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„Barauszahlung nicht möglich“: Zwischen Sparkassen und Direktbanken wird um die Geldautomaten gerangelt.

Der zähe Kampf um die Automaten-Hoheit

An Deutschlands Geldautomaten tobt ein Kampf um die Bankkunden. Der Konflikt hat mittlerweile das Kartellamt auf den Plan gerufen. Es will klären, ob Institute ihre Automaten für Kunden anderer Geldhäuser sperren dürfen.

„Barauszahlungen mit Visa-Karten folgender Emittenten sind nicht möglich: Volkswagen Bank, Santander Bank, DKB, Ing-Diba, CC Bank, Comdirect, Allbank“ – so oder ähnlich war es in den vergangenen Wochen an einigen Sparkassen-Automaten zu lesen. Um die 50 Geldhäuser machten nach unbestätigten Zahlen ihre Automaten zumindest zeitweise für Kunden von Direktbanken dicht.

Die Sparkassen werfen den Direktbanken vor, das weitaus dichtere Geldautomatennetz der Sparkassen zur Bargeldversorgung ihrer Kunden zu missbrauchen. Den öffentlich-rechtlichen Instituten ist die Gebühr zu niedrig, die sie erhalten, wenn Direktbankkunden mit der Visa-Karte ihre Geldautomaten nutzen. Diese beträgt 1,74 Euro je Abhebung. Zieht ein Kunde mit einer EC-Karte bei einem Konkurrenten seiner Hausbank Bargeld am Automaten, werden um die 4,50 Euro fällig. In mehreren Gerichtsverfahren bekam mal die eine, mal die andere Seite Recht. Als bundesweit erste Sparkasse kündigte die Sparkasse Dinslaken-Voerde-Hünxe (Nordrhein-Westfalen) im Januar ihre Geschäftsbeziehungen zur Kreditkartenfirma Visa sogar komplett.

Die Direktbank Ing-Diba ist überzeugt, dass die Sparkassen auf Geheiß ihres Spitzenverbandes DSGV handeln. „Ich wage die Behauptung, es gibt einen Boykottaufruf des DSGV“, sagt Sprecher Ulrich Ott. „Der wahre Grund ist doch: Alle Häuser, die mit kostenlosen Girokonten den Sparkassen Geschäft abnehmen, sollen torpediert werden.“ Eine Sprecherin des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) kontert: „Das ist Humbug.“

In Bezug auf die DKB hat der Konflikt eine besondere Note. Denn diese ist die Direktbank-Tochter der Bayerischen Landesbank, die immerhin noch zu etwa fünf Prozent den bayerischen Sparkassen gehört und so auch außerhalb des Freistaats den Sparkassen Konkurrenz macht. Sie bietet ihren Kunden weltweit kostenlose Abhebungen am Automaten an.

Für viele Verbraucher ist die Situation ärgerlich. Zwar gibt es in Deutschland etwa 51 000 Geldautomaten – doch nicht alle dürfen von allen Bankkunden kostenlos genutzt werden. Die Sparkassen betreiben fast 26 000 Automaten, die Ing-Diba als größte Direktbank nur gut 1200.

Der Streit schwelt seit Monaten und wird wohl auch durch das Kartellamt nicht auf die Schnelle zu lösen sein. Doch Bankkunden können zumindest hoffen, dass grundsätzlich Klarheit geschaffen wird und die Sperrung von Automaten für bestimmte Kundengruppen beendet wird. Es hätten sich Fragen zur „Vereinbarkeit der bestehenden Geldautomatenverbünde mit den kartellrechtlichen Anforderungen ergeben“, schrieben die Wettbewerbshüter an den Präsidenten des Bundesverbandes der Volks- und Raiffeisenbanken, Uwe Fröhlich. Fröhlich ist derzeit Chef des Zentralen Kreditausschusses (ZKA), der Interessenvertretung der Spitzenverbände der Kreditwirtschaft.

Das Kartellamt will zum Beispiel klären, ob die einzelnen Institutsgruppen von Sparkassen und Volksbanken über Privatbanken („Cash Group“) bis zu Direktbanken sich abschotten oder „offen für den Beitritt weiterer Mitglieder zu angemessenen Konditionen“ sind und wie es generell um die Gebühren bestellt ist.

Die Diskussion beschädigt nach Einschätzung von Experten auch das Image der Marke Visa mit ihren zuletzt fast 16 Millionen Karten-Kunden in Deutschland. Visa bemüht sich seit Monaten, in dem Konflikt zu vermitteln: „Zwischen den beteiligten Parteien hat es auf Initiative von Visa Europe Gespräche gegeben, die weiter fortgesetzt werden“, heißt es in der jüngsten Erklärung des Unternehmens.

von Jörn Bender

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