Europäische Zentralbank

Zeit der Zins-Schnäppchen noch nicht vorbei

Frankfurt - Die Europäische Zentralbank hat den Leitzins für den Euroraum angesichts der schweren Wirtschaftskrise auf den niedrigsten Stand seit fünfeinhalb Jahren gesenkt.

Die Währungshüter verringerten den Zinssatz um 50 Basispunkte auf 2 Prozent. Zuletzt hatte der Leitzins im Juni 2003 bei zwei Prozent gelegen.

Nach vier Zinssenkungen in Folge hat EZB-Präsident Jean-Claude Trichet den nächsten Zinsschritt für März angedeutet. Die Februar-Sitzung des EZB-Rates sei bereits in drei Wochen, er glaube nicht, dass das eine wichtige Sitzung werde, sagte Trichet: "Die nächste wichtige Sitzung ist die im März." Dann lägen der Notenbank neue Informationen zur Wirtschaftsentwicklung und den Inflationserwartungen für den Euroraum vor. Die gestrige Entscheidung, den Leitzins um 50 Basispunkte auf 2,0 Prozent zu senken, berücksichtige die Erwartung, dass das Wirtschaftswachstum schwach bleibe.

Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zu den Folgen der Zinssenkung:

  • Welche Auswirkungen haben die drastischen Zinssenkungen der vergangenen Monate durch die Europäische Zentralbank für Sparer?

    "Die Tendenz bei den Zinsen für Tages- und Festgeld geht mittlerweile eindeutig nach unten", sagt die Finanzexpertin der Verbraucherzentrale, Sylvia Beckerle. Seien hier im letzten Jahr noch Zinskonditionen von vier bis fünf Prozent möglich gewesen, lägen sie jetzt im Schnitt bei drei bis vier Prozent. Eine unmittelbare Wirkung der Leitzinssenkung sei in den vergangenen Monaten zunächst ausgeblieben, weil sich die Banken auch weiterhin untereinander kein Geld geliehen und daher vor allem auf ihre Sparer gebaut hätten. Nun zeigten offenbar die ersten staatlich garantierten Anleihen ihre Wirkung und der Bankenmarkt normalisiere sich langsam wieder, meint Thomas Bieler von der Verbraucherzentrale in Nordrhein-Westfalen.
  • Ist die Zeit der Zins-Schnäppchen damit endgültig vorbei?

    Nein. Trotz Leitzinssenkung gebe es noch immer gute Angebote vor allem von einigen ausländischen Banken, erklären die Finanzexperten. Hier raten die Verbraucherschützer aber, sich genauestens über die Art und den Umfang des Einlagensicherungsfonds zu informieren. Auch manche Autobanken würden bei Festgeldern mit einjähriger Laufzeit noch immer mit einem Zinssatz von über fünf Prozent werben. "Weil gerade Autobanken ihre Kerngeschäftsfelder weggebrochen sind, bleibt ihnen derzeit fast nichts anderes übrig, als auf diese Weise Kunden zu locken", sagt Beckerle.
  • Wie sieht die Situation bei Krediten aus?
    Anders als normalerweise beim Dreh an der Zinsschraube zu erwarten wäre, sind Raten- und Überziehungskredite nicht billiger geworden - im Gegenteil. Einige Anbieter hätten die Zinsen für den Dispokredit seit Juni vergangenen Jahres um rund 0,5 Prozentpunkte auf über 14 Prozent angehoben, sagt "Finanztest"-Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen. Auch bei Ratenkrediten sind die Zinsen laut Verbraucherschützer Bieler seit Dezember um fünf bis zehn Basispunkte nach oben gegangen. "Die Banken haben längst gemerkt, dass vor allem hier die dicksten Margen zu holen sind", sagt Bieler.
  • Wie entwickelten sich die Zinsen für Baufinanzierer seit der Senkung der Leitzinsen?
    Das Zinsniveau in der Baufinanzierung ist bereits seit Monaten sehr niedrig - und wird voraussichtlich noch weiter fallen. Hypothekendarlehen mit zehnjähriger Zinsbindung seien von Oktober bis Dezember von 5,15 auf 4,51 Prozent gefallen, sagt Verbraucherschützerin Josephine Holzhäuser von der Verbraucherzentrale. "Wenn Häuslebauer jetzt ordentlich recherchieren und Angebote vergleichen, lohnt sich das bei diesem guten Marktumfeld mit Sicherheit", erklärt sie.
  • Sollte man bei sinkenden Leitzinsen in Aktien investieren?
    Experten raten angesichts des stark schwankenden Börsenmarkts davon ab. Normalerweise hätten Leitzinssenkungen einen positiven Effekt auf den Aktienmarkt, weil Unternehmen wieder mehr investierten, sagte Marco Cabras von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Derzeit sei aber nichts wirklich sicher. Auch Bieler rät: "Wer nicht zocken oder spekulieren will, ist mit Tages- und Festgeld trotz sinkender Zinsen noch immer besser bedient als mit Fonds oder Zertifikaten."

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