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Die Zinsen steigen, doch eine Wende gibt es nicht

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- München - Während die Europäische Zentralbank noch wartet, hat die US-Notenbank Fed die Leitzinsen schon mehrfach angehoben. Und seit etwa einem Monat kommen auch die langfristigen Zinsen in Schwung. Diese sind für Anleger am Rentenmarkt von besonderer Bedeutung. Steigen die Zinsen, fallen die Kurse der festverzinslichen Wertpapiere. Denn wenn mit neuen Papieren mehr Zinsen zu holen sind, verlieren die alten Papiere, die niedrigere Zinsen bieten, an Attraktivität. Mancher befürchtet deshalb einen Crash am Rentenmarkt - zu Unrecht, meinen Experten der Bayerischen Landesbank.

Infolge des Konjunktureinbruchs der vergangenen Jahre sind die Zinsen sowohl in den USA als auch in Europa auf Rekordtiefs gesunken. Inzwischen hat die Wirtschaft beiderseits des Atlantiks an Kraft gewonnen. In den USA rechnet die BayernLB für heuer mit einem Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts von 3 Prozent und in Deutschland von 0,8 Prozent. Der Wert für die Inlands-Prognose erscheine niedrig, weil die Beschleunigung des Wachstums, die man für heuer erwarte, von einem relativ niedrigen Ausgangswert im zweiten Halbjahr 2004 starte, erklärte Chefvolkswirt Jürgen Pfister. "Wir sind nach wie vor optimistisch", sagte er. Doch die Zinsen haben sich dem allgemeinen Aufwärtstrend lange entzogen.

 

Am 9. Februar erreichten die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen in den USA und Deutschland ihren tiefsten Stand (siehe Grafik). Seit diesem Tag sind die Renditen gestiegen. Derzeit liegen sie in Deutschland bei etwa 3,7 Prozent und in den USA bei 4,5 Prozent für Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit. Würde diese Entwicklung für eine Zinswende stehen - also ein nachhaltiges Umschwenken von fallenden auf steigende Zinsen -, könnte das die Kurse am Rentenmarkt deutlich unter Druck bringen. Doch eine solche Entwicklung hält die BayernLB für unwahrscheinlich.

 

"Wir erwarten einen Zinsanstieg, aber einen deutlich sanfteren als bei Zinswenden in der Vergangenheit", erklärte Analyst Alexander Rauch. Es handele sich eher um eine Korrektur in einer Niedrigzinsphase als eine Zinswende im klassischen Sinn. Dementsprechend dürften auch die Auswirkungen auf den Rentenmarkt nach Einschätzung der Experten gemäßigt bleiben. "Von einer Blase am Rentenmarkt kann keine Rede sein. Die Assoziation mit den Übertreibungen am Aktienmarkt Anfang 2000 und die nachfolgende Korrektur führt in die Irre", erklärte Pfister.

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