Wundermittel gegen Speck: Schlank wird nur der Geldbeutel

- Sie heißen "Schlank-Geheimnis", "Fettverbrenner" oder "Wunderdiät". Werbebriefe, Zeitungsannoncen oder Internetauftritte beschwören die Erfolge der Schlankheitsmittel. Von dramatischen Gewichtsverlusten oder wundersamen Wandlungen ist da die Rede - selbstverständlich ganz ohne körperliche Anstrengungen oder langweilige Diätpläne. Was die Anbieter der Wundermittelchen allerdings verschweigen: Viele Schlankmacher haben bedenkliche Nebenwirkungen.

Auch wenn gerade zum Jahresanfang viele Menschen darauf hoffen, ihren Feiertags-Speck wieder loszuwerden, empfehlenswert sei keine der Diätpillen, sagt Susanne Moritz, Ernährungsberaterin bei der Verbraucherzentrale Bayern: "Im besten Fall sind die Mittel ungefährlich, aber wirkungslos."

Krank statt schlank

Im schlimmsten Fall verursachten die Wunderpillen Herzrasen, Bluthochdruck, Kopfschmerzen, Muskelschäden oder Nierenstörungen. Nach Einnahme eines Appetitzüglers mit dem Wirkstoff Sibutramin wurden sogar Todesfälle bekannt.

Rezeptfrei per Internet

Erst kürzlich warnte die Stiftung Warentest vor den Schlankheitsmitteln "LiDa" und "Evolution Slim & Slender", die im Internet stark beworben werden. Und das nicht ohne Grund, ist doch ihr Wirkstoff Sibutramin in Deutschland nur nach ärztlicher Verordnung erhältlich - als letzte Therapiemöglichkeit für Fettleibigkeit. Im World-Wide-Web werden die China-Kapseln gleich mit der doppelten Menge des hier zulässigen Wirkstoffs feilgeboten und frei Haus geliefert - Herzrasen, Bluthochdruck und andere Nebenwirkungen inklusive. "Weltweit sind 34 Todesfälle bekannt", notiert die nordrhein-westfälische Verbraucherzentrale.

Gefährliche Dosis

Auch bei vermeintlich natürlichen Produkten wie Jod- oder Algen-Präparaten, die den Energie-Grundumsatz des Körpers steigern, sollte der Verbraucher die Wirkstoffmenge im Auge behalten: "Bei einer Überdosierung kann es schnell zu einer Überfunktion der Schilddrüse kommen", erklärt Ernährungsexpertin Moritz.

Kostenfalle

Schlanker wird am Ende meist nicht der Bauchumfang des Verbrauchers, sondern sein Portemonnaie. Während gewöhnliche Abführmittel je nach Wirkstoff und Darreichungsform durchschnittlich 70 Cent pro Tag kosten, schlagen Spezial-Präparate, die beispielsweise den Wirkstoff Sibutramin enthalten, gleich mit 2,80 Euro oder mehr zu Buche. Deutlich teurer sind Produkte aus dem Internet.

Geld-weg-Garantie

Selbst wenn die Wundermittelchen sich nach wochenlanger Anwendung als teure Luftnummern herausstellen, eine "Geld-zurück-Garantie", die viele Hersteller anbieten, gibt es im Ernstfall meist nicht: "Vorsicht, wenn sie im Voraus zahlen sollen", warnt Verbraucherschützerin Moritz. "Oft hat man es mit Briefkastenfirmen zu tun, die ihren Unternehmenssitz im Ausland haben. Ein Verantwortlicher ist hinterher nicht mehr auffindbar."

Jo-Jo-Effekt

Entwässerungs- und Abführmittel, Appetithemmer, Trinkdiäten, verschiedenste pflanzliche Präparate und Einzelsubstanzen: Der Markt für Schlankmacher ist riesig - und unüberschaubar. "Gerade bei entwässernden oder abführenden Mitteln hat der Verbraucher auf den ersten Blick das Gefühl: Da bewegt sich was", weiß Ernährungsexpertin Moritz.

Wer langfristig schlank bleiben wolle, müsse mehr tun, als Pillen zu schlucken und auf ein Wunder zu hoffen. Es gilt, den ganzen Lebensstil zu verändern: viel Sport, viel Bewegung, andere Essgewohnheiten. "Sonst erliegen wir dem Jo-Jo-Effekt und die Kilos sind schnell wieder drauf", warnt Moritz.

Buchtipp: ABC der Schlankmacher. Verbraucherlexikon zur aktuellen Angebotspalette. Erhältlich bei der Verbraucherzentrale Bayern, Mozartstraße 9, München.

Diätstress: Wenn die Waage zum Feind wird.Foto: gms

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