Auf dass es wachse und gedeihe: Wer Geld anlegt, will mehr herausbekommen, als die Inflation wegfrisst. Bei Zinsen um die ein Prozent ist das derzeit nicht gewährleistet. Fotolia

Zinsen: Es geht langsam aufwärts

München - Millionen Sparer können sich freuen: Die Zinsen steigen. Endlich rücken viele Banken und Sparkassen wieder etwas mehr Geld fürs Ersparte heraus. Doch längst nicht alle Banken geben den steigenden Leitzins weiter.

Die vergangenen Monate waren für Sparer nicht besonders ertragreich. Die Zinsen waren auf einem historischen Tiefstand. Doch inzwischen geht es wieder aufwärts. Wer sich nicht länger mit Magerzinsen abspeisen lassen will, sollte aktiv werden, rät Max Herbst von der unabhängigen Finanzberatung FMH in Frankfurt: „Attraktive Zinsofferten herauspicken und einfach die Bank wechseln.“

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Leitzins am vergangenen Donnerstag von 1,25 auf 1,5 Prozent erhöht. Das soll Inflationsrisiken gegensteuern. Fachleute rechnen in diesem Jahr noch mit einem weiteren Zinsanstieg. Im Sog einer Leitzinserhöhung ziehen die Guthabenzinsen auf Tagesgeldkonten und für Festgeldanlagen in der Regel an. „Das Gros der Angebote ist zwar noch sehr mager und gleicht meist nicht mal die Inflationsrate von rund zwei Prozent aus, aber wir rechnen in nächster Zeit mit Besserung“, sagt Sylvia Beckerle, Finanzberaterin der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz.

Bis zu 2,5 Prozent

aufs Tagesgeld

Wer sein Geld kurzfristig parken und täglich darüber verfügen will, ist mit Tagesgeldkonten gut bedient. Bestenfalls gibt es derzeit bis zu 2,5 Prozent Zinsen dafür, wie das Online-Vergleichsportal biallo.de ermittelt hat. 2,5 Prozent auf das Tagesgeld bietet derzeit die Bank of Scotland. Die Erhöhung begründet die Bank mit dem jüngsten Zinsschritt der EZB.

Die Online-Bank ING Diba wird ihre Zinsen zum 15. Juli für Tagesgeld von 1,5 auf 1,75 Prozent erhöhen. Allerdings wurde diese Zinsanhebung bereits am 22. Juni verkündet, also vor dem jüngsten EZB-Zinsschritt. Für den eingeräumten Dispo-Kredit zahlen Diba-Kunden neun Prozent, für die weitere Überziehung 12,5 Prozent.

Bei der HypoVereinsbank bleiben die Zinsen schon seit einigen Monaten unverändert. Derzeit sei keine Anhebung geplant, sagt ein Sprecher. Für Sparguthaben gibt es je nach angelegtem Betrag zwischen 0,25 und 1,05 Prozent Zinsen, der Dispo kostet 12,26 Prozent, eine Überziehung, die darüber hinausgeht 17,26 Prozent.

Im Schnitt nur

1,17 Prozent

Im Schnitt bekommen Kunden deutscher Banken nur bescheidene 1,17 Prozent Rendite auf ihr Erspartes geboten, ergab der Überblick von biallo.de. Im Zinstal zähle aber jedes Zehntel, sagt Beckerle. Mancher Top-Zins gilt jedoch nur bei Mindestanlagesummen - als Lockvogelangebot ausschließlich für Neukunden oder er ist an ein Online-Konto oder ein Guthaben im Depot geknüpft. „Am besten sind Tagesgeldkonten ohne Kombi-Vorgaben, die ab dem ersten Euro hohe Zinsen bringen“, empfiehlt Beckerle.

Wer eine Spitzenofferte beim Schopf packen will, muss kein Girokonto bei der entsprechenden Bank haben, sondern nur die anzulegende Summe von der Hausbank auf das neu eröffnete Tagesgeld-Konto überweisen. Tagesgeld kann jederzeit wieder abgerufen werden. Wie stark es sich lohnt, die Bank zu wechseln, können sich Sparer online unter www.fmh.de/tagesgeldplanung auf den Euro genau berechnen lassen.

Zum Geldparken können auch kurzfristige Festgeldkonten geeignet sein. Einjähriges Festgeld beispielsweise ist derzeit für 3,0 Prozent Zinsen zu haben, ohne Mindestanlagesumme, wie biallo.de erklärt. Die zweitbeste Offerte liegt bei 2,8, der Schnitt der Angebote bei mageren 1,37 Prozent.

Erspartes in ganz

Europa sicher

Wer sich für die aktuellen Spitzenzinsen entscheidet, sollte genau hinsehen, wem er sein Erspartes anvertraut, sagt Beckerle. Die Fachfrau rät wegen der Sprachbarrieren vor allem älteren Sparern davon ab, ihr Geld europaweit anzulegen. Im Konkursfall sei das Geld bei EU-Banken aber so sicher wie in Deutschland..

Berrit Gräber, Philipp Vetter, Martin Prem

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