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Zinsen im Euro-Raum bleiben konstant

Frankfurt/Main (dpa) - Trotz des wirtschaftlichen Abschwungs und zunehmender Rezessionsängste bleiben die Zinsen im Euro-Raum vorerst konstant. Die Europäische Zentralbank (EZB) ließ den Leitzins am Donnerstag unverändert bei 4,25 Prozent und gab keine Hinweise auf einen baldigen Zinsschritt.

"Es gibt in dieser Hinsicht nichts zu kommunizieren", sagte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet in Frankfurt. "Wir tun, was notwendig ist, um Preisstabilität zu sichern und glaubwürdig zu sein." Volkswirte gehen davon aus, dass die Währungshüter die Zinsen wegen der hohen Inflation bei gleichzeitigem wirtschaftlichen Abschwung bis Ende 2008 unverändert halten. Im nächsten Jahr wird eine Zinssenkung erwartet. Niedrige Zinsen verbilligen Kredite für Firmen und Verbraucher und schieben die Konjunktur an.

Wegen des Preisdrucks - vor allem bei Energie und Lebensmitteln - liegt der Leitzins seit Anfang Juli mit 4,25 Prozent auf dem höchsten Niveau seit knapp sieben Jahren. Zinssenkungen zur Ankurbelung der Konjunktur gelten wegen der hohen Inflation derzeit als nahezu ausgeschlossen, Zinserhöhungen im Kampf gegen die Inflation würden die Wirtschaft zusätzlich schwächen.

Zur Zeit mehren sich die Anzeichen für einen ausgeprägten Abschwung in den 15 Euro-Ländern. Die Folgen der Finanzmarktkrise, der hohe Ölpreis und der starke Euro bremsen die Wirtschaft weltweit und in Europa. Einige europäische Staaten stehen am Rande einer Rezession. Trichet sprach von einer wirtschaftlichen Abkühlung: "Das Wachstum hat sich Mitte 2008 abgeschwächt, das war zum Teil erwartet nach dem außergewöhnlich robusten Wachstum im ersten Quartal." Zu Jahresbeginn hatten der milde Winter und Steuereffekte die Bauindustrie und Investitionen angekurbelt. Dennoch seien die Wirtschaftsdaten im Euro-Raum grundsätzlich solide.

Trichet sprach aber von "starken Risiken für das Wachstum". Eines davon ist die Teuerung. "Die Inflation wird noch einige Zeit auf einem hohen Niveau bleiben und erst 2009 allmählich sinken", sagte Europas oberster Währungshüter. Aufgabe der EZB ist es, für stabile Preise zu sorgen. Diese sieht die Notenbank bei Inflationsraten knapp unter 2,0 Prozent gewahrt.

Der Tempoverlust des Wirtschaftswachstums könnte nach gängiger Meinung den Preisdruck bald nehmen. Zudem ist der Ölpreis, der die Inflation seit Monaten angeheizt hatte, seit Anfang Juli gefallen. Im Juli hatte die Teuerung im Euro-Raum wegen hoher Öl- und Lebensmittelpreise auf dem Rekordniveau von 4,1 Prozent gelegen.

Trichet mahnte die Gewerkschaften, in den laufenden Lohnrunden keine überzogenen Lohnabschlüsse zu vereinbaren. Im Juli hatte die EZB gegen massive politische Kritik den Leitzins von 4,0 auf 4,25 Prozent erhöht. "Alle Daten zeigen, dass unsere Entscheidung richtig war", verteidigte Trichet am Donnerstag diesen Schritt. Kritiker warnen, steigende Zinsen könnten hunderttausende Arbeitsplätze gefährden - etwa weil Firmen wegen teurerer Kredite nicht mehr so viel investieren.

Ebenso wie die EZB ließ auch die britische Notenbank ihren Leitzins am Donnerstag unverändert bei 5,00 Prozent. Der Euro verlor nach der EZB-Entscheidung leicht und notierte bei 1,5471 US-Dollar.

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