Zerrupfte Braut Pro-Sieben-Sat.1 wird für Hochzeiter herausgeputzt

- München - Nach der gescheiterten Übernahme durch den US-Milliardär Haim Saban soll Deutschlands größter TV-Konzern Pro-Sieben-Sat.1 jetzt für neue Bewerber herausgeputzt werden. "Pro-Sieben-Sat.1 ist derzeit eine etwas zerrupfte Braut", heißt es in Gläubigerkreisen. Damit diese wieder interessant werde, müsse ihr eine Schönheits-Kur verpasst werden. Die Voraussetzung dafür soll am kommenden Montag auf der Hauptversammlung geschaffen werden.

<P>Nach dem Zusammenbruch des Kirch-Imperiums sollte der Großteil der insolventen Kirch Media zunächst an den Bauer-Verlag verkauft werden. Saban überbot in letzter Minute und bekam doch noch den Zuschlag. In der vergangenen Woche wurde die milliardenschwere Übernahme aber abgesagt.</P><P>Für Pro-Sieben-Sat.1, derzeit ohnehin von der Werbekrise schwer getroffen, war das ein Wechselbad der Gefühle. War das Unternehmen zunächst mit der Bauer-Lösung hoch zufrieden, wurde später Saban als Wunsch-Partner tituliert. In der vergangenen Woche nun begrüßte das Unternehmen auch den neuen Alternativ-Plan einer Übergangslösung mit Unterstützung der Banken. "Wichtig ist jetzt vor allem, dass Ruhe ins Unternehmen kommt", heißt es in Firmenkreisen. Die Verunsicherung bei den Mitarbeitern sei verständlicherweise groß. Aus diesem Grunde, heißt es bei einer Gläubigerbank, werde man nach dem gescheiterten Saban-Deal jetzt auch nicht gleich in die nächste Bieter-Runde einsteigen.</P><P>Ein Verkauf an einen Investor könne dann vielleicht in einem halben Jahr, möglicherweise aber auch erst in zwei Jahren erfolgen. "Es haben sich schon ausländische Investoren gemeldet."</P><P>Die Anteilseigner sollen zunächst einmal ein so genanntes genehmigtes Kapital schaffen und so die geplante Kapitalerhöhung möglich machen. Die Besitzer der an der Börse gehandelten Vorzugsaktien dürfen dabei allerdings nicht mitstimmen. Das Unternehmen kann nach der Zustimmung der Stammaktionäre gut 97 Millionen neue Aktien ausgeben. Damit könnten Pro-Sieben-Sat.1 beim derzeitigen Kurs theoretisch bis zu 475 Millionen Euro zufließen. Tatsächlich dürfte das Volumen aber eher bei 200 bis 300 Millionen Euro liegen. Das Geld könnte etwa zur Hälfte die insolvente Kirch Media beisteuern. Die Kirch Media sei daran interessiert, die Mehrheit zu behalten und ihren Anteil nicht zu verwässern, verlautete aus Finanzkreisen. </P><P>Die andere Hälfte sollen die Banken bezahlen. Dadurch werden die Kreditinstitute direkt zu Anteilseignern. Sie könnten zusammen auf eine Beteiligung zwischen 10 und 20 % kommen. "Für die Banken ist das aber ein reines Finanzinvestment, sie wollen nicht unternehmerisch tätig werden", heißt es in Gläubigerkreisen. Das könne aber ein gutes Investment sein. Wenn sich die Finanzstruktur von Pro-Sieben-Sat.1 verbessere, werde auch der momentan darnieder liegende Aktienkurs wieder auf die Beine kommen. Wenn dann schließlich ein neuer Besitzer gefunden sei, könnten die Banken ihre Anteile versilbern, wird gehofft.<BR>Pro-Sieben-Sat.1-Chef Urs Rohner begrüßte bislang noch jede Lösung für sein Unternehmen.<BR></P>

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