+
Die Skyline von Frankfurt: Hochhäuser der Banken.

Es geht um 10 Milliarden Euro

Zeitung: Steuerfahnder ermitteln gegen hunderte Banken

München - Laut einem Medienbericht ermitteln derzeit deutsche Steuerfahnder gegen hunderte Banken und Fonds wegen Steuerhinterziehung. Konkret geht es um Cum-ex-Geschäfte.

Deutsche Steuerfahnder haben einem Zeitungsbericht zufolge belastendes Material über mehr als hundert Banken und Fonds gesammelt, die den Fiskus mit dubiosen Aktiengeschäften um mehr als zehn Milliarden Euro betrogen haben sollen.Wie die "Süddeutsche Zeitung" am Montag berichtete, drohen etlichen Geldinstituten Razzien, wenn sie nicht Selbstanzeige erstatten. Es soll demnach um sogenannte Cum-ex-Geschäfte gehen. Ermittelt werde wegen Steuerhinterziehung.

Die Banken und Fonds sollen in großem Stil die Cum-ex-Geschäfte getätigt haben: Sie kauften und verkauften unmittelbar um einen Dividendenstichtag in Leerverkäufen Aktien mit (cum) und ohne (ex) Dividendenanspruch und ließen sich eine nur einmal gezahlte Kapitalertragssteuer von den Finanzämtern mehrmals erstatten. Der Fiskus prüft bundesweit bereits diverse Fälle, bei denen sich Banken und Fonds laut "SZ" Kapitalertragssteuer in Höhe von rund 2,5 Milliarden Euro offenbar zu Unrecht erstatten lassen wollten oder das Geld sogar erhielten.

Über die Jahre hinweg soll der Staat insgesamt um mehr als zehn Milliarden Euro erleichtert worden sein, wie die Zeitung schrieb. Als erstes Geldinstitut hatte die Hypo-Vereinsbank demnach ein Geständnis abgelegt, zusammen mit einem Geschäftspartner Schäden in Höhe von mehr als 200 Millionen Euro wiedergutgemacht sowie ein Bußgeld von 9,8 Millionen Euro gezahlt.

Die neuen Fälle stammen dem Bericht zufolge von einer Steuersünder-CD, die das Land Nordrhein-Westfalen kürzlich für fünf Millionen Euro gekauft hatte. Die Datensätze werden von NRW demnach gerade bundesweit an die örtlich zuständigen Steuerfahndungen verteilt, damit diese dann zugreifen können. Im Verlauf des kommenden Jahres sei mit Durchsuchungen zu rechnen - es sei denn, die verdächtigen Geldinstitute zeigen ihre Aktiendeals dem Fiskus selbst an.

Das Finanzministerium in Düsseldorf war am Montag zunächst nicht zu einer Stellungnahme bereit. Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) sagte der "Süddeutschen Zeitung", die Steuerfahndungen in Nordrhein-Westfalen und anderen Bundesländern würden "die neuen Indizien konsequent und zügig für ihre Ermittlungen nutzen". Für die Banken sei es daher "höchste Zeit zu handeln". Durch Kooperation mit den Behörden sollten sich die betroffenen Geldinstitute "wenigstens im Nachhinein vom Betrug an der Allgemeinheit verabschieden".

AFP

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Italien stellt weitere Milliarden für Pleite-Banken bereit
Milliarden hat der italienische Staat bereits in marode Geldhäuser gesteckt. Die Europäische Zentralbank hat nun genug - und trifft eine wichtige Entscheidung. Ein Plan …
Italien stellt weitere Milliarden für Pleite-Banken bereit
Bericht: Bosch drohte mit Arbeitsstopp auf BER-Baustelle
Berlin (dpa) - Der Bosch-Konzern hat laut einem Bericht der "Bild am Sonntag" der BER-Flughafengesellschaft gedroht, die Zusammenarbeit zu beenden. In einem Brief vom …
Bericht: Bosch drohte mit Arbeitsstopp auf BER-Baustelle
Müllmänner in Griechenland streiken - Gesundheitsgefahren befürchtet
In Athen türmen sich die Müllberge, weil die Arbeiter streiken. Die Hitzewelle erhöht das Risiko für die Ausbreitung von Krankheiten, warnt das Gesundheitsministerium.
Müllmänner in Griechenland streiken - Gesundheitsgefahren befürchtet
Mit diesem Trick will Amazon das Rücksende-Problem lösen 
Online-Shopping wird immer beliebter, aber Rücksendungen werden zunehmend zum Problem. Amazon hat sich nun einen Trick überlegt, von dem auch Kunden in Deutschland …
Mit diesem Trick will Amazon das Rücksende-Problem lösen 

Kommentare