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Die Netzbetreiber mussten zusätzliche Stromlieferungen an der Strombörse und im Ausland beschaffen. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert

Nachbarn mussten helfen

Zeitweise zu wenig Strom im deutschen Netz

Im Stromnetz müssen sich Erzeugung und Verbrauch die Waage halten. Dieses Gleichgewicht war an drei Juni-Tagen erheblich gestört. Ein sogenannter Blackout hat aber nicht gedroht.

Essen (dpa) - Das Stromnetz in Deutschland ist an mehreren Tagen im Juni in eine kritische Situation geraten, weil zeitweise weniger Strom produziert wurde als benötigt.

Ein großflächiger Stromausfall hat nach Einschätzung der Bundesnetzagentur aber nicht gedroht. "Es bestand keine Gefahr für die sichere Stromversorgung in Deutschland", teilte ein Behördensprecher in Bonn mit.

Die Gründe für das starke Ungleichgewicht zwischen Erzeugung und Verbrauch seien noch nicht eindeutig geklärt. Auch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) betonte: "Die Netz- und Versorgungssicherheit ist und war gewährleistet."

Die Übertragungsnetzbetreiber Amprion, Tennet, 50Herz und TransnetBW teilten mit: "Die Lage war sehr angespannt und konnte nur mit Unterstützung der europäischen Partner gemeistert werden."

Am 6.und 12. Juni sowie am vergangenen Dienstag habe die zu geringe Stromeinspeisung in das deutsche Netz "jeweils zu einem Absinken der Netzfrequenz im gesamten europäischen Verbundnetz geführt". Zuvor hatten die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" und der Branchendienst "Energate Messenger" berichtet.

Verantwortlich für die Stabilität der Stromversorgung sind die Übertragungsnetzbetreiber. Sie müssen dafür sorgen, dass genau so viel Strom eingespeist wird, wie auch genutzt wird. Schwankungen gleichen sie mit Hilfe der für den Notfall vorgesehenen Regelenergie aus.

An den drei Tagen im Juni habe der Bedarf an dieser Regelenergie im Schnitt mehr als 6 Gigawatt betragen. Das sei doppelt so viel gewesen wie vertraglich bereitgestanden habe. "Diese Ereignisse waren sehr ungewöhnlich, aber wir haben sie beherrscht", sagte eine Sprecherin des Netzbetreibers Tennet.

Um das Ungleichgewicht zwischen Erzeugung und Verbrauch zu schließen, mussten die Netzbetreiber zusätzliche Kapazitäten beschaffen. Neben Lieferungen aus dem Ausland sei zusätzlicher Strom an der Börse beschafft worden.

Auch auf Angebote von Unternehmen, ihren Stromverbrauch gegen Bezahlung abzuschalten, habe man zurückgegriffen, sagte die Tennet-Sprecherin. Das seien festgelegte Prozesse, die gegriffen hätten. Die Kosten für die Notmaßnahmen landen über die Netzentgelte bei den Stromkunden.

Als Konsequenz aus den Engpässen haben die Netzbetreiber inzwischen die ausgeschriebene Menge der Stromreserve zur Netzstabilisierung erhöht. Dieser Schritt sei vorgezogen worden, sagte die Tennet-Sprecherin. Die erhöhte Nachfrage führte zeitweise zu heftigen Kursausschlägen an der Strombörse. Mittlerweile beobachte man aber wieder eine Normalisierung, sagte die Sprecherin.

Bundesnetzagentur und Übertragungsnetzbetreiber wollen jetzt klären, wie es zu der Unterversorgung beim Strom gekommen ist. Das werde aber einige Zeit dauern.

Die dafür notwendigen Daten würden erst in einigen Wochen vorliegen, hieß es von Seiten der Netzbetreiber. Marktteilnehmer sehen in ungenauen Verbrauchs- und Erzeugungsprognosen einen Grund für die Probleme. Die Stromhändler hätten deshalb zu wenig Strom geordert und sich darauf verlassen, dass genügend Regelenergie vorhanden sei.

Altmaier sagte, die Versorgungssicherheit in Deutschland sei hoch und liege im internationalen Vergleich weiterhin vorn. "Während in Deutschland der Wert der durchschnittlichen Versorgungsunterbrechung bei 15 Minuten liegt, liegt er in Italien bei 40 Minuten, in Frankreich bei 50 Minuten, in Großbritannien bei 53 Minuten, in den USA bei 114 Minuten und in Kanada bei 306 Minuten."

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