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Wolfgang Büchele übernahm 2014 die Leitung bei Linde. Bei dem Münchner Dax-Konzern sind weltweit über 65 000 Mitarbeiter in rund 100 Ländern beschäftigt.

Bilanz nach einem Jahr

Wolfgang Büchele: Der Kurs des neuen Linde-Chefs

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München - Ein Jahr ist Wolfgang Büchele mittlerweile Chef des Gasespezialisten Linde. Die Zahlen sind durchwachsen, die Aktionäre dennoch zufrieden. Der Neue hat einen Kulturwandel ausgerufen und begonnen, den Dax-Konzern umzubauen.

„Große Fußstapfen“ hieß es, als Wolfgang Büchele die Leitung des Gasespezialisten Linde übernahm. Ja, sein Vorgänger Wolfgang Reitzle hatte die Latte hoch gehängt. Mit ihm eilte Linde Jahre lang von Rekord zu Rekord. Für 2017 gab er bereits beizeiten das ehrgeizige Ziel aus: fünf Milliarden Euro operatives Ergebnis. Kaum trat der langjährige Chef ab, kassierte sein Nachfolger die Fünf-Milliarden-Marke. Auf den ersten Blick, ein misslungener Start. Allerdings stecken hinter den durchwachsenen Zahlen vor allem veränderte Marktbedingungen, auf die Büchele bereits reagiert hat. „Wir haben viel vor in Zeiten, die nicht unbedingt einfacher werden“, kündigt Büchele bei der Hauptversammlung in München vor rund 1500 Aktionären an.

Doch zunächst zu den Zahlen: Im vergangenen Jahr belasteten der starke Euro und der sinkende Ölpreis Linde. Dazu kamen Probleme in Brasilien, Australien und Südafrika – mit außerplanmäßigen Abschreibungen und Restrukturierungskosten. Der Gewinn ging um gut 16 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro zurück. Der Umsatz stieg, das operative Ergebnis zumindest währungsbereinigt. Mittlerweile hat sich der Euro-Effekt umgekehrt. Im ersten Quartal 2015 profitierte Linde von der schwachen Gemeinschaftswährung. Umsatz (plus 8,7 Prozent) und operatives Ergebnis (plus 9 Prozent) kletterten nach oben. Währungsbereinigt waren die Zahlen allerdings leicht rückläufig. Für das laufende Jahr erwartet Büchele unverändert einen Umsatz zwischen 18,2 und 19 Milliarden Euro sowie ein operatives Ergebnis zwischen 4,1 und 4,3 Milliarden Euro. Auch bei den mittelfristigen Zielen, die Büchele im vergangenen Jahr nach unten korrigiert hat, bleibt es: 2017 soll das Ergebnis bei 4,5 bis 4,7 Milliarden Euro liegen.

Ein solider Ausblick. Das passt zu Büchele – er bleibt bescheiden, will die Ziele am Ende lieber übertreffen. Die Aktionäre haben daran nichts auszusetzen. „Wir können zufrieden sein mit den Ergebnissen in schwierigen Zeiten“, sagt Daniel Bauer von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Linde habe Stabilität bewiesen. Zumal die beiden Zahlen, die Anleger besonders interessieren, eine klare Sprache sprechen: Der Aktienkurs hat 2014 um 20 Prozent zugelegt. Die Dividende steigt um fünf Prozent auf 3,15 Euro je Aktie.

Linde ist spezialisiert auf Industriegase aller Art. Dazu kommt der Bau von Industrieanlagen zur Erzeugung von Wasserstoff oder zur Behandlung von Erdgas. Gewachsen sind die Münchner in den vergangene Jahren auch mit medizinischen Gasen, die zur Behandlung von Menschen mit Atemwegserkrankungen benötigt werden. Unter Bücheles Vorgänger kauften die Münchner in diesem Bereich den US-Spezialisten Lincare. Das Gasegeschäft ist traditionell der wichtigste Umsatzbringer bei Linde. „Marktführer im Gasegeschäft zu bleiben, ist unser erstes Ziel“, bekräftigt Büchele.

Kontinuität, aber auch Wandel, verspricht der promovierte Chemiker den Aktionären. Bereits im Oktober hatte der 55-jährige Schwabe einen Konzernumbau angekündigt. „Dafür bedarf es mehr als ein paar Feinjustierungen. Dafür brauchen wir einen Kulturwandel und diesen haben wie im vergangenen Jahr eingeläutet“, erläutert Büchele seine Strategie. Die Organisationsstruktur soll verbessert werden, straffere Prozesse, schlankere Strukturen – und ein verstärkter Fokus auf den Kunden. „Customer Fokus Initiative“ nennt das Büchele. Dahinter steckt mehr Service, Beratung und (digitale) Interaktion. Ein Beispiel ist die digitale Gasflasche, die Linde bald auf den Markt bringen will. In Krankenhäusern kann die Flasche etwa das Pflegepersonal entlasten. Das intelligente Ventil der Flasche meldet, wenn etwas mit der Sauerstoffzufuhr nicht klappt oder wenn der Füllstand zur Neige geht. „Die Kunden verändern sich, wir müssen uns mit ihnen verändern“, sagt Büchele.

An den Standorten in Südafrika, Australien und Brasilien läuft der Konzernumbau bereits auf Hochtouren. Die Situation in Südafrika und Australien habe sich mittlerweile bereits verbessert, sagt Büchele. Nun werde das Geschäft in Brasilien auf Vordermann gebracht. Für die Zukunft will sich Linde aus weniger profitablen Ländern verabschieden, heißt es. Wachstum ja – aber nur wenn es profitabel ist. Konkrete Pläne gibt es hier offiziell allerdings noch nicht.

Linde ist ein echtes Schwergewicht in der Industrie. Erst kürzlich wurden die Münchner vom Forbes-Magazin in die Riege der größten Unternehmen der Welt aufgenommen – auf Platz 294. Das Ranking richtet sich nach der Marktkapitalisierung, die bei den Münchnern aktuell bei rund 33 Milliarden Euro liegt. Der Kurs der Linde-Aktie stieg im vergangenen März auf ein Allzeithoch von 193,85 Euro. Einer von Bücheles ersten Rekorden.

Manuela Dollinger

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