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Das ist der neue Zehn-Euro-Schein.

Einführung ab 23. September

Das macht den neuen Zehn-Euro-Schein besonders

München - Kräftigere Farben, wandernde Lichtbalken und erhabene Randreliefs: Die Bundesbank München hat am Dienstag die neue 10-Euro-Banknote vorgestellt.

Reiner Pillep mag Geld. Nein, nicht nur aus dem Grund, dass man sich Dinge dafür kaufen kann. Er hat auch Sinn für die Banknoten an sich. Mit erkennbarer Freude hat der Leiter der Bundesbankfiliale München am Dienstag den neuen Zehn-Euro-Schein der Presse vorgestellt: „Streichen Sie mal vorsichtig über das Relief am Rand! Spüren Sie die erhabenen Rillen!“ Ab 23. September 2014 wird der neue Zehner in Umlauf gebracht. Gerade in München ist das eine gewisse Herausforderung.

„Das ist nur drei Tage nach O’zapft is’“, sagt Sven Lilienthal, Sprecher der Bundesbankfiliale München. „Und wir wollen ja nicht, dass es am Biertisch nach der dritten Mass Meinungsverschiedenheiten gibt, ob der Schein nun echt ist.“ Deswegen sei der Bundesbank sehr daran gelegen, wenn sich bis dahin noch mehr herumspräche, dass dann auch ein etwas anders aussehender Zehner ein gültiges Zahlungsmittel ist.

So unterscheidet sich der neue Zehn-Euro-Schein vom alten

In der Tat gibt es Unterschiede. Das fängt bei der Optik an. „Die Farben sind moderner, kräftiger“, so Pillep. Berücksichtigt wurde auch, dass die EU seit der ersten Garnitur größer wurde: Bisher steht „Euro“ in zwei Alphabeten darauf (lateinisch und griechisch), künftig in drei (plus kyrillisch wegen Bulgarien). Bisher taucht das EZB-Kürzel in fünf Varianten je nach Sprache auf, künftig in neun – und zwar nicht mehr oben, sondern quer am linken Rand.

Auch zu fühlen gibt es viel. Die große Ziffer „10“ in der Mitte ist jetzt auch auf dem Papier tastbar, dazu kommt das erwähnte Randrelief aus erhabenen Rillen. Zum einen soll es Sehbehinderten den Umgang mit Geld erleichtern, zum andern Fälschern das Handwerk erschweren.

Neuer Zehn-Euro-Schein: Die linke untere Ecke ist besonders

Und es gibt noch viele andere neue Sicherheitsmerkmale, „für jedermann erkennbar“, sagt Pillep, nicht nur unter UV-Speziallampen. Stolz sind die Bundesbanker vor allem auf die „Smaragdzahl“. Die „10“ im unteren linken Eck ist künftig smaragdgrün – aber nur, wenn man von oben draufschaut. Kippt man den Schein nach hinten, wird sie blau, während ein Lichtbalken darüberwandert. „Das nachzumachen, hat noch kein Fälscher geschafft“, sagt ein Experte der Bundesbank stolz: Die gleiche Technologie wird schon beim neuen Fünfer eingesetzt, der seit Mai 2013 im Umlauf ist. Die ersten Fälschungen kursierten zwar schon im Juni 2013, aber bis heute ist kein Exemplar aufgetaucht, das die Smaragd-Kipp-Zahl hingekriegt hätte. Gut gemachte Blüten nötigen dem Experten einen gewissen Respekt ab, während er sich über Stümper belustigen kann: etwa die 300-Euro-Note oder jene, wo der Silberstreifen aus Schokoladenpapier war, auf dem sogar noch der Markenname stand.

Beim Kippen des neuen Zehners offenbaren sich allerlei weitere Finessen. So verbergen sich im Silberstreifen am rechten Rand jetzt kleine Porträts der antiken Figur Europa, inklusive leuchtendem Heiligenschein – und auch der ändert seine Farbe, wenn man den überarbeiteten Zehner bewegt.

Das läuft beim neuen Zehn-Euro-Schein besser als beim Fünfer

Und wie bringt man das neue Werk jetzt unters Volk? Pillep: „Auf den ganz normalen Wegen: über Kreditinstitute, deren Kassenschalter und Geldautomaten.“ Wobei „natürlich die gebrauchsfähigen Altbestände“ noch aufgebraucht würden, nur keine Verschwendung. Die Umstellung von Automaten soll diesmal besser funktionieren als beim neuen Fünfer: Damals gab es gerade im Fahrkartenbereich einige Automaten, die die neuen Sicherheitsmerkmale nicht erkannten oder die Noten für falsch hielten. Diesmal hat man den Herstellern die neuen Scheine neun Monate vorher zu Testzwecken zur Verfügung gestellt und nicht nur drei.

Auch andere Erfahrungswerte hat man mit dem neuen Fünfer gesammelt: „Nach drei Monaten war die Marktdurchdringung erreicht“, sagt Pillep. „Das heißt: Von den Fünf-Euro-Noten, die bei uns eingezahlt werden, war ab dann mehr als die Hälfte neu.“ Heute sind 1,023 Milliarden neue Fünfer im Umlauf und 627 Millionen alte.

Neuer Zehn-Euro-Schein ist teurer, hält aber auch länger

Das macht die Dimensionen dieser Aufgabe klar: Denn der Zehner ist noch weiter verbreitet. 2,2 Milliarden Stück sind auf dem Markt. Zur Einführung wurden mehr als vier Milliarden der Neufassung gedruckt, reservehalber, das Stück zu Herstellungskosten von acht Cent. Das ist leicht teurer als der alte Zehner, dafür soll er aber dank eines Speziallacks auch ein Viertel länger halten als die bisherige Lebensdauer von anderthalb Jahren.

Diese Investitionen zeigen auch den Glauben an die Zukunft des Bargelds. „Der Abgesang war falsch. Das Bargeld ist tot, es lebe das Bargeld“, sagt der Mann von der Bundesbank. Scheine und Münzen seien immer noch der Deutschen liebstes Zahlungsmittel, trotz ec-Karte und Internet. Heute seien mehr als doppelt so viele Banknoten im Umlauf wie bei der Euro-Einführung. Und viel lässt sich von der Menge ablesen: In der Finanzkrise wurde Bargeld gehortet. Dass die Binnenkonjunktur in Deutschland gerade tatsächlich gut ist, merken die Bundesbanker daran, dass mehr Scheine kursieren. Und selbst die Ukraine-Krise sei zu spüren, so Pillep: Weil wegen des Rubel-Verfalls nun in Russland Euro-Scheine sehr gefragt sind.

Das ist der neue Zehn-Euro-Schein: Bilder

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Anja Timmermann

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