Zahn-Tourismus mit Risiken

Zum Zahnarztbesuch ins Ausland. Die Vorstellung einer günstigen Kronen- oder Brückenbehandlung in Polen oder Tschechien klingt verlockend. Doch die Deutschen bleiben skeptisch und Versicherungsexperten warnen vor Problemen.

Für die deutschen Zahnärzte ist es eine gute Nachricht: Den meisten Patienten ist das Vertrauen zum eigenen Arzt wichtiger als eine mögliche Kostenersparnis. Nach einer aktuellen Branchenstudie ist bisher nur ein Prozent der Versicherten für eine prothetische Versorgung ins Ausland gereist. Die Mehrheit der Deutschen befürchtet dort eine schlechtere Qualität der medizinisch-technischen Versorgung und nimmt deshalb lieber höhere Rechnungen in Kauf.

Etwas größer ist das Vertrauen, wenn es um Material aus dem Ausland geht: Jeder zehnte Patient greift auf günstigere Kronen, Brücken oder Prothesen aus anderen EU-Staaten zurück. Jürgen Fedderwitz von der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) erklärt sich diese wachsende Tendenz durch ein neu eingeführtes Zuschussmodell der gesetzlichen Krankenkassen. Jeder Versicherte muss die Kosten, die über den Festbetrag hinausgehen, nun komplett selber tragen, Reduzierungen kommen ihm jedoch in voller Höhe zu Gute. „Der Patient ist dadurch kostenbewusster und der Wettbewerb auf dem Markt ist intensiver geworden.“

Dem differenzierten Angebot steht die KZBV jedoch kritisch gegenüber. Sie befürchtet, dass sich eine Art „Discountmedizin“ entwickeln könnte. Da die Material- und Lohnkosten beim Zahnersatz den Löwenanteil ausmachen, können Niedriglohnländer billiger produzieren. Die Verantwortung für die Behandlung muss der deutsche Zahnarzt jedoch alleine tragen. Klinische Studien zur Qualität der ausländischen Produkte gibt es bisher nicht. Mediziner können beim Auslandszahnersatz nur auf eine mitgelieferte Garantie vertrauen, dass alle gültigen Richtlinien und EU-Normen bei der Anfertigung eingehalten worden sind.

„Ein Risiko besteht immer, auch bei der Versorgung in Deutschland“, urteilt hingegen Markus Bogusch, Geschäftsführer des Vermittlungsservices „MJ Medical Partners“. Er leitet Patienten, die bei ihrer Zahnbehandlung mehr als die Hälfte der Kosten sparen wollen, an anerkannte Dentisten in Rumänien oder Tschechien weiter. „Die Ärzte haben einen guten Ruf, das Material ist genauso hochwertig wie in Deutschland.“ Und von der Krankenkasse gibt es für die Behandlung in einem EU-Staat denselben Zuschuss wie in Deutschland. „Wenn man sich 5000 Euro spart, ist das die Anreise wert“, ist er überzeugt. Selbst dann, wenn für eine eventuelle Nachbehandlung noch einmal ein Flug ins Ausland notwendig würde.

Denn für Folgebehandlungen beim Hausarzt muss der Patient in diesem Fall selbst aufkommen. Die Krankenkassen übernehmen zwei Jahre lang alle Nachbesserungen nur dann, wenn der Zahnersatz in Deutschland eingesetzt wurde. Genau aus diesem Grund glaubt Michael Wessels vom Verband der Ersatzkrankenkassen auch nicht daran, dass deutsche Patienten in anderen EU-Staaten wirklich billiger wegkommen. Oft spare man dabei nur auf kurze Sicht, denn aufwendige Behandlungen erfordern meist ein monatelanges Nachbehandeln. Spätestens wenn Komplikationen auftreten, werde es daher richtig teuer.

„Man kann nicht per se sagen, dass die Qualität im Ausland schlechter ist“, räumt Wessels ein. Dennoch müsse dem Patient bewusst gemacht werden, dass er das Risiko für schlampige Arbeit oder mangelhaftes Material selber tragen muss. Haftungsrechtliche Ansprüche bei Fehlbehandlungen kann er anschließend nur im jeweiligen Land durchsetzen.

Katrin Woitsch

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