Wulff dementiert Angriff auf Piech

- Wolfsburg/Stuttgart - Nach dem spektakulären Einstieg von Porsche bei Volkswagen hat Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) einen angeblichen Machtkampf im VW-Aufsichtsrat dementiert. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" hatte berichtet, Wulff mache hinter den Kulissen Druck, um den jetzigen VWAufsichtsratschef und Porsche-Großaktionär Ferdinand Pi½ch zum Rückzug aus dem Gremium zu bewegen. Eine Sprecherin von Wulff bezeichnete dies am Dienstag als "unseriöse Spekulationen". Porsche betonte unterdessen, sich nicht in das operative Geschäft bei VW einmischen zu wollen.

Die "FAZ" schrieb, Wulff wolle einen unabhängigen Dritten an der Spitze des Kontrollgremiums positionieren, da er bei Piech Interessenkonflikte sehe. Pi½ch, der den milliardenschweren PorscheCoup maßgeblich eingefädelt haben soll, ist Mitinhaber von Porsche Salzburg, eines der größten VW-Händler in Europa. Sein Aufsichtsratsmandat läuft bis 2007. Das Land Niedersachsen ist mit 18,2 Prozent noch größter Eigentümer von VW. Porsche will für etwa drei Milliarden Euro rund 20 Prozent erwerben. Noch halten die Stuttgarter nach eigenen Angaben unter fünf Prozent.

Der Finanzvorstand von Porsche, Holger Härter, stellte unterdessen klar, dass der Sportwagenbauer als künftig größter Aktionär dem VWManagement nicht in das operative Geschäft hineinreden wolle. Porsche werde seinen Einfluss über den Aufsichtsrat geltend machen und Volkswagen strategisch unterstützen, sagte er nach Angaben eines Konzernsprechers am Montagabend bei einem Treffen mit Analysten im italienischen Siena.

Porsche werde darauf achten, dass VW bestimmte Renditeziele erfülle, sagte Härter. Nach Angaben der Deutschen Bank erwartet Porsche, dass die VW-Beteiligung eine Kapitalrendite von 15 Prozent erbringt. Die angestrebte Beteiligung von 20 Prozent werde in der Porsche-Bilanz direkt in der Gewinn- und Verlustrechnung verbucht, sagte Härter dem Sprecher zufolge.

Nach Informationen der "Financial Times Deutschland" strebt Porsche bis zu drei Aufsichtsratsmandate bei VW an. "Wenn Niedersachsen mit 18,2 Prozent der Aktien zwei Mandate hat, dann stünden Porsche als größerem Anteilseigner drei Mandate zu", sagte ein mit dem Vorgang befasster Porsche-Manager der Zeitung. Es wird erwartet, dass auch Porsche-Chef Wendelin Wiedeking selbst in das VWGremium einzieht.

Härter äußerte sich nicht zu den Möglichkeiten, wie und in welchem Zeitraum die Beteiligung aufgebaut werden soll. Darüber verhandelt Porsche derzeit mit dem VW-Vorstand. Volkswagen besitzt rund 13 Prozent eigene Anteile, die jedoch nicht direkt an einen Investor verkauft werden dürfen. Ein Porsche-Sprecher sagte zuletzt, die benötigten Aktien sollten aus dem VW-Streubesitz aufgekauft werden. Härter bekräftigte die Aussage, dass Porsche den Einstieg voll aus der vorhandenen Liquidität stemmen werde. Die Finanzierung künftiger Projekte sei nicht gefährdet.

Nach Angaben von teilnehmenden Analysten konnte Härter in Siena Bedenken gegen den Einstieg bei VW zerstreuen. Die Deutsche Bank, die am Vortag ihre Anlageempfehlung von "Kaufen" auf "Verkaufen" reduziert hatte, korrigierte am Dienstag überraschend ihre Einschätzung wieder und rät Anlegern jetzt, das Papier zu halten. "Wir haben den Eindruck gewonnen, dass die Zusammenarbeit zwischen Porsche und VW tiefer geht als ursprünglich angenommen", sagte Analyst Christian Breitsprecher.

Die Porsche-Aktie legte am Dienstag um 3,7 Prozent auf 630 Euro zu. Am Montag war der Titel zeitweise um mehr als elf Prozent eingebrochen. Die VW-Aktie notierte nahezu unverändert bei 51,53 Euro.

Der Porsche-Finanzvorstand betonte vor den Analysten, die Idee für die VW-Beteiligung stamme von Vorstandschef Wendelin Wiedeking. Zunächst habe er den Plan mit Aufsichtsratschef Helmut Sihler abgestimmt, dann seien die Eigentümerfamilien Piech und Porsche informiert worden. Kenner des Unternehmens vermuten dagegen, dass VWAufsichtsratschef Pi½ch die treibende Kraft hinter dem Coup gewesen ist. Er war von 1993 bis 2002 Vorstandschef in Wolfsburg. Die beiden Familienstämme besitzen 100 Prozent der Porsche-Stimmrechte.

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