Zeit der Niedrigzinsen geht zu Ende

- München - England und Australien haben das Signal gesetzt: Die Zeit der Niedrig-Zinsen geht zu Ende. Nachdem die Tendenz jahrelang abwärts zeigte, haben die dortigen Zentralbanken den Leitzins heraufgesetzt. Bis sich diese Entwicklung auch auf den Euroraum und die USA überträgt, wird nach Einschätzung von Experten noch einige Zeit vergehen. Private Kreditnehmer bekommen die anziehenden Zinsen aber schon jetzt zu spüren.

<P>Erstmals seit vier Jahren erhöhte die Bank of England den Leitzins - um 0,25 Punkte auf 3,75 Prozent. Die Notenbank in Australien machte einen ebensolchen Schritt auf 5,0 Prozent. Das Zinsniveau zeigt: Beide Länder bewegen sich auf einer anderen Ebene als die USA und der Euro-Raum. Australien verzeichnet die niedrigste Arbeitslosigkeit seit 22 Jahren und Großbritannien litt kaum unter der Weltwirtschaftsrezession. </P><P>Dennoch passt der Bau einer Zinsstufe nach oben ins Gesamtbild. Rätselten Marktbeobachter vor wenigen Monaten noch, ob die Zinsen in den USA und im Euro-Raum noch weiter sinken könnten, steht inzwischen die Frage im Raum, wann es wieder rauf geht mit den Prozenten. Die US-Notenbank Fed hat die "Federal Funds Rate" derzeit bei 1,0 Prozent angesetzt - so tief wie seit 45 Jahren nicht mehr. </P><P>Die Europäische Zentralbank (EZB) hält die Finanzierungskonditionen auf 2,0 Prozent - dem niedrigsten Stand seit Einführung des Euro. "Selbst wenn eine Anhebung erfolgt, liegen die Zinsen immer noch auf historisch niedrigem Niveau", sagt Nikolaus Keis von der HypoVereinsbank. Doch damit dürften sich die Notenbanken Zeit lassen.<BR><BR>"Die Fed wird wohl als erste die Zinsen erhöhen. Wir rechnen mit einem Schritt etwa im Februar oder März", erklärt Keis. Die EZB werde im zweiten Halbjahr 2004 nachziehen. "Erst wenn die Arbeitslosigkeit in den USA deutlich sinkt, wird die Fed überlegen, die Zinsen anzuheben", urteilt auch Jürgen Pfister, Chefvolkswirt der Bayerischen Landesbank. Das könne im Frühjahr oder Sommer nächsten Jahres so weit sein. "Die EZB wird spätestens nach der Sommerpause im August oder September den ersten Schritt machen."<BR><BR>Während niedrige Leitzinsen den Banken eine günstige kurzfristige Finanzierung erlauben, kommt es für Anleger und Bauherren in der Regel auf die langfristigen Zinsen an. "Am langen Ende haben wir die Zinswende schon hinter uns", sagt Pfister. Für zehnjährige Staatsanleihen prognostiziert die Landesbank für die kommenden zwölf Monate einen Anstieg der Zinsen von derzeit 4,5 auf 4,8 Prozent. Beim Baugeld läuft derzeit eine Erhöhungswelle. </P><P>Die Wüstenrot-Bank erhöhte jetzt den Zinssatz von Darlehen mit fünfjähriger Bindungsfrist von nominal 4,65 auf 4,85 Prozent, der Baufinanzierer BHW hob den entsprechenden Zins auf 4,72 Prozent an. Und die Tendenz geht weiter nach oben. "Für jemand, der eine Immobilie zu finanzieren hat, gilt aber, dass wir im Vergleich immer noch ein sehr günstiges Zinsniveau haben", sagt Joachim Klein von der LBS Bayern. Die niedrigsten Zinsen aber gibt es wohl nicht mehr.<BR><BR>EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hält am historisch niedrigen Leitzins fest. Aber wie lange noch? Die nächste Stufe der Zinstreppe wird wohl wieder nach oben führen.</P>

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