Experten rechnen mit Konjunkturaufschwung 

Mannheim - Die EZB sorgt für Optimismus: Die Konjunkturaussichten der Finanzprofis sind angesichts der verkündeten Krisenpläne der Notenbank wieder positiver.

Die Zuversicht deutscher Finanzexperten hat sich im September dank der jüngsten Beschlüsse der Europäischen Zentralbank (EZB) im Kampf gegen die Euro-Schuldenkrise wieder aufgehellt. Die ZEW-Konjunkturerwartungen stiegen nach zuletzt vier Rückschlägen in Folge um 7,3 Punkte auf minus 18,2 Zähler, wie das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag in Mannheim mitteilte. Volkswirte hatten mit einem etwas schwächeren Anstieg auf minus 20,0 Punkte gerechnet.

Nach Einschätzung von ZEW-Präsident Wolfgang Franz dürfte die Verbesserung vor allem auf das neue Anleihekaufprogramm der EZB zurückgehen. „Allerdings ist die Schuldenkrise noch nicht gelöst und die Konjunkturrisiken sind nach wie vor virulent.“ In ersten Einschätzungen kommentierten Bankvolkswirte die Daten deutlich optimistischer. EZB-Präsident Mario Draghi „könnte Deutschland gerettet haben“, sagte beispielsweise Berenberg-Experte Holger Schmieding.

Die Notenbank habe mit ihrer Ankündigung, notfalls unbegrenzt Staatsanleihen aufzukaufen, „die Chance erhöht, dass die deutsche Wirtschaft gegen Ende des Jahres wieder wachsen wird“, hieß es in einer Analyse der Commerzbank. Die Experten sprachen von „sehr guten Rahmenbedingungen von Seiten der Geldpolitik, des Wechselkurses und der Weltwirtschaft“. Ein Abflauen der Euro-Schuldenkrise „dürfte den nächsten kräftigen Aufschwung der deutschen Wirtschaft auslösen“.

Auch nach Einschätzung der Berenberg Bank ist die Aufhellung des ZEW-Konjunkturindikators vielversprechend. Der Anstieg sei „das erste vorsichtige Anzeichen, dass die EZB Deutschland vor einer Rezession bewahren wird“. Allerdings habe der ZEW-Konjunkturindikator in der Vergangenheit immer wieder stark geschwankt. Nach Einschätzung der Berenberg Bank muss der ZEW-Index noch mindestens zweimal in Folge steigen, bevor von einer Trendwende gesprochen werden kann.

Zudem fiel die Beurteilung der aktuellen Lage durch die vom ZEW-Institut befragten Experten ungünstiger als im Vormonat aus. Der Indikator sank um 5,6 Punkte auf 12,6 Zähler. Die schlechtere Beurteilung der Lage liefert Hinweise darauf, dass die „Konjunkturerholung holprig verlaufen dürfte“, kommentierte Postbank-Experte Thilo Heidrich.

Für die Eurozone haben sich die Konjunkturerwartungen ebenfalls stark aufgehellt, während die Lagebewertung leicht nachgab. Der Erwartungsindex für den Euroraum sei um 17,4 Punkte auf minus 3,8 Zähler gestiegen, die Lagekomponente sei hingegen um 1,2 Punkte auf minus 76,3 Zähler gesunken, teilte das ZEW weiter mit.

dpa

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