Zerschlagung von ProSiebenSat.1: Anleger warnen vor Geldvernichtung

- München - Die vom Springer-Verlag angebotene Zerschlagung der Münchner TV-Gruppe ProSiebenSat.1 stößt auf harte Kritik. "Fünf Sender mit starken Synergien unter einem Dach, das ist der strategische Wert der Gruppe", betonte ein intimer Kenner des TV-Konzerns. Ausgerechnet den als Perle geltenden Sender ProSieben herauszulösen sei zerstörerisch. Der Schritt gefährde die Existenz anderer Sender wie des Nachrichtenkanals N24.

Um die massiv gefährdete Übernahme der TV-Gruppe doch noch zu retten, hat Springer-Chef Mathias Döpfner dem Bundeskartellamt angeboten, den Sender ProSieben separat zu verkaufen und nur die Schwestersender Sat.1, Kabel 1, N24 und Neun Live zu behalten. Das Kartellamt hat signalisiert, dass ein Zusammenschluss von Springer mit dem TV-Konzern genehmigungsfähig wäre, wenn der Sender ProSieben zuvor verkauft wird.

In einem solchen Fall "wird mit Sicherheit viel Geld vernichtet", kritisiert indessen der Vorstand der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger, Klaus Schneider. Erst wurde die Sendergruppe ProSiebenSat.1 über Jahre fusioniert, nun müsste sie unter einem enormen Aufwand wieder entflochten werden. "Und das nur, um Döpfners Ehrgeiz zu befriedigen", wetterte Schneider. Ein Veto seitens Vorzugsaktionären sei rechtlich nicht möglich. "Man kann nur dabeistehen und sich ärgern", meinte er.

Börsianer sehen das ähnlich. "Ich bin überrascht", beschied Sonja Rabussier, Analystin beim Bankhaus Sal. Oppenheim. ProSieben sei der profitabelste Sender der Münchner TV-Gruppe. Ihn verbänden "riesige Synergien" mit Sat.1 beim Rechteeinkauf und der Werbung, die durch eine Trennung vernichtet würden. Vorzugsaktionären von ProSiebenSat.1 rät sie wegen der Gefahren zum raschen Verkauf. Denn die zuletzt bei knapp 17 Euro notierende Aktie werde wohl zügig in Richtung der 14,10 Euro fallen, die Springer als Übernahmepreis angeboten hat. In der Tat gab das Papier gestern im Tagesverlauf gegen den Trend auf rund 16,50 Euro nach.

Auch Insider bei ProSiebenSat.1 verweisen auf Schwierigkeiten. So lägen die Sendelizenzen für Spielfilme bei der Zentralholding. Bei einer Trennung der beiden Hauptsender ProSieben und Sat.1 sei ein Streit über die für beide existenziellen Senderechte programmiert. Wer dabei das Nachsehen habe, müsste eine erhebliche finanzielle Kompensation erhalten. "Wie sich das alles rechnen soll, ist völlig unverständlich", meinte ein Vertrauter des Managements von ProSiebenSat.1.

Die Münchner TV-Gruppe sei an den Besprechungen über einen möglichen Verkauf des Senders ProSieben nicht beteiligt gewesen und auch nicht näher darüber informiert worden, teilte sie mit. Man werde die Pläne prüfen, sobald sich Springer oder das Kartellamt erklären. Das Ergebnis dieser Prüfung dürfte aber angesichts der Argumente gegen eine Zerschlagung feststehen. Nicht nur Rechteeinkauf und Werbung seien betroffen, heißt es bei der TV-Gruppe. Der gesamte Konzern von Buchhaltung über Controlling und Finanzierung bis zur Personalabteilung sei zentralisiert.

Ungeachtet dessen wird über mögliche Käufer des Senders ProSieben spekuliert. Hilfe vom verkaufswilligen Noch-Eigner, dem US-Milliardär Haim Saban und dessen Partner, kann ProSiebenSat.1 indessen nicht erwarten. Dieser wolle die TV-Gruppe nach wie vor komplett für 2,5 Milliarden Euro an Springer verkaufen, stellte ein Sprecher klar.

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