BMW zeigt, dass es auch anders geht

- München/Frankfurt - Hohe Gewinne einstreichen und im gleichen Atemzug massenhaft Stellen abbauen: Das Image vieler deutscher Top-Unternehmen ist derzeit denkbar schlecht. Selbst BDI-Präsident Jürgen Thurmann ermahnte angesichts der Welle der Empörung über den kürzlich von der Deutschen Bank angekündigten Stellenabbau trotz Milliardengewinns die Unternehmenslenker, ihre soziale Verantwortung gegenüber den Beschäftigten nicht zu vergessen.

<P>"In wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist jeder Unternehmensleiter gefordert, soziale Verantwortung den Belegschaften gegenüber zu zeigen, auch der Gesellschaft gegenüber", sagte Thurmann in der ARD.<BR>Wirtschaftsminister Wolfgang Clement hält den Unternehmen hierzulande zwar zugute, dass sie sich im internationalen Wettbewerb behaupten müssen. Doch ihre Wettbewerbsfähigkeit sei so gut wie noch nie. "Die großen Unternehmen sind in einer ausgesprochen guten Gewinnsituation", betonte Clement. "Und deshalb ist es angemessen, jetzt zu sagen: Nehmt die soziale, nehmt die regionale, nehmt auch so etwas wie eine patriotische Verantwortung wahr für den Standort hier."<BR><BR>"Nehmt Verantwortung für den Standort wahr."<BR>Wolfgang Clement<BR><BR>Wenngleich sich die öffentliche Diskussion derzeit auf die Deutsche Bank eingeschossen hat: Der Branchenprimus ist nicht das einzige deutsche Unternehmen, bei dem Gewinne sprudeln und Stellen abgebaut werden. So verkündete Siemens fürs erste Quartal ein Gewinnplus von 38 Prozent und einen Gewinnsprung auf eine Milliarde Euro. Einen Tag später kündigte Deutschlands größter Elektronikkonzern den Abbau von 1250 Stellen in der Kommunikationssparte an. Wieder eine Woche später ist die Rede davon, dass auch bei der IT-Tochter Siemens Business Systems 1000 Arbeitsplätze gestrichen werden sollen. Streichkonzert auch bei der Deutschen Telekom: Der Konzern will in den nächsten Jahren offenbar rund 20 000 Stellen streichen. Nach dem Willen der Konzernführung sollen in den Jahren 2006 und 2007 jeweils 10 000 Arbeitsplätze abgebaut werden, wie bereits Ende Dezember aus Branchenkreisen verlautete. Parallel dazu will die Telekom nach Informationen von "Capital" 2006 mit 7,9 Milliarden Euro den höchsten Jahresüberschuss erzielen, den je ein deutsches Unternehmen erwirtschaftete. Gegenüber dem Jahr 2004 würde dies mehr als eine Verdoppelung des Nettogewinns bedeuten.<BR><BR>Anders dagegen BMW. Während die deutsche Autoindustrie vielerorts mit Absatzproblemen zu kämpfen hat, verkündeten die Münchner im November den höchsten Jahresgewinn ihrer Geschichte. Vor wenigen Tagen kündigte BMW für dieses Jahr einen erneuten Absatzrekord für alle drei Marken an. Und dies erreichen die Münchner Autobauer mit mehr Beschäftigten: Seit vergangenem Herbst stellten sie über 2000 Mitarbeiter zusätzlich ein. Und BMW zahlt nicht nur Löhne nach dem bayerischen Metall-Tarif - die Beschäftigten erhalten sogar mehr als 15 Monatsgehälter im Jahr.<BR><BR>Auch der Software-Konzern SAP schafft neue Jobs. Nach einem erfolgreichen Geschäftsjahr 2004 kündigte das Unternehmen kürzlich 3000 neue Jobs an, allerdings "nur" 600 davon in Deutschland.</P>

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