Yukos spielt US-Karte aus: Wer mitsteigert, riskiert Milliardenklage

- München - Yukos kommt unter den Hammer. Daran lässt die russische Regierung keinen Zweifel. Auch ein Urteil des Konkursgerichts von Houston/Texas ficht die Behörden nicht an. Doch es könnte Bietern für den Ölkonzern den Geldhahn abdrehen. Das Gericht erließ eine einstweilige Verfügung gegen die für Sonntag angesetzte Versteigerung der Yukos-Öltochter Juganskneftegaz. Mit ihrer Entscheidung können die US-Richter den russischen Staat nicht binden. Darauf wies Wladimir Putins Außenminister Sergej Lawrow ausdrücklich hin.

<P>Doch die Manager von Yukos, die nach US-Recht Konkurs angemeldet und Gläubigerschutz beantragt hatten, zielten gar nicht in diese Richtung. Denn der Hauptbieter, der regierungsnahe Gaskonzern Gazprom, an dem auch westliche Unternehmen wie Eon beteiligt sind, wird finanziert von einem Konsortium unter Führung der Deutschen Bank.<BR><BR>Das Frankfurter Geldhaus kann die einstweilige Verfügung von Richterin Letitia Clark nicht ohne weiteres übergehen. Sonst drohen Massenklagen. "Das Konsortium ist an die Entscheidung gebunden", spielten die Anwälte von Yukos aus der Kanzlei Fulbright und Jaworski ihre Trumpfkarte aus. Bank-Chef Josef Ackermann erneut als Beklagter, diesmal in den USA? Vor der US-Justiz könnte das Geschäft teuer kommen. Denn die Finanzgruppe Menatep, die die Mehrheit der Yukos-Aktien hält, droht mit Milliardenklagen auch gegen die Geldgeber der Versteigerung.<BR><BR>Ganz so locker, wie die formaljuristischen Einlassungen glauben machen sollen, sieht die russische Regierung den Richterspruch nicht. So sieht Außenminister Lawrow dunkle Mächte am Walten: "Jemand will Spannungen schüren und Zweifel am Investitionsklima in Russland schüren."<BR><BR>Dass solche Zweifel berechtigt sind, haben unabhängige Beobachter immer wieder betont. Zwar hat Yukos wie alle anderen großen russischen Konzerne keine oder kaum Steuern gezahlt und daher Schulden. Auch die Preise, zu denen einige Geschäftsleute im Rahmen der Privatisierung an Milliardenwerte gekommen sind, gelten als unkorrekt. Doch das einseitige Vorgehen allein gegen den Energieriesen Yukos, dessen Chef als Kritiker von Präsident Putin in Erscheinung getreten war, gilt als klarer Bruch mit rechtsstaatlichen Maßstäben.<BR><BR>Trotz dieser keineswegs vertrauensbildenden Vorgehensweise Russlands lassen sich deutsche Unternehmen von Investitionen in Russland nicht abschrecken. Drei große Konzerne wollen ihr Engagement erheblich ausbauen. Siemens etwa will nach einem Bericht des "Handelsblatt" beim führenden russischen Turbinenbauer Silowyje einsteigen. So soll aus der Silowyje-Mutter Interros ein Joint Venture gebildet werden, an dem der Münchner Konzern 50 Prozent minus eine Aktie hält, aber die Kontrolle über das Management bekommt.<BR><BR>Auch der Luftfahrtkonzern EADS will, wie der scheidende EADS-Co-Chef Rainer Hertrich jüngst bestätigte, die Zusammenarbeit mit dem russischen Konkurrenten intensivieren - allerdings will man sich vorerst mit einer 10-Prozent-Beteiligung begnügen.<BR><BR>Auch der VW-Chef Bernd Pischetsrieder lässt in Russland nach möglichen Standorten suchen. Spätestens 2006 sollen laut "Handelsblatt" voraussichtlich in Stupino, rund 90 Kilometer südlich von Moskau, Autos der Marke VW montiert werden.</P>

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