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Der Wirtschaftsforscher Clemens Fuest rechnet nicht mit einer schnellen Anhebung der Zinsen in den USA. Foto: Oliver Berg/Archiv

Amerikanischer Aufschwung in Gefahr

ZEW-Chef: US-Zins-Anhebung nicht im September

Mannheim - Es wäre die erste Zinserhöhung in den USA seit 2008 - nächste Woche entscheidet die US-Notenbank über eine Zinswende. ZEW-Chef Clemens Fuest vermutet: Noch ist es nicht soweit.

Der Chef des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Clemens Fuest, hält eine Zinswende in den USA noch in diesem Monat für unwahrscheinlich. Die US-Notenbank (Fed) werde nicht umhin kommen, die Zinsen in nächster Zeit zu erhöhen, sagte Fuest der dpa.

Allerdings könne er sich vorstellen, dass sie angesichts der aktuellen Finanzmarktturbulenzen und der gemischten Konjunkturnachrichten aus den USA vorerst noch damit warte. Die Fed entscheidet in der kommenden Woche über die erste Zinserhöhung seit 2008.

Im Fall einer Zinswende in den USA sei nicht zu erwarten, dass die Europäische Zentralbank (EZB) nachzieht, sagte Fuest. In Europa erhole sich die Konjunktur nur zaghaft. Die EZB betreibe derzeit eine Politik der monetären Lockerung, die nicht mit einer Zinserhöhung zusammenpasse. "Jetzt die Zinsen zu erhöhen würde bedeuten, dass man gleichzeitig aufs Gaspedal und auf die Bremse tritt, und das wird die EZB nicht machen", sagte Fuest.

Der ZEW-Chef rechnet damit, dass die Zinsen in den USA in sehr langsamen Schritten angehoben werden. Die private Verschuldung in den Vereinigten Staaten sei wieder ziemlich angestiegen, und viele Investoren hätten Wertpapiere "mittelprächtiger Qualität" in ihren Portfolios. "Wenn es jetzt eine harte Zinswende und entsprechend massive Bewegungen an den Finanzmärkten gäbe, könnte das den Aufschwung in den USA gefährden", sagte er.

In den vergangenen Jahren habe die deutsche Wirtschaft ihre Märkte vor allem in den Schwellenländern gefunden, wo jedoch derzeit eher rezessive Tendenzen vorherrschten. Daher werde zunehmend der amerikanische Markt als Wachstumsmarkt gesehen.

Schwierig könnte für deutsche Unternehmen die Entwicklung in China werden. Derzeit investiere China die Hälfte seines Bruttoinlandsprodukts, normal seien 20 bis 25 Prozent. "Das ist überhaupt nicht durchzuhalten", betonte Fuest. In China gehe es darum, von einer investitions- und kapitalorientierten zu einer konsumorientierten Volkswirtschaft zu kommen, die sich durch Innovationen weiterentwickelt. "Dieser Strukturwandel ist eine neue Herausforderung für China, und wir wissen nicht, ob sie bewältigt wird", sagte der ZEW-Chef.

Wenn es schlecht laufe in China, werde die deutsche Wirtschaft stärker betroffen sein als andere Länder in Europa. Aber es gebe dennoch keinen Grund zur Panik. "Die deutsche Wirtschaft ist sehr diversifiziert und wird das auffangen", sagte Fuest.

dpa

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