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Worauf der Fiskus zugreifen darf

München - Bei den Finanzämtern haben sich wesentlich weniger Rentner mit einer Steuererklärung gemeldet als erwartet. Offenbar ist vielen nicht klar, dass die gesetzliche Rente mittlerweile grundsätzlich steuerpflichtig ist. Wir fassen zusammen, wer wie betroffen ist.

Seit dem Jahr 2005 sind die gesetzlichen Renten generell steuerpflichtig, wobei der zu versteuernde Anteil vom Jahr des Renteneintritts abhängt. Bei den Renten, die vor dem Jahr 2006 begonnen haben, sind 50 Prozent zu versteuern. Ein Rentenbeginn im Jahr 2006 erhöhte den steuerpflichtigen Anteil auf 52 Prozent. Auf 54 Prozent der Rente greift der Fiskus zu, wenn im vergangenen Jahr der Ruhestand begonnen hat, im Jahr 2008 sind es schon 56 Prozent.

Was bedeutet das? Ist zum Beispiel die Hälfte der Rente steuerpflichtig, weil ein Bürger seit 2004 ein Einkommen aus der Rentenkasse bezieht, so ist die andere Hälfte steuerfrei. Von 1000 Euro Altersrente werden 500 Euro besteuert, die anderen 500 Euro nicht.

Freibeträge helfen

Nachteilig ist, dass dieser Freibetrag von 500 Euro den Rentner lebenslang begleitet. Er erhöht sich auch dann nicht, wenn es eine Rentenerhöhung geben sollte, etwa auf 1010 Euro. Dann sind davon - auf das Steuerjahr 2008 bezogen - mehr als 50 Prozent steuerpflichtig, nämlich 510 Euro, weil von den 1010 Euro nur der feststehende Freibetrag von 500 Euro abgezogen wird. Entsprechend wird in den folgenden Jahren verfahren.

Nun bedeutet ein höherer steuerpflichtiger Anteil in einer Rente nicht automatisch, dass damit überhaupt eine Steuerzahlung einsetzt. Das heißt, Steuerpflicht ist nicht identisch mit einer Steuerabführung.

Weitere Einkünfte

Jedem Bundesbürger stehen Freibeträge zu. Etwa der Grundfreibetrag (Existenzminimum) in Höhe von 7664 Euro jährlich, bei Verheirateten 15 328 Euro. Nur steuerpflichtige Einkünfte, die diese Grundfreibeträge übersteigen, können zur Steuerzahlung führen. Eine Rente, die 2007 begonnen hat und 12 000 Euro jährlich beträgt, ist zu 54 Prozent steuerpflichtig. Sie wird deshalb in Höhe von 6480 Euro zur Steuer herangezogen. Da aber schon der Grundfreibetrag 7664 Euro beträgt, geht die Steuerpflicht der 6480 Euro ins Leere. Die 12 000 Euro Rente bleiben steuerfrei.

Das kann sich schnell ändern, wenn dieser Rentner weitere steuerpflichtige Einkünfte hat, etwa weil er ein Zimmer in seiner Wohnung vermietet oder weil er 2007 Zinseinkünfte oberhalb von 801 Euro im Jahr (Ehepaar: 1602 Euro) hatte. Kommt er damit über die Freibetrags-Schwelle von 7664 (Verheirateten: 15 328) Euro im Jahr, rückt er in den Fokus des Fiskus.

Der Rentner kann jedoch weiterhin ohne Steuerabzug bleiben, wenn er weitere steuerliche Vergünstigungen in Anspruch nehmen kann. Etwa einen Behindertenfreibetrag, der bis zu 3700 Euro im Jahr betragen kann, oder mindestens den Arbeitnehmerfreibetrag (920 Euro im Jahr), falls noch Gehalt bezogen wird.

Apropos Gehalt: Arbeitet der Ehepartner, so zählt auch dessen Einkommen mit - abzüglich der auch ihm zustehenden Freibeträge. Andererseits können von den steuerpflichtigen Einkünften neben den erwähnten noch andere Freibeträge heruntergerechnet werden, etwa die Beiträge zur Sozial- oder Haftpflichtversicherung oder Spenden für gemeinnützige Zwecke.

Für diejenigen, die keine anderen steuerpflichtigen Einkünfte als nur eine (oder mehrere) gesetzliche Rente(n) haben, die spätestens 2007 begonnen haben, ist folgende Faustformel hilfreich: Von bis zu 17 863,44 Euro Bruttorente im Jahr sind - trotz grundsätzlicher Steuerpflicht - keine Steuern zu zahlen (Verheiratete: bis zu 35 726,88 Euro). Denn davon sind jeweils nur 46 Prozent steuerfrei, bei Alleinstehenden demnach 8217,18 Euro. Rechnet man die Sozialversicherungsbeiträge und verschiedene weitere Pauschalen herunter, so ergibt das - rund gerechnet - regelmäßig nicht mehr als 7664,00 Euro im Jahr. Das entspricht dem steuerlichen Existenzminimum.

Anlage "R"

Dabei sollte nicht übersehen werden, dass auch andere Renteneinkünfte zum steuerpflichtigen Einkommen gehören, etwa aus einer Zusatzversorgungskasse oder einer privaten Rentenversicherung, für die jeweils Sonderregeln gelten. Die Betriebsrenten können sowohl in Höhe eines "Ertragsanteils" als auch voll (als "nachwirkender Arbeitsverdienst") steuerpflichtig sein. Für die privaten Renten gelten - wie bisher für die gesetzlichen - nur "Ertragsanteile". So ist zum Beispiel eine Rente aus einer privaten Rentenversicherung, die mit 60 Jahren einsetzt, nur zu 22 Prozent steuerpflichtig, bei Rentenbeginn mit 65 Jahren nur zu 18 Prozent.

Was in welcher Höhe dem Finanzamt zu offenbaren ist, ergibt sich aus der "Anlage R" zum vierseitigen "Mantelbogen", bei Arbeitnehmereinkünften zusätzlich aus der "Anlage N". Die Formulare gibt es beim Finanzamt. Sie können aber auch aus dem Internet geladen werden (www.finanzamt.de - Bundesländer). 

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