Zaghaft bandeln Anleger wieder mit der Börse an

- München - Erstmals seit über zwei Jahren bandeln Firmen und Privatanleger wieder mit der Börse an. Nach der Funkstille denken jetzt die ersten Unternehmen in Deutschland wieder ernsthaft über einen Börsengang nach, ebenso zaghaft kehren die Anleger zurück. "Es tut sich was", berichten Experten.

<P>"Banken und Berater bereiten einige Neuemissionen vor", sagt Florian Weber, Vorstand beim Börsenmakler Schnigge. Vor allem solide Mittelständler machten sich startklar für den erwachenden Aktienmarkt, weiß auch Friedrich Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).</P><P>Doch so richtig aus der Deckung traut sich noch niemand - auch wenn das Parkett nach dem Totalzusammenbruch bereit zu sein scheint für neue Initial Public Offerings (IPO), wie das Platzieren frischer Aktien auch genannt wird. Der Dax erklomm in den vergangenen Wochen stetig neue Höhen. In den USA und in England ist das Karussell schon seit einiger Zeit wieder angesprungen, auch in Asien tut sich was - nur in Deutschland ging nichts.</P><P>Die Angst vor einem teuren Flop sitzt tief. Kein Wunder: In der Euphorie des Börsenboomjahrs 1999 ging es im IPO-Bereich noch zu wie beim Brezelbacken. Allein am Neuen Markt drängten Schlag auf Schlag 168 Kandidaten aufs Parkett, 2000 waren es 153. Die Bundesbürger rissen sich um Aktien der Neuen. Mit dem schleichenden Börsencrash brach das Geschäft mit Neumissionen dann radikal ein. 2001 wagten nur noch 21 Firmen einen Börsengang in Frankfurt, 2002 gerade mal sechs. Der Erfolg blieb oft aus. In diesem Jahr traute sich kein einziger Kandidat aus der Lauerstellung. Anbandeln ja, mehr nicht.</P><P>Banken, Berater und Unternehmen scheinen darauf zu warten, dass einer aus der Branche den ersten Schritt macht. "Einige Emissionen werden seit Jahren geschoben, da steckt viel in der Pipeline, aber der Mut fehlt noch", meint DSW-Experte Kurz. Die für Anfang Oktober geplante Platzierung einer Immobilientochter der HypoVereinsbank zählt aus formalen Gründen nicht als klassischer Börsengang.</P><P>Fast alle Experten rechnen damit, dass wenigstens ein Aspirant in diesem Jahr noch die Zurückhaltung aufgibt und versucht, sich an der Börse mit frischem Kapital einzudecken: "Sobald der erste Börsengang ein Erfolg wird, wagen es auch die anderen." Im Frühjahr sei dann mehr Bewegung zu erwarten.</P><P>Kann das Geschäft allmählich wieder Fahrt aufnehmen, kommt das auch einem Weckruf für mutige Privatanleger gleich. Davon ist Kurz überzeugt. Kleinanleger seien nach dem Fiasko der vergangenen Jahre allerdings äußerst vorsichtig geworden. "Die Anleger haben bitter gelernt, dass man sich vorher sehr gut über die Finanzlage der Firma informieren muss", betont Finanzexperte Peter Grieble von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Eine Wiederholung der Hysterie hält er für schwer vorstellbar.<BR></P>

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