Studie vorgestellt

Der Wunschzettel der Biotech-Unternehmen

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München - Der Großraum München ist ein Zentrum der deutschen Biotechnologie- und Pharmabranche. Immer mehr Firmen haben sich in den letzten Jahren angesiedelt. Eine Studie zeigt jedoch, dass der Standort an Attraktivität verliert.

An kaum einem Ort in Deutschland wird so eifrig nach neuen Medikamenten gesucht wie im Raum München. In der sogenannten Metropolregion, die von Eichstätt bis Garmisch reicht, sitzen 15 Prozent aller deutschen Biotechnologie-Unternehmen. Ein Großteil davon erforscht und entwickelt Wirkstoffe gegen Krankheiten wie Krebs, Leukämie oder Alzheimer. Biotechs arbeiten dabei mit Pharma- und Auftragsforschungsunternehmen zusammen – die Bereiche verschmelzen immer mehr. Und immer neue Firmen zieht es in die Region. So wurden in den letzten fünf Jahren rund 40 Biotechs neu gegründet.

Die Stimmung am Standort ist grundsätzlich gut. Das zeigt eine aktuelle Umfrage, die von der IHK für München und Oberbayern und dem Referat für Arbeit und Wirtschaft der Stadt München in Auftrag gegeben wurde. Die Ergebnisse hat die Standortfördergesellschaft Bio-M in einer Studie zusammengefasst. Danach erwarten 75 Prozent der Unternehmen bis 2017 eine Verbesserung der Geschäftslage – nur 3,6 Prozent rechnen damit, dass es künftig bergab geht. Am meisten schätzen die Biotech- und Pharmaunternehmen am Standort die gute Vernetzung (21,3 Prozent) und das Forschungsumfeld (20,2 Prozent). Dennoch verliert die Metropolregion München für die Branche insgesamt an Attraktivität. „Statt 18 Prozent der Unternehmen im Jahr 2008 sagen heute nur noch sieben Prozent, dass München ein allgemein attraktiver Standort ist“, sagt Peter Driessen, Hauptgeschäftsführer der IHK für München und Oberbayern. Größte Schwäche des Standorts sind demnach die hohen Lebenshaltungskosten. Knapp 30 Prozent der befragten Unternehmen gaben das an. Viele Firmen bemängelten zudem, es gebe zu wenig Förderprogramme (14,5 Prozent). Mehr als zehn Prozent beklagten das Steuerrecht und die Bürokratie in Deutschland.

Die Ergebnisse zeigen: Die Region steht in einem harten internationalen Wettbewerb. Standortnachteile sind dabei auch die langen Zulassungsverfahren für Medikamente in Deutschland und die schlechte Finanzierungssituation. „Vor allem die USA haben in den letzten Jahren die Zulassungsverfahren für innovative Medikamente beschleunigt und den Zugang zu Kapital über die Börse erleichtert. Zwei Maßnahmen, die immer noch auf dem Wunschzettel der Branche hierzulande stehe“, sagt Münchens Bürgermeister Josef Schmid (CSU), der das Referat für Arbeit und Wirtschaft leitet. Entsprechend fordern mehr als 50 Prozent der Unternehmen Verbesserungen der Förderlandschaft, um die langen bis zu 15 Jahre dauernden Zulassungsverfahren zu finanzieren. Große Hoffnungen setzen Branchen-Vertreter wie Bio-M-Chef Horst Domdey deshalb in den Wachstumsfonds, den die bayerische Staatsregierung 2015 auflegen will. Mit einem Volumen von rund 100 Millionen Euro soll Wagniskapital auch an Biotechs fließen.

Denn hier drückt der Schuh: In Deutschland gibt es zu wenig Wagniskapital. Investoren scheuen das Risiko, ihr Geld in Biotechs zu stecken. „Hier ist die Politik gefragt, um die Rahmenbedigungen für Investoren zu verbessern“, sagt Domdey. Mit Blick auf die Jahrtausendwende, als viel Geld in die Biotechs investiert wurde, fordert er: „Wir brauchen einen neuen ,neuen Markt‘.“ Politik und Wirtschaft müssten zusammenarbeiten, um Investoren zu gewinnen und auch zu halten. Nur so kann die Metropolregion München als Biotech-Standort in Zukunft bestehen.

Manuela Dollinger

Rubriklistenbild: © intern

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