Zinsen in Euroland ziehen wieder an

- Frankfurt/München - Die Europäische Zentralbank hat zum zweiten Mal innerhalb von drei Monaten die Zinsen für den Euroraum erhöht. Die Währungshüter beschlossen, den entscheidenden Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 2,5 Prozent heraufzusetzen. Dies hatten Marktteilnehmer erwartet.

EZB-Präsident Jean-Claude Trichet wies zur Begründung auf den anhaltend großen Preisdruck insbesondere wegen der hohen Rohölkosten hin. Kurzfristig dürfte die Inflationsrate weiterhin über der von der EZB als Preisstabilität definierten Marke von 2 Prozent liegen.

Trichet räumte zwar ein, dass das Wachstum im vierten Quartal mit 0,3 Prozent in der Eurozone schwächer ausgefallen sei als im Vorquartal. Die Rahmenbedingungen für ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum im Euroraum seien jedoch gegeben. Für dieses Jahr rechnen die Währungshüter mit einem Plus des Bruttoinlandsprodukts im Euroraum von 1,7 bis 2,5 Prozent und mit 1,5 bis 2,5 Prozent im kommenden Jahr.

"Ich halte die Entscheidung für sehr gut begründet", sagte Michael Heise, Chefvolkswirt bei Allianz und Dresdner Bank, gegenüber dieser Zeitung. "Es war angesichts der starken Entwicklung der Kreditvergabe und der Geldmenge geboten, ein wenig Gas wegzunehmen." Seines Erachtens bestehe "kein Anlass, jetzt schnell weitere Schritte folgen zu lassen, da die Inflation trotz der hohen Ölpreise gut unter Kontrolle ist und die Konjunktur zwar anzieht, aber noch kein breiter Aufschwung erreicht ist", erklärte Heise. Er erwarte, dass die EZB die Leitzinsen bis Jahresende auf 3,0 Prozent anheben werde. Der Bundesverband deutscher Banken appellierte an die EZB, mit weiteren Zinsschritten zu warten. Der Bundesverband der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken bezeichnete die Zinserhöhung als angemessen zur Normalisierung der Geldpolitik. Die Anhebung erfolge im richtigen Ausmaß und zum richtigen Zeitpunkt.

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