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Bei den großen bayerischen Autobauern Audi und BMW gilt nach wie vor Tarifbindung.

Studie

Zahl der tariflich Beschäftigten in Bayern sinkt

München - In Bayern ist die Zahl der tariflich Beschäftigten rückläufig. Immer weniger Firmen sind tariflich organisiert. Grund dafür sei die mangelnde Attraktivität von Tarifverträgen, glauben Arbeitgeber – die Gewerkschaften halten das für absurd und sehen die Tarifautonomie in Gefahr.

In Bayern ist die Zahl der tariflich Beschäftigten rückläufig. Stattdessen orientieren sich immer mehr Betriebe an den Tarifverträgen, ohne sie selbst zu unterschreiben. Dadurch sparen sie Kosten, denn im verarbeitenden Gewerbe bekommen die Beschäftigten ohne Tarif deutlich weniger Geld. Das geht aus einer Studie der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) hervor, die unserer Zeitung vorliegt.

2005 waren in Bayern noch 62 Prozent der Beschäftigten in einem Flächentarifvertrag organisiert; im Jahr 2012 waren es nur noch 52 Prozent (siehe Grafik). Damit ist der Anteil der tariflich Beschäftigten innerhalb von acht Jahren von knapp zwei Drittel auf etwa die Hälfte geschrumpft. Auch die Anzahl der tariflich gebundenen Betriebe ging im selben Zeitraum zurück. Im bundesweiten Vergleich liegt Bayern aber noch immer über dem Durchschnitt – gemessen an den westdeutschen Ländern aber im unteren Mittelfeld.

Eine Erosion der Tarifbindung sei dennoch nicht festzustellen, betont vbw-Chef Bertram Brossardt. „Wir haben eine relative Stabilität“, sagt er. „Mehr Unternehmen als früher orientieren sich an den Tarifverträgen.“ Der Tarifvertrag übernehme eine Leitfunktion. In der Summe seien nach wie vor gut 80 Prozent der Beschäftigten im Freistaat direkt oder indirekt den Verträgen unterworfen.

Warum sinkt aber die Zahl der direkt tariflich Beschäftigten, während im selben Atemzug die Zahl der Beschäftigten steigt, deren Arbeitgeber sich an den Verträgen nur orientieren? Brossardt macht die mangelnde Attraktivität der Tarifverträge dafür verantwortlich. Der Studie zufolge zahlten die Betriebe ohne Tarifbindung ihren Beschäftigten im Jahr 2012 monatlich zwischen 406 und 578 Euro weniger als Firmen mit Tarifbindung – abhängig davon, ob es sich um Facharbeiter oder ungelerntes Personal handelte. „Die Bedingungen sind so, dass die Höhe der Tariflöhne für manche Unternehmen immer schwieriger wird“, meint Arbeitgeber-Vertreter Brossardt. Dabei könnten Betriebe durchaus von Tarifverträgen profitieren: Durch die Friedenspflicht bestehe Planungssicherheit, durch zentrale Tarifverhandlungen sparten die Unternehmen Kosten. Die vbw fordert aber „atmende Verträge“ mit Öffnungsklauseln – also Klauseln, die es einzelnen Betrieben erlauben, von den Verträgen abzuweichen. Um die Tarifbindung zu stärken, sollten die Verträge wettbewerbsfähiger gestaltet werden.

„Das ist dummes Zeug“, kritisiert Bayerns IG-Metall-Chef Jürgen Wechsler diese Forderungen. Die Arbeitgeber seien selbst dafür verantwortlich, dass die Zahl der tariflich organisierten Betriebe gesunken sei, sagt er. Seit Ende der 1990er-Jahre hätten die Arbeitgeberverbände bei Unternehmen massiv dafür geworben, aus dem Tarif auszusteigen. Auch das Argument mangelnder Wettbewerbsfähigkeit von tariflich organisierten Unternehmen lasse er nicht zu: „Die wichtigsten Unternehmen wie BMW und Audi, die einem hohen internationalen Wettbewerb ausgesetzt sind, unterliegen nach wie vor der Tarifbindung“, gibt Wechsler zu bedenken. „Wir müssen uns fragen, in was für einer Gesellschaft wir leben und arbeiten wollen.“ Er warnt vor aufgeweichten Tarifverträgen und sieht dadurch die Tarifautonomie gefährdet. Denn sobald die Tarifparteien selbst nicht mehr für soziale Mindeststandards sorgten, nehme die staatliche Regulierung zu.

Von Sebastian Hölzle

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