Zeitung: USA planen umfassende Reform der Finanzaufsicht

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Washington (dpa) - Als Konsequenz aus der Finanzkrise will die US- Regierung nach einem Zeitungsbericht die Banken- und Finanzaufsicht umfassend reformieren.

Im Kern solle dabei die US-Notenbank weit größere Vollmachten erhalten, um die Stabilität der Finanzmärkte zu gewährleisten, wie die "New York Times" am Samstag berichtete. Dem Plan zufolge kann die Federal Reserve künftig die Praktiken bis hin zur internen Buchführung von Investmentbanken, Hedge-Fonds oder Rohstoff-Börsen unter die Lupe nehmen, sollten sie eine Gefahr für das Finanzsystem darstellen.

Finanzminister Henry Paulson will die Vorschläge den Angaben zufolge am Montag offiziell vorstellen. Ein Großteil der Pläne müsste aber von US-Kongress genehmigt werden.

Vorgesehen ist nach dem Zeitungsbericht auch, die derzeit zersplitterte US-Finanzaufsicht zu konsolidieren. So soll es beispielsweise künftig nur noch eine Bundesbehörde zur Bankenregulierung geben statt wie bisher fünf. Auch plane die Regierung, die US-Börsenaufsicht SEC mit der Aufsichtsbehörde für den amerikanischen Terminhandel zu verschmelzen.

Am Montag wird Finanzminister Paulson nach der Zeitung vorliegenden Redeauszügen erläutern: "Ich glaube nicht, dass zusätzliche Regulierung die Antwort ist, oder das effektivere Regulierung Finanzmarktturbulenzen, wie sie alle fünf bis zehn Jahre vorkommen, verhindern kann." Allerdings sollte es eine Aufsichtsstruktur für die Finanzindustrie geben, "die der Welt entspricht, in der wir leben und die flexibler ist."

Die Finanzkrise hat ihren Ursprung im Niedergang des US-Immobilienmarktes. Zahlreiche Hauskäufer hatten trotz ihrer geringen Kreditwürdigkeit Hypotheken erhalten, deren zunächst niedrige Zinsen später steigen. Die Banken verkauften die sogenannten sub prime-Kredite an den Kapitalmarkt, wo sie gebündelt und weiterveräußert wurden. Als die Hausbesitzer angesichts fallender Immobilienpreise und steigender Zinsen ihre Hypotheken nicht mehr bedienen konnten, brach der Markt mit den gebündelten Papieren zusammen. Die Verluste werden auf mehrere hundert Milliarden US-Dollar geschätzt.

In der Folge kam es auch zu einer Vertrauenskrise in der Finanzindustrie. Der Kreditstrom zwischen den Banken versiegte. Die Federal Reserve pumpte bislang nicht nur mehr als 400 Milliarden Dollar (258 Mrd Euro) Liquidität in den Markt, sondern öffnete in einem historischen Schritt ihr Diskont-Kreditprogramm, das bislang nur Geschäftsbanken zur Verfügung stand, auch Investmentbanken.

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