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Als Cowboy auf einer Farm weit weg von zuhause mit anpacken. Mit Work and Travel lassen sich so manche Träume erfüllen.

Work&Travel: Was Urlaubs-Arbeiter wissen müssen

Deutschland für ein Jahr hinter sich lassen, im Ausland arbeiten und sich so Ausflüge und Weiterreise finanzieren. Immer mehr Menschen gönnen sich mit „Work and Travel“ eine Auszeit. Dabei ist Einiges zu beachten.

Wer träumt nicht davon, ein bisschen durch die weite Welt zu bummeln. Doch der Traum platzt meist, weil das Geld fehlt. Verknüpft man das Reisen aber mit dem Arbeiten, lernt man nicht nur Land und Leute kennen, sondern kann mit seinen Erfahrungen und Zeugnissen im Lebenslauf auch für künftige Bewerbungen viele Pluspunkte sammeln.

Nach der Schule ab ins Ausland

Der Travelworker muss volljährig sein. Die meisten starten nach Schule, Ausbildung oder Studium ins Abenteuer. „Es ist die perfekte Überbrückung zwischen Schule und Studium“, sagt Verena Hanneken von der Reiseagentur „Step In“. Mindestens fünf Monate sollte man schon Zeit haben. Schließlich wollen die Rucksackreisenden auch etwas vom Land sehen. Australien, Neuseeland und Kanada zählen zu den drei beliebtesten Zielen. Aber auch in Amerika oder Europa kann man für einige Monate jobben. Spanien und Italien eignen sich für die Gastronomie, in Norwegen, Irland oder England werden kräftige Hände für die Farmarbeit gesucht. Und in Österreich kann man auf den Almen mitarbeiten. Afrikanische Staaten bieten Möglichkeiten der Freiwilligenarbeit.

Behördengänge und Versicherungen

Der Schritt in die ausländische Arbeitswelt will gut geplant sein: Denn mit einem Flug und einer ersten Unterkunft ist es nicht getan. Der Travelworker braucht – wenn er außerhalb von Europa reist – ein sogenanntes Working Holiday Visum. Die Botschaften verlangen für die Ausstellung eine finanzielle Sicherheit, etwa in Australien von rund 3000 Euro. Ein Kontoauszug als Nachweis reicht. Diese Summe legt man am besten gleich als Reisekasse beiseite. „Das Geld braucht man auch für die ersten Tage, bis man den ersten Job findet“, meint Tanja Kuntz von „Travel Works“. Man lebe meist in einer teuren Gegend, lerne andere Menschen kennen und feiere. „Und das erste Geld gibt es auch meist erst nach zwei Wochen.“ Auch in der EU muss man gegebenenfalls eine Arbeitsgenehmigung beantragen und sich am neuen Wohnort melden. Hier helfen die Konsulate weiter.

Daneben braucht man eine Steuernummer und Lohnsteuerkarte im neuen Staat, ein Konto und am besten einen internationalen Führerschein. Sicher ist nur, wer gut versichert ist. Da die Travelworker meist nur eine befristete Zeit, manchmal nur wenige Tage, beim Arbeitgeber bleiben, werden sie von ihm für einen so kurzen Zeitraum nicht versichert. Deshalb ist es wichtig, vor der Ausreise gut vorzusorgen: Reise-, Auslandskranken-, Haftpflicht- und Unfallversicherung sind Pflicht. Beim Arzt sollte man sich über nötige Impfungen erkundigen.

Erntehelfer oder in der Gastronomie

„Man kann jeden Job annehmen“, sagt Tanja Kuntz. Nur allzu anspruchsvoll sollten die Travelworker nicht sein. Die klassischen Aufgabenfelder: Erntehelfer, Gastronomie, Tourismus, Promotion oder Handwerk. „Ich habe in Australien Klorohre auf einer Baustelle verlegt“, erzählt Kuntz über ihren eigenen Work-and-Travel-Ausflug nach Down Under. Je nach Arbeitgeber bindet man sich von drei Tagen Umzugshelfer, über die Dauer der Ernte bis zu mehreren Monaten im Büro.

Wie oft der Job gewechselt werden muss, hängt von den Landesbestimmungen ab. Während man in Australien maximal ein halbes Jahr bei ein und dem selben Arbeitgeber bleiben darf, besteht in Neuseeland gar keine Wechselpflicht. Der Verdienst liegt zwischen sieben und zehn Euro pro Stunde. Das reicht, um die Lebenshaltungskosten zu decken. Für Tauchkurse, Ausflüge und anderes ist die Reisekasse da. Wer Mitglied der Willing Workers On Organic Farms (WWOOF) – einer Organisation für Freiwilligenarbeit auf ökologischen Höfen – ist, kann statt gegen Geld gegen Unterkunft und Verpflegung jobben.

Mit der Agentur oder auf eigene Faust

Der Travelworker hat zwei Möglichkeiten: Entweder er startet auf eigene Faust. Oder er lässt sein Abenteuer über eine Organisation wie Travel Works, Step In oder AIFS organisieren. Die bieten ein Rundumpaket, kümmern sich um die Organisation vorab und starten vor Ort mit einem Sprachkurs und Einführungsseminar, bei dem man Gleichgesinnte kennen lernt. Nach zwei bis drei Tagen ist der Travelworker auf sich gestellt. Manche Programme vermitteln den ersten Job, sonst muss man ihn selbst suchen. Übers Internet kann man von daheim aus schon die erste Stelle klar machen. Oder man sucht in Zeitungen oder am schwarzen Brett. Auch wer direkt nachfragt, hat meist Glück. Dann startet das Abenteuer von einem Job zum nächsten, entlang der Sehenswürdigkeiten. Und sollte es Schwierigkeiten geben, hilft die Organisation oder die deutsche Botschaft.

Von Ingrid Müller

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