Zeitung: Allianz hat beste Chancen auf Postbank - "Spekulation"

München/ Berlin - Im Rennen um eine Übernahme der Postbank zeichnen sich laut einem Bericht des "Handelsblatts" für die Allianz die besten Chancen ab. Der Münchner Finanzkonzern mit seiner Tochter Dresdner Bank habe beim Mehrheitseigner Post und in Teilen der Bundesregierung derzeit "die besten Karten", berichtet die Zeitung (Dienstag) unter Berufung auf Finanzkreise. Zudem sei die Allianz Wunschpartner der Postbank.

Bei dem Versicherungskonzern war dazu am Dienstag keine Stellungnahme zu erhalten. "Das kommentieren wir nicht", sagte ein Allianz-Sprecher. Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums bezeichnete den Bericht als "reine Spekulation". Es gebe keine festgelegte Position des Ministeriums.

Die Aktien von Allianz und Postbank legten am Dienstag angesichts der Spekulationen und in einem für Bank- und Finanztitel insgesamt positiven Börsenumfeld kräftig zu. Zum Mittag notierten Allianz- Papiere um gut 6,5 Prozent im Plus bei mehr als 120 Euro. Auch Postbank-Titel gewannen fast 6 Prozent hinzu und standen zeitweise bei 61,50 Euro.

Bereits seit Monaten wird spekuliert, dass die Postbank  - die nach Kundenzahl größte private Bank Deutschlands - verkauft werden oder mit einer anderen Bank fusionieren könnte. Bei einem Zusammenschluss von Dresdner und Postbank entstünde mit rechnerisch 21 Millionen Kunden die mit Abstand größte Filialbank in Deutschland. Allerdings sei noch keine Entscheidung gefallen, hieß es in dem Bericht. Als sicher gelte, dass der Bund die entscheidende Rolle spielen werde, wenn es um den Zuschlag geht, da er der größte Einzelaktionär der Deutschen Post ist. Auch die Dresdner Bank lehnte eine Stellungnahme dazu am Dienstag ab.

Ein Sprecher der Postbank in Bonn wollte den Bericht ebenfalls nicht kommentieren. Der Prozess sei noch "sehr am Anfang".

Einen Zeitplan für einen möglichen Verkauf der Postbank gibt es nicht. Aber in der Führung von Post und Postbank wünscht man sich angesichts der Unsicherheiten über die Zukunft des Geldinstituts eine möglichst rasche Entscheidung.

Die Allianz könnte mit einer Übernahme der Postbank ihre Tochter Dresdner Bank stärken und sich eine weitere Absatzplattform für Versicherungsprodukte verschaffen. Im vergangenen Jahr hatte die Dresdner unter den Folgen der weltweiten Kreditkrise gelitten. So halbierte sich der operative Gewinn der Bank wegen einer Milliarden- Abschreibung 2007 auf nur noch 730 Millionen Euro. Allianz-Chef Michael Diekmann hielt sich im Februar bei der Bilanz-Pressekonferenz des Konzerns zwar zum Thema Postbank bedeckt, räumte aber ein: "Wir sind Marktteilnehmer und werden uns mit dem Thema auseinandersetzen."

In dem "Handelsblatt"-Bericht hieß es, bis vor einigen Wochen habe das Finanzministerium noch die Commerzbank favorisiert. Mittlerweile werde aber vermehrt die Frage gestellt, ob die Nummer zwei des Marktes vor dem Hintergrund der Finanzkrise einen Kauf der Postbank stemmen könne, hieß es. Zudem bestehe bei Post und Bund die Sorge, dass ein fusioniertes, großes Privatkundeninstitut selbst zum Ziel eines ausländischen Instituts werden könnte. Die Commerzbank koste an der Börse aktuell gut elf Milliarden Euro und werde damit kaum höher bewertet als die Postbank. Die Allianz komme auf über 50 Milliarden Euro Börsenkapitalisierung.

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