Zertifikate büßen Attraktivität ein

- Die Bedeutung von Zertifikaten hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Mittlerweile gibt es in Deutschland mehr als 45 000 Produkte ­- Tendenz steigend. Etwa sechs Prozent der Anleger investieren derzeit ihr Geld in dieser Anlageform und Experten gingen bislang davon aus, dass sich die Nachfrage deutlich ausweiten wird. Doch nun dürfte die Abgeltungssteuer dem Boom einen Dämpfer versetzen. Sie schmälert die Attraktivität von Zertifikaten zum Teil erheblich.

Serie Abgeltungssteuer: Geldanlagen im Vergleich

Was sind Zertifikate?

Zertifikate sind rechtlich gesehen Schuldverschreibungen. Der Anleger leiht dem Emittenten (zumeist Banken) Geld. Die Rückzahlung ist an ein Ereignis gekoppelt. Beispiel: Wer sich ein Indexzertifikat auf den Dax kauft, erhält bei einem Indexanstieg um zehn Prozent bei Laufzeitende sein eingesetztes Kapital plus zehn Prozent zurück.

Welche Spielarten gibt es?

Das Universum der Zertifikate ist groß und kaum zu überblicken. Die bekanntesten Arten lassen sich wie folgt einteilen:

Indexzertifikate bilden einen Index ­ häufig eins-zu-eins ­ nach. Um die Papiere auch für Privatanleger attraktiv zu machen wird der Index zumeist 1:100 abgebildet. Ein Indexzertifikat auf den Dax kostet also nicht 7000 Euro sondern nur 70 Euro.

Indexzertifikate gibt es auf alle bekannten weltweiten Aktien-, Renten-, und Rohstoffindizes. Eine Sonderform sind sogenannte Basket-Zertifikate, bei denen ein vorab zusammengestellter Korb mehrerer Papiere zugrunde liegt.

Wer Discountzertifikate kauft, erhält auf eine Aktie oder einen Index einen Preisabschlag. Für diesen Rabatt ist jedoch bei starkem Kursplus der zugrunde liegenden Aktien, der Anstieg des Papiers nach oben gedeckelt. Sie ermöglichen Kursgewinne auch in seitwärts tendierenden Märkten.

Mit einem Bonuszertifikat erhält der Anleger die Chance auf einen Bonus, sofern die zugrunde liegende Aktie (oder Index) in einem bestimmten Zeitraum nicht auf oder unter ein bestimmtes Ausgangsniveau fällt. Auch diese Spielart eignet sich für Seitwärtsmärkte.

Bei Garantiezertifikaten garantiert der Emittent zum Laufzeitende eine Rückzahlung des eingesetzten Kapitals. Wenn die zugrunde liegenden Werte sich entsprechend entwickeln, hat er die Chance einer zusätzlichen Ausschüttung. Anlageexperten kritisieren allerdings die oft hohen Kosten für die Kapitalgarantie und raten stattdessen zu festverzinslichen Anlagen, die naturgemäß eine Kapitalgarantie bieten.

Chancen und Risiken

Zertifikate bieten den Anlegern die Möglichkeit auf nahezu alle Anlageklassen zu setzen. Egal ob Ölpreis, Aktienindizes, Edelmetalle, Währungen, Rentenmärkte oder Einzelaktien ­ für alles gibt es mittlerweile entsprechende Zertifikate. Die verschiedenen Ausstattungen von Zertifikaten ermöglichen es auch auf Seitwärtstrends zu setzen, oder sich eine Kapitalgarantie zu sichern.

Die Risiken sind je nach Papier unterschiedlich. Während zum Beispiel bei einem Zertifikat auf Aktien ein Totalverlust theoretisch möglich ist (analog der Aktie), gehen die Anleger bei einer Garantieanleihe kein Risiko ein, wenn das Papier bis zum Ende der Laufzeit gehalten wird.

Da Zertifikate Schuldverschreibungen sind, besteht außerdem ein Emittentenrisiko. Man sollte deshalb nur Zertifikate von Emittenten mit einer sehr guten Bonität kaufen. Im Konkursfall geht sonst unter Umständen das eingesetzte Kapital verloren.

Erwerb

Zertifikate werden an der Börse gehandelt und können so nahezu täglich gekauft oder verkauft werden. Im Verglich zu Investmentfonds sind die Kosten deutlich geringer, da weder ein Ausgabeaufschlag, noch laufende Verwaltungsgebühren anfallen. Der Anleger zahlt lediglich die Börsenspesen und einen zumeist geringfügigen Aufschlag.

Abgeltungssteuer

Ab dem 1. Januar 2009 wird beim Verkauf oder bei der Endfälligkeit von Zertifikaten auf den Kursgewinn eine pauschale Abgeltungssteuer von 25 Prozent plus Soli und Kirchensteuer erhoben. Allerdings gibt es einen Bestandsschutz: Papiere, die noch vor dem 15. März 2007 gekauft wurden, bleiben steuerfrei, egal wann sie verkauft werden.

Wurde das Zertifikat nach dem 15. März 2007 erworben, sind Verkäufe nur noch bis zum 30. Juni 2009 steuerfrei, sofern die einjährige Spekulationsfrist eingehalten wurde. Beim Kauf nach dem 15. März 2007 und Veräußerung nach dem 30. Juni 2009 greift die Abgeltungssteuer sofern die Jahresfrist überschritten ist. Während der Spekulationsfrist müssen die Erträge wie bisher mit dem individuellen Steuersatz versteuert werden.

Vereinzelt schütten Zertifikate auch laufende Erträge aus. Diese unterliegen im vollen Umfang der Abgeltungssteuer. Erträge und Gewinne aus sogenannten "Finanzinnovationen" wie Garantieanleihen mussten bisher mit dem individuellen Steuersatz versteuert werden, künftig fällt die pauschale Abgeltungssteuer an.

Wer Verluste aus Zertifikaten hat, die nach dem 1. Januar 2009 erworben werden, kann diese sowohl mit Gewinnen aus anderen Wertpapiergeschäften, als auch mit Dividenden und Zinsen verrechnen. Wenn die Papiere vor diesem Termin erworben wurden, ist eine Verrechnung nur möglich, wenn es sich nicht um Finanzinnovationen handelt.

Fazit

Zertifikate verlieren durch die Abgeltungssteuer zwar an Attraktivität, können aber dennoch eine Anlageform mit interessanten Renditeaussichten bleiben. Wer Zertifikate kaufen möchte, oder im Depot hält, sollte neben dem 1. Januar 2009 (Einführung der Abgeltungssteuer) auch die Stichtage 13. März 2007 und 30. Juni 2009 im Auge behalten. Profiteure der neuen Steuer sind "Finanzinnovationen" wie Garantieanleihen. Wie bei allen anderen Geldanlagen sollte bei der Kaufentscheidung aber nicht die Steuer, sondern das persönliche Anlageziel sowie die individuelle Risikobereitschaft im Vordergrund stehen.

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