Zeit des billigen Geldes geht zu Ende

- Frankfurt - Die Zeit des billigen Geldes geht weltweit zu Ende. In Amerika liegt der Leitzins bereits bei fünf Prozent, in Japan dreht sich die Zinsschraube und auch in Europa schlägt die Europäische Zentralbank (EZB) seit Ende 2005 eine härtere Gangart an. Die Währungshüter wollen mit höheren Zinsen die Inflation bekämpfen. Hohe Energiepreise heizen die Teuerung an.

Vom robusten Konjunkturwachstum geht ebenfalls Inflationsgefahr aus, weil Unternehmen bei den immer noch günstigen Krediten verstärkt investieren und so immer mehr Geld in den Umlauf gepumpt wird. Selten waren sich die Ökonomen so einig, dass die EZB deshalb morgen (8. Juni) auf ihrer Sitzung in Madrid den Schlüsselzins anheben wird. Die Mehrheit der Volkswirte rechnet mit einer kleinen Zinserhöhung von 2,50 auf 2,75 Prozent.

Ein großer Zinsschritt von einem halben Prozentpunkt scheint nicht ausgeschlossen, weil die Stimmungsumfragen bei Unternehmen und Verbrauchern zuletzt überraschend gut ausgefallen sind und die Kreditvergabe zweistellig wächst. Gegen einen großen Schritt spricht aber die jüngste Aufwertung des Euro auf Kurse knapp unter 1,30 US-Dollar, die den Export und damit das Wirtschaftswachstum dämpft. Die Notenbank würde mit einem überraschend großen Schritt eine weitere Aufwertung des Euro gegenüber dem Dollar riskieren.

Unumstritten ist jedoch, dass der Schlüsselzins weiter steigen muss. Denn die Inflationsrate im Euroland ist im Mai auf 2,5 Prozent gestiegen und war damit ebenso hoch wie der EZB-Leitzins. Damit liegt der Zins inflationsbereinigt bei null Prozent. Zudem überschreitet die Teuerung die entscheidende Schwelle von zwei Prozent, die die EZB als Preisstabilität definiert hat. Bis Jahresende wird der Leitzins nach einhelliger Meinung auf 3,25 Prozent klettern. Voraussichtlich bleibt die EZB bei ihren mäßigen Zinsschritten, sie wird sich aber beeilen und schon im Herbst statt erst 2007 den Höhepunkt erreichen. Eile ist geboten, weil die Geldpolitik mit erheblicher Zeitverzögerung von etwa einem halben Jahr wirkt.

Der personelle Wechsel in der EZB-Spitze wird voraussichtlich keinen Kurswechsel in der Geldpolitik bedeuten. Morgen wird erstmals der ehemalige Bundesbank-Vize Jürgen Stark die Entscheidung des EZB-Rats vorbereiten. Der 58-Jährige tritt in die Fußstapfen Otmar Issings, der ebenfalls einen harten Kurs vertreten hat.

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