Wyser-Pratte strebt TUI-Zerschlagung an

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Hannover (dpa) - Der US-Finanzinvestor Guy Wyser-Pratte will seinen TUI-Anteil aufstocken und nimmt eine Zerschlagung des Reise- und Schifffahrtskonzerns ins Visier. "Ich bin willens, weitere Aktien zu kaufen", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Samstagausgabe).

Zugleich will Wyser-Pratte andere Aktionäre als Verbündete suchen, um bei TUI einen radikalen Kurswechsel durchzusetzen: "Die Frage ist nicht, wie viele Aktien ich kaufe, sondern wer meine Denkweise teilt."

Auf die Frage, ob er eine Zerschlagung fordere, sagte er der Zeitung zufolge: "So etwas in der Art. Aber ich werde meine Pläne noch nicht offenlegen. Dazu ist es noch zu früh." In einem Interview mit "manager-magazin.de" sagte Wyser-Pratte, er habe bereits Kontakt zu anderen kritischen TUI-Aktionären aufgenommen. "Oh ja, das habe ich. Die sind sehr froh, dass ich jetzt an ihrer Seite stehe."

Wyser-Pratte hat nach eigener Darstellung für rund 40 Millionen Euro ein Prozent der TUI-Aktien erworben und umgehend die Absetzung von Konzernchef Michael Frenzel gefordert. An der Börse kletterte das TUI-Papier am Freitag in der Spitze um mehr als fünf Prozent auf rund 19 Euro. Frenzel steht wegen der schwachen Entwicklung des Aktienkurses und der TUI-Ertragsschwäche bei Anlegern seit langem in der Kritik. Der umstrittene Investor hatte bei mehreren deutschen Unternehmen einen Radikalumbau gefordert und damit zum Teil auch Erfolg gehabt.

Wyser-Pratte bekräftigte seine Kritik an der TUI-Struktur: "TUI ist ein Konglomerat. Wo ist der Vorteil? Dieses Konzept ist vor 30 Jahren gestorben", sagte er der "FAZ". In "Euro am Sonntag" sagte Wyser-Pratte zudem, die Finanzberichterstattung des Konzerns sei undurchsichtig: "Es ist an der Zeit, dass TUI sauber die Resultate der einzelnen Segmente aufschlüsselt und publiziert." Er kündigte zudem an, er wolle für eine Kürzung der Vorstandsgehälter sorgen und eine Nutzung der TUI-Flugzeugflotte durch Führungskräfte verbieten. Wyser-Pratte hatte bereits zuvor Frenzel massives Missmanagement vorgeworfen. Ein TUI-Sprecher wollte die jüngsten Äußerungen laut "FAZ" nicht kommentieren.

TUI ist der erste DAX-Konzern, den der Amerikaner ins Visier nimmt. Bei der TUI gibt es derzeit keinen bestimmenden Großaktionär. Der überwiegende Teil der Aktien befindet sich im Streubesitz. Jeweils rund fünf Prozent halten die spanische Hoteliersfamilie RIU, ein spanisches Kreditinstitut sowie ein marokkanisches Finanzinstitut. Diese Aktionäre gelten als Frenzel-Verbündete. Ebenfalls fünf Prozent besitzt der norwegische Großreeder John Fredriksen, der als Anhänger einer TUI-Zerschlagung gilt. Mehr als fünf Prozent der TUI-Aktien hält auch eine Tochter der US-Investmentbank Lehman Brothers.

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