Wunderstoff auf Kunststoffbasis schützt Pilger und Astronauten

- Putzbrunn - Die Firma Gore & Associates GmbH aus Putzbrunn ist fast allgegenwärtig. Ihre Produkte finden bei weitem nicht nur in den "Gore Tex"-Jacken Verwendung, die Bergsteiger so gerne überziehen. Sie sind auch in gigantischen Schirmen verarbeitet, die in Mekka Pilger vor der Sonne schützen. Oder in Raumanzügen von Astronauten. Oder in künstlichen Gefäßimplantaten von Millionen Menschen, den Abgasfiltern zahlreicher Fabrikschlote und den Kabeln verschiedenster Computersysteme. All das ist "made by" Gore.

"Das erstaunliche daran ist, dass sich unsere Produkt-Vielfalt auf einen kleinsten gemeinsamen Nenner reduzieren lässt", erklärt Eduard Klein, Geschäftsführer von Gore in Deutschland. Der heißt Polytetrafluorethylen (PTFE) und ist ein Kunststoff. Aber was für einer: PTFE ist wasserabweisend, säureresistent, biokompatibel - das heißt er wird vom menschlichen Körper nicht abgestoßen - und er widersteht Temperaturen von minus 250 bis plus 260 Grad. Diese Eigenschaften machen PTFE zu einem universellen Material, das als atmungsaktive und winddichte Textilschicht in Kleidung ebenso herhalten kann wie zur Kabelisolierung.<BR><BR>Der Amerikaner Wilbert L. Gore war von dem Wunderstoff so angetan, dass er 1958 eine Firma gründete. Er gab ihr seinen Namen und konzentrierte sich allein auf die Entwicklung neuer Produkte auf PTFE-Basis. Zuerst waren das vor allem Kabel. Nach und nach entdeckten findige Gore-Ingenieure aber, dass sich der Kunststoff auch für medizinische Produkte eignet. Oder eben für Textilien: 1976 kam die berühmte Gore-Tex-Membran auf den Markt, die heute in Kleidung bekannter Modemarken wie Schöffel oder Berghaus eingearbeitet wird.<BR><BR>"Zu diesem Zeitpunkt gab es die Firma Gore bereits seit zehn Jahren in Deutschland", erinnert sich Klein. Die deutsche Tochterfirma war damals eines der ersten internationalen Standbeine des Gore-Netzwerks. Heute ist es eines der wichtigsten: Mit 1100 Angestellten arbeitet ein Sechstel der weltweiten Belegschaft hierzulande. Etwa die Hälfte davon schafft in Putzbrunn, dem nationalen Hauptsitz. Der Rest verteilt sich auf die Werke Feldkirchen-Westerham und Pleinfeld. <BR><BR>Einen Umsatz von etwa 350 Millionen Euro konnten sie im vergangenen Jahr erwirtschaften - fast drei Mal soviel wie 1990.<BR>Das sich die Gore GmbH so prächtig entwickelt hat, liegt nicht zuletzt daran, dass man Trends selber kreiert und nicht kopiert. "Unsere Ingenieure sind ständig damit beschäftigt, Innovationen zu entwickeln". Mit zwei Gore-Produkten, die jüngst auf den Markt gekommen sind, lassen sich die Worte des Geschäftsführers belegen.<BR><BR>Da ist zum einen das "Gore-Cover"-System, das in Kompostanlagen eingesetzt wird. Es handelt sich eigentlich nur um eine Abdeckplane für Biomüll. Aber das Tolle daran: Mit Plane über dem Unrat verrottet der geruchlos in knapp drei Wochen und damit rund vier mal schneller als ohne. Oder "Gore-Airvantage", das weltweit erste Temperatur-Regelungssystem für Jacken: In denen sind Luftkammern eingebaut, die der Träger aufpumpen ann. Desto voller die Luftkissen, desto besser ist er vor Kälte geschützt, da Luft ein sehr guter Isolator ist. Wird ihm zu warm, lässt er das überschüssige Gas wieder entweichen. In die Ventile pusten können mittlerweile nicht nur in Burton oder Chiemsee gekleidete Skifahrer sondern auch Modebewusste in Boss- oder Escada-Klamotten.<BR><BR>Die besten Chancen für Neuerungen sieht Eduard Klein momentan vor allem auf dem Medizinsektor. Hier ist die Ideenschmiede unter anderem mit einem Mikrokabel aus 24 haardünnen Leitern auf dem Markt. Herzstörungen können damit behandelt werden, ohne das große Operationen notwendig sind.<BR><BR>

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