Zahl der Arbeitslosen geht zurück

Nürnberg - Der Wirtschaftsaufschwung hat die Arbeitslosigkeit in Deutschland weiter unter die Drei-Millionen-Marke gedrückt. Im Juni waren nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit 2,893 Millionen Menschen ohne Arbeit.

Das waren 67.000 weniger als im Mai und 255.000 weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote ging im Vergleich zum Vormonat um 0,1 Prozentpunkte auf 6,9 Prozent zurück. Neben der guten Konjunktur habe auch die angesichts der Bevölkerungsentwicklung weiter gesunkene Zahl an Erwerbsfähigen den Arbeitsmarkt entlastet, erklärte der BA-Vorstandsvorsitzende Frank-Jürgen Weise in Nürnberg.

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sprach von einer erfreulichen Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt, mahnte aber zu weiteren Anstrengungen. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) sprach sich für mehr Zuwanderung zur Stillung des Fachkräftebedarfs aus. “Deutschland braucht auch hoch qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland“, sagte Rösler. SPD und DGB kritisierten, dass der Aufschwung größtenteils an Langzeitarbeitslosen und den über 50-Jährigen vorbei gehe.

Mehr sozialversicherungspflichtige Beschäftigung

Arbeitslosigkeit wurde nach Angaben des BA-Chefs im Vergleich zum Vorjahr vor allem im verarbeitenden Gewerbe sowie in den Branchen Handel, Bau, Transport, Information und Kommunikation sowie Finanzen und Versicherungen abgebaut. Dagegen meldeten sich in der Zeitarbeit und im Bereich Gesundheit und Soziales mehr Menschen arbeitslos. Weise erklärte das damit, dass die Zahl der Beschäftigten in diesen beiden Branchen viel höher ist als im Vorjahr. Internen Hochrechnungen der BA zufolge nahm die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im April auf 28,23 Millionen zu - das waren 680.000 Stellen mehr als im Vorjahr.

Die Zahl der Vollzeitstellen stieg um 414.000, die der Teilzeitstellen um 264.000. Letztere entstanden vor allem im Handel sowie im Bereich Gesundheit und Soziales. Weise räumte ein, dass der Jobaufbau in den vergangenen zehn Jahren in erster Linie durch befristete Stellen, Teilzeitarbeitsplätze und im Niedriglohnsektor stattgefunden habe. Zwar könne nicht gesagt werden, dass normale Arbeitsverhältnisse wegfielen - sie scheinen weiter stabil zu bestehen. Der Zuwachs an Arbeit komme aber aus diesen “atypischen Beschäftigungsformen“, sagte er.

Bundesweiter Mangel an Ärzten

Gleichzeitig gebe es in manchen Branchen bereits einen Fachkräftemangel, erläuterte BA-Vorstand Raimund Becker. Ein flächendeckender Mangel bestehe derzeit - außer in Berlin und Hamburg - bundesweit bei Ärzten. Zudem gebe es in allen Bundesländern - außer in Brandenburg - zu wenige examinierte Altenpfleger. Händeringend gesucht würden außerdem in Westdeutschland Gesundheits- und Krankenpflegefachkräfte.

Engpässe gebe es in den meisten Bundesländern auch bei Ingenieuren und Elektroberufen. An dieser Situation habe auch die seit 1. Mai bestehende volle Arbeitnehmerfreizügigkeit nichts geändert, sagte Becker. Bisher seien erst sehr wenige Menschen aus den neuen EU-Ländern nach Deutschland gekommen.

dapd

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