Börsengang

Zalando will bis zu 633 Millionen Euro einsammeln

Frankfurt/Main - Der Online-Modehändler Zalando hat den Startschuss für seinen mit Spannung erwarteten Börsengang gegeben. Eine Aktie soll bis zu 22,50 Euro kosten.

Der Online-Modehändler Zalando ist auf Kurs für den größten Technologie-Börsengang in Deutschland seit dem Ende der Internet-Euphorie zur Jahrhundertwende. Das Berliner Unternehmen will dabei bis zu 633 Millionen Euro einsammeln, wie aus dem am Mittwochabend veröffentlichten Wertpapierprospekt hervorgeht. Das entspricht einer Bewertung von bis zu 5,6 Milliarden Euro für den Onlineversender, der sich mit schrillen Werbekampagnen („Schrei vor Glück“) und kostenlosen Retouren einen Namen machte.

Von Donnerstag an können Zalando-Aktien in einer Preisspanne von 18 bis 22,50 Euro gezeichnet werden. Den endgültigen Ausgabepreis will Zalando mit den Banken am 29. September festlegen, die Erstnotiz ist für den 1. Oktober geplant. Im Kapitalmarktumfeld hatten schon einige mit diesem Termin gerechnet.

Das Unternehmen und Vertreter der betreuenden Banken besuchen nun potenzielle Investoren in Deutschland, danach geht es nach Großbritannien und dann in die USA. Ankerinvestoren haben sich bereits Aktien im Wert von knapp 127 Millionen Euro gesichert.

Die bisherigen Aktionäre von Zalando wollen sich bei dem Börsengang nicht von Anteilen trennen. Es sollen 24 476 223 neue Aktien ausgegeben werden plus 3 671 433 Anteilsscheine für eine mögliche Mehrzuteilung für die begleitenden Banken. An der Börse soll dann ein Anteil von 11,3 Prozent am Unternehmen notiert sein.

Haupteigentümer sind die schwedische Beteiligungsgesellschaft Kinnevik mit zuletzt 35,6 Prozent sowie die Internet-Investoren Oliver, Marc und Alexander Samwer mit 16,7 Prozent. Ihre Anteile verwässern sich mit der Ausgabe der neuen Aktien. Dem Prospekt zufolge soll Kinnevik nach dem Börsengang mit voller Mehrzuteilung noch 31,57 Prozent halten und die Samwer-Brüder 14,81 Prozent.

Die begleitenden Banken rechnen mit einem großen Interesse der Investoren. „Gehen Sie davon aus, dass wir guten Zuspruch bekommen“, sagte der Leiter des europäischen Aktienemissionsgeschäfts bei Goldman Sachs, Christoph Stanger, bei der Vorstellung der Börsenpläne in Frankfurt am Donnerstag. Privatanleger könnten ebenfalls zeichnen. Da aber kein besonderer Fokus auf sie gelegt wurde, erwartet Stanger nur einen kleinen Privatanlegeranteil. Bei den jüngsten Börsengängen in Deutschland lag der Anteil meist bei höchstens drei Prozent.

Die Erlöse aus dem Börsengang sollen in das weitere Wachstum des Online-Schwergewichts fließen. Zalando will vor allem aus eigener Kraft wachsen, kann sich aber auch Zukäufe vorstellen. Besonders im Technologiebereich könnten Übernahmen interessant werden, sagte Zalando-Vorstand Rubin Ritter. Als Beispiel nannte er Anwendungen, mit denen Kunden die passende Kleidergröße errechnen könnten.

Zalando will seine Kundenbasis erweitern, die Umsätze beim einzelnen Käufer steigern und auch in neue regionale Märkte vordringen. Darüber hinaus wollen die Berliner ihr Sortiment ausbauen. „Der Fokus bleibt auf Mode und Lifestyle. Mikrowellen und Waschmaschinen werden wir nicht verkaufen“, sagte Ritter. Potenzial sieht er etwa bei Sportbekleidung für Frauen, bei Bademode und Unterwäsche. Hier zu wachsen sei durchaus aus eigener Kraft möglich.

Ritter wollte sich nicht konkret dazu äußern, wann das Unternehmen erstmals ein positives Jahresergebnis einfahren werde. Indirekt schloss er jedoch nicht aus, dass Zalando unter Umständen schon das Jahr 2014 positiv abschließen könnte, nachdem das Unternehmen im ersten Halbjahr einen Nettogewinn geschafft hatte. Das erste Halbjahr sei traditionell eher schwächer als das zweite, sagte er. „Somit werden wir sehen, wie wir uns entwickeln.“ Eine Dividende werde es aber zunächst nicht geben.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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