hat unser achteckiges Bauherrenzentrum gefallen, das nahm er als Vorbild", erläutert der 42-Jährige.

Michael Regnauer ist 1993 nach seinem Ingenieurstudium an der Münchner TU in den elterlichen Betrieb eingestiegen. "Ich musste mir zu Beginn meine Sporen erst verdienen." Die Zusammenarbeit mit seinem Vater Engelbert Regnauer, der mit 70 Jahren noch Geschäftsführer ist und einige Stunden am Tag im Familienunternehmen verbringt, habe immer reibungslos funktioniert. Seit Anfang 2006 ist Michael Regnauer geschäftsführender Gesellschafter. Er hat den Betrieb in manchem Bereich umstrukturiert. "Heute haben Mitarbeiter ein anderes Verständnis von Führung. Ich habe einiges umorganisiert, aber nie mit der Brechstange und immer in Abstimmung mit meinem Vater."

Darüber, wie es mal weitergeht, wenn er sich aus dem Geschäftsleben zurückzieht, macht sich Michael Regnauer noch keine Gedanken. Er hat drei Töchter, die älteste ist 12 Jahre alt. Den Einstieg in das Familienunternehmen stellt er ihnen frei. "Ich würde es mir zwar wünschen, aber sie sind noch zu jung, um etwas sagen zu können. Ich beobachte jetzt erst mal ihre Begabungen."

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