Wolfowitz will Weltbank-Chef bleiben

Vetternwirtschaft-Vorwürfe: - Washington - Ungeachtet wachsenden internationalen Drucks wegen Vorwürfen der Vetternwirtschaft will Weltbank-Präsident Paul Wolfowitz weiter im Amt bleiben. Mit Blick auf die Anstrengungen der Bank bei der Armutsbekämpfung sagte er am Sonntag: "Das ist eine wichtige Arbeit, und ich beabsichtige, sie fortzuführen."

 Die Mitglieder von Weltbank und Internationalem Währungsfonds (IWF) machten hingegen deutlich, dass sie wegen der Affäre um eine umstrittene Beförderung von Wolfowitz' Lebensgefährtin um den Ruf der Entwicklungshilfeorganisation fürchten. "Die gegenwärtige Situation gibt Anlass zu großer Besorgnis", heißt es in einer am Sonntag veröffentlichten Erklärung des Entwicklungsausschusses beider Institutionen.

 "Wir müssen sicherstellen, dass die Bank ihr Mandat effektiv ausführt, ihre Glaubwürdigkeit und ihren Ruf behält sowie die Motivation ihres Personal aufrecht erhält." In dem Ausschuss vertreten 24 Geber- oder Entwicklungsländer die Interessen der 185 Mitgliedstaaten von Währungsfonds und Weltbank.

Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) sprach mit Blick auf die Erklärung des Ausschusses von einem "deutlichen politischen Signal an Paul Wolfowitz". "In all meinen Gesprächen ist immer wieder die Sorge um den Zustand und das Ansehen der Weltbank zu hören gewesen", sagte sie nach dem Ende der Frühjahrstagung von Bank und Währungsfonds in Washington.

Die Ministerin wies darauf hin, dass die Erklärung die übereinstimmende Meinung des Gremiums widergibt. "Dass auch die amerikanische Seite das akzeptiert hat, macht ja auch was deutlich." Wolfowitz war von US-Präsident George W. Bush für den Posten vorgeschlagen worden.

Wolfowitz' Lebensgefährtin, die bei der Weltbank beschäftigt ist, hatte nach seinem Amtsantritt 2005 einen höheren Posten sowie eine großzügige Gehaltserhöhung erhalten. Wolfowitz, der den Kampf gegen die Korruption zu einem seiner wichtigsten Anliegen gemacht hatte, räumte ein, an den Verhandlungen beteiligt gewesen zu sein.

Der Weltbank-Exekutivrat hatte erklärt, in der Angelegenheit schnell handeln zu wollen. Unklar ist jedoch, wann mit einer Entscheidung zu rechnen sein wird. Die Personalvertretung der Weltbank hatte bereits vor wenigen Tagen den Rücktritt von Wolfowitz gefordert.

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