Zinserhöhung in Europa noch nicht in Sicht

- Brüssel - Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht offensichtlich keinen Grund, der US-Notenbank rasch zu folgen und die Zinsen zu erhöhen. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet sagte vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europaparlaments lediglich, es seien gewisse Risiken für die Preisstabilität aufgetreten. Die Märkte könnten aber beruhigt sein: "Wir werden uns für die Preisstabilität mittelfristig einsetzen." Falls die Zentralbank die Preisstabilität bedroht sieht, kann sie die Zügel anziehen und die Leitzinsen erhöhen. Frankfurter Bankexperten erwarten einen Zinsschritt nicht vor dem Jahreswechsel.

<P>Die US-Notenbank hatte am Vortag ihren Leitzins angesichts der besseren Konjunktur erneut um 0,25 Punkte auf nun 1,75 Prozent angehoben. Der wichtigste EZB-Leitzins beträgt derzeit zwei Prozent.<BR><BR>Nach Einschätzung von Volkswirten gibt es keinen Zweifel daran, dass die US-Notenbank ihren Weg maßvoller Zinserhöhungen fortsetzt. "Der Offenmarktausschuss der US-Notenbank signalisiert Zinserhöhungen ohne Pausen", sagte Volkswirt Peter Müller von der Commerzbank. Allerdings sind sich die Experten uneins, wie stark die Zinserhöhungen bis 2005 ausfallen werden. Die Zinspolitik der Notenbank ist nach Ansicht von Volkswirt Folker Hellmeyer von der Bremer Landesbank bei einer offiziell ausgewiesenen Inflationsrate von 3 Prozent auch weiterhin eine "massive Subvention der Gesamtwirtschaft". Auch für Deka-Bank-Experte Guido Zimmermann besteht weiterer Bedarf für Zinserhöhungen. Er hält das neutrale Niveau der US-Leitzinsen erst zwischen 3,0 und 5,0 Prozent für erreicht.<BR><BR>Trichet äußerte sich optimistisch über die weltweite Konjunkturerholung. "Der Aufschwung in der Euro-Zone dauert an." Die hohen Ölpreise seien aber ein Risiko. Sollte der Preis noch stärker als an den Finanzmärkten erwartet steigen, könnte die Auslands- und Binnennachfrage in den Euroländern gedämpft werden. Der jüngste Ölpreisanstieg könne aber nicht mit den Ölkrisen der 70er- und Anfang der 80er- Jahre verglichen werden.<BR><BR>Die jährliche Inflationsrate werde 2004 mit durchschnittlich 2,1 Prozent bis 2,3 Prozent über der Warnschwelle der EZB bleiben. Preisstabilität ist nur gegeben, wenn die Inflationsrate nahe bei zwei Prozent liegt.</P><P><BR> </P>

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