+
Die Börsianer zeigen sich von der Netflix-Entwicklung enttäuscht. Foto: Rolf Vennenbernd

Schwache Netflix-Prognose schickt Aktie auf Talfahrt

Für Netflix bringt eine globale Reichweite zunächst keinen dauerhaft höheren Nutzer-Zustrom. Erst müsse der Videodienst in mehr Regionen in Landessprache verfügbar sein, sagt Gründer und Chef Reed Hastings.

Los Gatos (dpa) - Die schlagartige globale Expansion hat dem Online-Videodienst Netflix nur für kurze Zeit einen schnelleren Nutzer-Zustrom gebracht.

Obwohl Netflix Anfang Januar in 130 neuen Ländern startete, wird für das laufende Quartal außerhalb der USA nur ein Zuwachs von zwei Millionen Nutzern erwartet.

Im Heimatmarkt soll es noch ein Plus von 500 000 geben. Die Börsianer zeigten sich enttäuscht: Die Aktie verlor im frühen Handel am Dienstag rund zehn Prozent.

Netflix ist seit Januar fast überall auf der Welt verfügbar, bis auf China und einige wenige Länder wie Nordkorea. Im ersten Quartal stieg die Zahl der Nutzer in den USA um 2,23 Millionen und im Rest der Welt kamen gut 4,5 Millionen hinzu.

Damit sei auf einen Schlag viel aufgestaute Nachfrage abgebaut worden, sagte Finanzchef David Wells zur Erklärung für das aktuelle Absinken der Neuzugänge. Netflix hatte zuvor auch mit der Präsenz in nur rund 60 Ländern jeweils deutlich mehr als zwei Millionen Nutzer pro Quartal dazugewonnen. Jetzt sollen es mit 190 Ländern nur zwei Millionen sein.

Netflix hat nun 81,5 Millionen Mitglieder weltweit, davon kommen knapp 47 Millionen aus dem langjährigen Kernmarkt USA. Gründer und Chef Reed Hastings sagte, das Wachstum werde anziehen, wenn es in mehr Regionen lokalisierte Versionen in Landessprachen geben werde. "Es gibt so viele Konkurrenten und sie arbeiten alle hart", räumte Hastings ein.

Der Umsatz wuchs im ersten Quartal im Jahresvergleich um rund 30 Prozent auf 1,81 Milliarden Dollar und der Gewinn von 24 auf 28 Millionen Dollar, wie Netflix nach US-Börsenschluss am Montag mitteilte. Der internationale Ausbau brachte außerhalb der USA einen operativen Verlust von 104 Millionen Dollar ein, während es im Heimatmarkt auf dieses Basis einen Gewinn von 413 Millionen Dollar gab.

Die Analysten von Citi Research rechnen damit, dass Netflix im kommenden Jahr die Marke von 100 Millionen Kunden überschreitet - aber wegen steigender Kosten in den roten Zahlen rutscht. Dann werde der Dienst auch erstmals mehr Kunden außerhalb der USA als im Heimatmarkt haben.

Netflix ist im Geschäft mit Videostreaming aktiv, bei dem Kunden für eine monatliche Abo-Gebühr Filme und Videos direkt aus dem Netz ansehen können. Genauso wie der schärfste international aktive Rivale Amazon investiert Netflix massiv in eigene Inhalte, um sich von der Konkurrenz abzuheben. Es seien die großen ambitionierten Produktionen, die am stärksten Kunden anlockten, sagte Hastings. So sei für Sommer 2017 ein teurer Film mit Will Smith geplant.

Programmchef Ted Sarandos bekräftigte, Netflix habe "aktuell" kein Interesse an Übertragungsrechten für große Sport-Events und wolle stattdessen weiter in eigene Serien und Filme investieren. Sport-Übertragungen gelten als sicherer Zuschauermagnet - sind aber auch entsprechend teuer. Hastings sieht zwar generell einen Trend zum Fernsehen aus dem Netz - bekräftigte aber immer wieder, dass Netflix kein Geld in Sport-Rechte stecken wolle.

Dagegen deutete der Netflix-Chef an, dass doch wieder über die Möglichkeit nachgedacht werden könnte, Videos für später auf ein Gerät herunterzuladen. Im Moment kann man bei Netflix nur direkt aus dem Netz streamen. In einem Flugzeug kann man somit meist nicht auf den Dienst zugreifen. Amazon lässt einige Inhalte auch herunterladen.

Netflix-Aktionärsbrief zum ersten Quartal

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Einfach-Handy Nokia 3310 kommt zurück
Barcelona - Als hätte es die Smartphone-Revolution nicht gegeben: Das klassische Einfach-Handy Nokia 3310 wird neu aufgelegt. Die bunte Reinkarnation bekam beim Mobile …
Einfach-Handy Nokia 3310 kommt zurück
Google heizt Wettlauf um schlauere Smartphones der Zukunft an
Barcelona - Google Assistant gegen Alexa gegen Siri: Der Kampf digitaler Assistenten um die Gunst der Nutzer spitzt sich zu. Google will nun im Kielwasser der …
Google heizt Wettlauf um schlauere Smartphones der Zukunft an
LG präsentiert neue Geräte - G6 mit großem Bildschirm
Barcelona - Wird es erfolgreicher, als der Vorgänger? LG stellt auf dem Mobile World Congress mit dem G6 das aktuellste Modell seines Smartphone-Flagschiffs vor - und …
LG präsentiert neue Geräte - G6 mit großem Bildschirm
Starinvestor Buffett mit Gewinnsprung
Warren Buffetts Gespür für lukrative Geldgeschäfte hat seinen Aktionären einen weiteren Milliardengewinn beschert. In seinem Brief an die Investoren macht die …
Starinvestor Buffett mit Gewinnsprung

Kommentare