Yahoo zeigt Microsoft die kalte Schulter

München/New York - Yahoo lässt Microsoft abblitzen. Der Internet-Dienstleister will die Übernahmeofferte des Softwareriesen zurückweisen. Das könnte der Startschuss zu einem lang andauernden Übernahme-Kampf sein.

Nach Informationen mehrerer US-Zeitungen sieht der Yahoo-Verwaltungsrat das Unternehmen mit der Offerte "massiv unterbewertet". Das Gremium, das in etwa einem deutschen Aufsichtsrat entspricht, werde Microsoft am heutigen Montag in einem Brief seine Haltung erläutern, schrieb das renommierte "Wall Street Journal".

Microsoft hatte vor gut einer Woche 31 Dollar je Yahoo-Aktie geboten, was einem Unternehmenswert von rund 45 Milliarden Dollar entspricht. Yahoo wird aber wohl keinen Preis unter 40 Dollar akzeptieren, wie es in einem Bericht unter Berufung auf informierte Personen hieß. Das gegenwärtige Angebot sei nach Ansicht von Yahoo ein Versuch, das Unternehmen zu "stehlen". Ein Preis von 40 Dollar würde das Portal mit über 50 Milliarden Dollar bewerten.

Yahoo kann nach einer Ablehnung des Angebots auf Nachbesserung durch Microsoft hoffen oder stattdessen auf eine Zusammenarbeit etwa mit dem Suchmaschinen-Riesen Google setzen. Microsoft seinerseits könnte eine feindliche Übernahme gegen den Widerstand der Yahoo-Führung versuchen. Der Konzern müsste dazu die Yahoo-Aktionäre vom Angebot überzeugen.

Mit einem Kauf will Microsoft die Übermacht des Rivalen Google bei der Online-Suche und der Internet-Werbung brechen. Yahoo mit Sitz im kalifornischen Sunnyvale steht nach einem erneuten Gewinneinbruch derzeit vor dem Abbau von 1000 seiner weltweit 14 300 Stellen. Auch Aktivitäten in Europa stehen auf dem Prüfstand.

Der Yahoo-Verwaltungsrat hatte am Freitag telefonisch über die Offerte beraten. Für diese Woche ist nun ein persönliches Treffen des Gremiums angesetzt. Externe Berater hätten zwar die Annahme des Angebots empfohlen. Im Verwaltungsrat seien die Meinungen aber geteilt gewesen. Diskutiert worden sei sowohl eine Kooperation mit Google als auch eine Strategie für mögliche Verhandlungen mit Microsoft über einen höheren Kaufpreis.

Yahoo wollte die Medienberichte nicht bestätigen. Der Konzern nahm bislang zu dem Microsoft-Angebot nicht offiziell Stellung. Ein von Yahoo erhofftes Gegenangebot zu Microsoft etwa von Google liegt bisher nicht auf dem Tisch. Yahoo habe deshalb gar keine andere Wahl, als mit Microsoft zu sprechen, sagen Beobachter. Vertreter der Microsoft-Seite hätten sich zuversichtlich geäußert, dass die Offerte erfolgreich sein werde. Sie seien bereit, die Beratungen bei Yahoo abzuwarten.

Ein Großaktionär von Yahoo und Microsoft nahm inzwischen der "New York Post" zufolge Kontakt mit Microsoft auf. Der Investor Capital Research und Management habe bei einem Treffen die Bereitschaft Microsofts zu einer Aufstockung des Kaufpreises ausloten wollen. Capital Research halte gut elf Prozent an Yahoo und mehr als sechs Prozent an Microsoft.

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