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Gegen Tierfabriken, Schädlingsbekämpfungsmittel und Preisdruck: Zehntausende Menschen haben am Wochenende in Berlin mit einer Großdemonstration Reformen in der Agrarpolitik gefordert.

Im Berliner Regierungsviertel

Zehntausende bei Demo gegen Agrar-Industrie

Berlin - Gegen Tierfabriken, Schädlingsbekämpfungsmittel und Preisdruck: Zehntausende Menschen haben am Wochenende in Berlin mit einer Großdemonstration Reformen in der Agrarpolitik gefordert.

Zum Auftakt der Landwirtschaftsmesse Grüne Woche zogen nach Schätzungen der Veranstalter rund 25.000 Menschen durch das Regierungsviertel. Der Protestzug stand unter dem Motto „Wir haben es satt!“. 70 Traktoren aus dem ganzen Bundesgebiet begleiteten die Demonstranten.

Bauern, Verbraucher und Imker warben am Samstag gemeinsam dafür, nicht die Interessen der Industrie in den Mittelpunkt der Politik zu stellen, sondern die Interessen von Verbrauchern, Landwirten, Tieren und der Umwelt. Mit Sprechchören wie „Wer Bauern, Tiere, Bienen quält, der wird nicht gewählt!“ bekundeten sie ihre Ablehnung der gegenwärtigen Tendenz zu einer immer stärkeren Industrialisierung der Landwirtschaft.

In dem Aufruf zur Demonstration heißt es, die Spekulation mit Lebensmitteln und Land verschärfe den Hunger in der Welt. Immer mehr Getreide lande im Tank statt auf dem Teller. Bei der Bundestagswahl im Herbst stehe auch zur Abstimmung, ob es zu einer nachhaltigen Ernährungs- und Energiewende komme. „In der EU wird entschieden, ob eine bäuerlich-nachhaltige Landwirtschaft unterstützt wird, oder jährlich weitere 60 Milliarden Euro an Agrarsubventionen vor allem an die Agrarindustrie fließen.“

Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) nannte die Kritik der Demonstranten abwegig. „Wer eine Agrarwende fordert, muss sehen, was Deutschland hier schon geleistet hat: Wir sind bei der Ökologisierung der Landwirtschaft weiter als die meisten Staaten Europas“, erklärte sie.

„Politik geht den Weg der Vernichtung“

Johanna Böse-Hartje vom Bundesverband der Deutschen Milchviehhalter kritisierte, trotz massiver Proteste in den letzten Jahren habe sich an der Situation der Milchbauern nichts verbessert. „Die Politik geht den Weg der Liberalisierung, den Weg der Vernichtung bäuerlicher Betriebe weltweit.“ Nur wenn Bauern und Bürger zusammen für eine Reform der Agrarpolitik stünden, könnten Bauernhöfe endlich unter fairen Bedingungen gesunde Lebensmittel erzeugen.

Uschi Helmers von der Bürgerinitiative gegen einen riesigen Geflügelschlachthof im niedersächsischen Wietze, die zum Bündnis „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“ mit über 200 Bürgerinitiativen gehört, forderte: „Es darf den Politikern nicht egal sein, wenn ausländische Arbeiter für drei Euro fünfzig Cent Stundenlohn in deutschen Schlachthöfen ausgebeutet werden oder dass für unser Tierfutter der Regenwald in Südamerika abgeholzt wird.“

Die kirchlichen Hilfswerke Brot für die Welt und Misereor lenkten den Blick auf die Auswirkungen der EU-Agrarpolitik auf Entwicklungs- und Schwellenländer. „Die heutige Agrarpolitik Europas bedroht die Existenz vieler Bauernfamilien in den armen Ländern. Die Steigerung unserer landwirtschaftlichen Produktion und der Agrarexporte lindert den Hunger nicht, das Gegenteil ist der Fall“, erklärte Klaus Seitz, Leiter der Politikabteilung von Brot für die Welt - Evangelischer Entwicklungsdienst.

Agrarminister für Produktion vor Ort

Zum Abschluss des Internationalen Agrarministergipfels am Rande der Grünen Woche bekannten sich am Samstag Minister aus 80 Staaten zu einem entschlossenen Kampf gegen den Hunger. Sie forderten eine deutliche Steigerung der Investitionen in die Land- und Ernährungswirtschaft besonders in Entwicklungsländern. Aigner erklärte als Leiterin des Gipfeltreffens: „Hunger herrscht vor allem in ländlichen Regionen, und viele der Betroffenen sind Kleinbauern. Deswegen müssen wir bei der Landwirtschaft ansetzen - sie ist der Schlüssel zur Lösung des Problems.“ Nahrungsmittel müssten vor allem dort produziert werden, wo sie gebraucht würden.

dapd

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