Zinsschritt: Sparer warten vergeblich

- München - Steigende Zinsen wirken sich für jeden aus: Sie können Inflation, Sparkonditionen, Kreditkosten, Aktienkurse, Anleihen oder Lebensversicherungen beeinflussen. Die Leitzins-Erhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) wird sich aber für die wenigsten Verbraucher direkt bemerkbar machen. Experten rechnen erst bei weiteren Schritten mit größeren Auswirkungen.

Die EZB hat den Leitzins von 2,0 auf 2,25 Prozent angehoben. Das heißt, dass die Banken künftig mehr bezahlen müssen, wenn sie sich von der europäischen Notenbank Geld leihen. Und diese Zinserhöhung kann an die Kunden durchgereicht werden.

Inflation

Die EZB will mit der Zinserhöhung der Inflation entgegenwirken. Vor allem wegen der hohen Kosten für Öl lag die Teuerung im Euro-Raum im November bei 2,4 Prozent auf Jahresbasis. Sinkt die Inflation, ist das vorteilhaft für die Verbraucher, deren Geld weniger an Wert verliert.

Sparanlagen

Wer Sparkonten hat, profitiert von steigenden Zinsen. Allerdings bezweifeln Experten, dass etwas von der EZB-Zinserhöhung bei den Sparern ankommt. "0,25 Prozentpunkte werden nicht ausreichen, dass eine Bank ihre Tagesgeld-Zinsen anpasst", glaubt Merten Larisch von der Verbraucherzentrale Bayern.

Kredite

Wer sich auf Dispo- und Verbraucherkredite stützt, muss mit höheren Kosten rechnen - vorausgesetzt, die Banken geben die Zinssteigerung hier weiter. Das träfe den größten Schuldner am härtesten: den Staat. Angesichts von 1500 Milliarden Euro öffentlicher Schulden in Deutschland könnte die Zinslast um rund eine Milliarde Euro zunehmen, sagte der Direktor des Hamburgischen Weltwirtschafts-Instituts, Thomas Straubhaar, der "Passauer Neuen Presse". Bei Hypothekendarlehen wurde die Zinswende offenbar schon vollzogen. Seit einem Tief im September sind die Zinsen etwas gestiegen.

Anleihen

Bei festverzinslichen Wertpapieren sind steigende Zinsen ein zweischneidiges Schwert. Wer künftig Anleihen kauft, kann auf einen höheren Zins hoffen. Doch dadurch verlieren Papiere, die auf dem alten (niedrigeren) Zinsniveau beruhen, an Wert. Ihr Verkaufspreis sinkt. Wer also Anleihen vor dem Ende der Laufzeit verkauft, muss mit geringerem Erlös rechnen.

Aktien

Höhere Zinsen bedeuten für Unternehmen, die sich über Kredite finanzieren, höhere Kosten. Und das ist schlecht für den Aktienmarkt. Der Trippel-Schritt der EZB hat Investoren aber offenbar nicht beunruhigt. Der Dax legte trotzdem zu.

Lebensversicherung

"Die Lebensversicherungsbranche wird aufatmen, wenn die Zinsen hochgehen", schätzt Verbraucherschützer Larisch. Die Unternehmen bieten ihren Kunden eine Garantieverzinsung, die sie in den vergangenen Jahren teilweise nicht erwirtschaften konnten. Steigende Zinsen entlasten sie. Von diesem Vorteil geben sie den Kunden aber nichts ab - im Gegenteil. Der Garantiezins soll zum 1. Januar 2007 noch weiter sinken - auf 2,25 Prozent. Allenfalls bei der (freiwilligen) Überschussbeteiligung wären Aufschläge in Folge steigender Zinsen denkbar.

Zinsentwicklung

Es kommt nun also darauf an, wie sich die Zinsen weiter entwickeln. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet sagte: "Dies ist keine Entscheidung im Voraus, dass wir eine Serie von Zinserhöhungen umsetzen werden." Ökonomen halten im Frühjahr 2006 erneut eine leichte Zinserhöhung für möglich. Bis Ende nächsten Jahres könne der Zins auf 2,75 Prozent steigen. Doch auch das gilt noch als niedriges Niveau.

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